hatte ; 24 ein russischer » Rollberg « entstand , eine sogenannte Rutschbahn , und russische Schaukeln setzten sich in Bewegung . 1821 wurde ein Rosensortiment aus der Nachlassenschaft des Dr. Böhm für eine erhebliche Summe Geldes gekauft und in vier Spreekähnen von Berlin aus nach der Pfaueninsel geschafft . Die Überführung dieser Sammlung gab Anlaß zur Anlage eines Rosengartens , der alsbald einhundertundvierzig Quadratruten bedeckte und dreitausend hoch- und halbstämmige Rosen , dazwischen ungezählte Sträucher von Zentifolien , Noisetten und indischen Rosenarten umschloß . Ziemlich um dieselbe Zeit wurde ein Wasserwerk mit einer Dampfmaschine errichtet , lediglich um ein großes Reservoir zu speisen , aus dem nun der sandige Teil der Insel bewässert werden konnte . Damit war Lebensblut für alle darauf folgenden Verschönerungen gegeben . 1828 , nachdem viele Geschenke und Ankäufe vorausgegangen , ward auch eine reizende , alle Tierarten umfassende » Menagerie « erworben . Sie wurde hier wie von selbst zu einem zoologischen Garten , da Lenné , feinen Sinnes und verständnisvoll , von Anfang an bemüht gewesen war , den einzelnen Käfigen und Tiergruppen immer die passendste landschaftliche Umgebung zu geben . 1830 wurde auch das Palmenhaus errichtet . Das kleine Eiland stand damals auf seiner Höhe . » Eine Fahrt nach der Pfaueninsel « , so durfte Kopisch wohl schreiben , » galt den Berlinern als das schönste Familienfest des Jahres und die Jugend fühlte sich überaus glücklich , die munteren Sprünge der Affen , die drollige Plumpheit der Bären , das seltsame Hüpfen der Känguruhs hier zu sehen . Die tropischen Gewächse wurden mit manchem Ach ! des Entzückens bewundert . Man träumte in Indien zu sein und sah mit einer Mischung von Lust und Grauen die südliche Tierwelt , Alligatoren und Schlangen , ja das wunderbare Chamäleon , das opalisierend oft alle Farben der blühenden Umgebung widerzuspiegeln schien . « Meine eigenen Kindheitserinnerungen , wie ich sie eingangs ausgesprochen , finden in dieser Schilderung ihre Bestätigung . 4. Die Pfaueninsel 15. Juli 1852 4. Die Pfaueninsel 15. Juli 1852 Und Stille , wie des Todes Schweigen Liegt überm ganzen Hause schwer . » Die Kraniche des Ibykus « Mit 1840 schied die Pfaueninsel aus der Reihe der herrschenden Lieblingsplätze aus ; Friedrich Wilhelm IV. griff auf die Friderizianische Zeit zurück und Sanssouci samt seinen Dependenzien belebte sich wieder . Das Rokokoschloß , das der Lichtenau ihre Entstehung verdankte , verfiel nicht , aber es kam außer Mode , und wie man die Jahrzehnte vorher gewallfahrtet war , um den Rosengarten der Pfaueninsel zu sehn , so führte jetzt die Eisenbahn viele Tausende hinüber , um , zu Füßen von Sanssouci , die Rosenblüte in Charlottenhof zu bewundern . Die Pfaueninsel kam außer Mode , so sagt ' ich , aber wenn sie auch nicht Sommerresidenz mehr war , so zählte sie doch noch immer zu jenen bevorzugten Havelplätzen , wo Friedrich Wilhelm IV. an Sommerabenden zu landen und in Stille , bei untergehender Sonne , seinen Tee zu nehmen liebte . Ein solcher Sommerabend war auch der 15. Juli 1852 . Wir berichten näher über ihn . Kaiser Nikolaus war am preußischen Hofe zu Besuch eingetroffen . Ein oder zwei Tage später erschien Demoiselle Rachel in Berlin , um daselbst ihr schon 1850 begonnenes Gastspiel zu wiederholen . Friedrich Wilhelm IV. , mit seinem kaiserlichen Gaste in Potsdam verweilend , gab , als er von dem Eintreffen der berühmten Tragödin hörte , dem Hofrat Schneider Auftrag , dieselbe für eine Pfaueninsel-Vorstellung zu engagieren . Über diesen allgemein gehaltenen Auftrag hinaus wurde nichts angeordnet . Die nötigen Schritte geschahen ; die Rachel , die natürlich ein Auftreten im Neuen Palais oder doch mindestens im Stadttheater erwartete , sagte zu . Am Nachmittage des festgesetzten Tages traf die Künstlerin , in Begleitung ihres Bruders Raphael , auf dem Bahnhofe zu Potsdam ein . Hofrat Schneider empfing sie . Die Situation dieses letzteren , der , trotz aller Bemühungen , nicht imstande gewesen war , bestimmtere Orders , eine Art Festprogramm zu extrahieren , war inzwischen eine ziemlich peinliche geworden . Die Tragödin verlangte Auskunft über alles , während solche über nichts zu geben war . Als ihr schließlich , auf immer direkter gestellte Fragen , gesagt werden mußte , daß es an all und jeder Vorbereitung fehle , daß alles in die Macht ihrer Erscheinung und ihres Genius gegeben sei , geriet sie in die höchste Aufregung , fast in Zorn , und drohte , mit einem mehrfach wiederholten » jamais « , die Unterhandlungen abzubrechen . Ihr Bruder Raphael bestärkte sie in ihrem Widerstande . » Eine Bänkelsängerin , eine Seiltänzerin , nie , nie ! « Sie schickte sich an , mit dem nächsten Zuge nach Berlin zurückzufahren . Was tun ? Eine Niederlage ohnegleichen schien sich vorbereiten zu sollen . Aber die diplomatische Beredsamkeit des Unterhändlers wußte sie zu vermeiden . Er erinnerte die Tragödin zunächst daran , daß Molière in ähnlicher Situation vor dem Hofe Ludwigs XIV. gespielt und seine größten Triumphe gefeiert habe , was Eindruck zu machen schien ; als aber die Zuflüsterungen des » linken Reiters « ( Bruder Raphael ) dennoch wieder die Oberhand erlangen zu wollen schienen , als das Wort » Bänkelsängerin « immer von neuem fiel , griff Hofrat Schneider endlich zu einem letzten Mittel . Er wußte , daß der berühmten Tragödin ungemein daran lag , in Petersburg – das ihr seit 1848 , wo sie , von der Bühne herab , als Göttin der » Freiheit « die Marseillaise gesungen hatte , verschlossen war – wieder Zutritt zu gewinnen , und dieser Köder wurde jetzt nicht vergeblich an die Angel gesteckt . Der diplomatische Plenipotentiaire schilderte ihr mit lebhaftesten Farben , welch einen Eindruck es auf den Kaiser machen müsse , wenn er , heute abend auf der Pfaueninsel landend , erfahren würde , » Demoiselle Rachel habe es abgelehnt , zu erscheinen « , wie sich ihr aber umgekehrt eine glänzende , vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit biete , den