wollen , so ist ' s keine Hexerei und gar kein Zweifel , daß wir vorwärts und zu Stande kommen . Renatus befahl ihm , sich deutlicher zu erklären ; der Amtmann ließ sich das nicht zweimal sagen . Es war ihm , als er vor seinem Herrn erschienen war , nicht besonders wohl gewesen , jetzt aber begann er , Muth zu fassen . Er knöpfte den braunen Oberrock auf , daß die großgeblümte , wollene Weste in ihrer ganzen Farbenpracht zu sehen war , zog sein blaues Taschentuch hervor , und sich die Stirn und die feisten Wangen trocknend , während die kleinen Augen in freundlicher Zuversicht listig zwinkerten , sagte er : Was sie dem gnädigen Herrn auch von den neuen Wirthschafts-Methoden und neuen Theorieen gesprochen haben mögen , es gibt zum Vorwärtskommen , um in die Höhe zu kommen , immer nur die eine praktische Theorie : viel einnehmen und wenig brauchen , daß man Ueberschuß erzielt . So haben sie ' s ja auch gemacht , die Steinert und der alte Flies , die ihr Schäfchen so vorsichtig in ' s Trockene gebracht haben , während sie den seligen Herrn in die Patsche führten . Warum soll ' s denn jetzt , da es nicht ihren , sondern des gnädigen Herrn Vortheil gilt , mit neuen Mitteln angefangen werden ? Er begann darauf , dem Freiherrn die Erträge der Güter und die zunächst nothwendigen Ausgaben vorzurechnen , wobei die Verhältnisse sich allerdings weit günstiger als nach den Annahmen von Tremann auswiesen , schilderte darauf aber die großen Mühen , welche man in den kommenden Jahren haben werde , die mancherlei Unsicherheiten , denen man immer in der Wirthschaft ausgesetzt sei , und nachdem er Renatus mit jener Menge von Einzelheiten , die für den Uneingeweihten stets etwas Beunruhigendes und Verwirrendes haben , ermüdet hatte , so daß derselbe bedenklich zu werden begann , trat der Amtmann ganz unerwartet und plötzlich mit dem Vorschlage hervor , die Güter in Pacht zu nehmen , falls der Freiherr es unter den obwaltenden Umständen etwa vorziehen sollte , im militärischen Dienste zu verbleiben , wo ihm bei seinen jungen Jahren ein schönes Vorwärtskommen nicht entgehen könne , da jetzt nach dem Kriege viele der älteren Offiziere ihren Abschied fordern oder erhalten würden . Renatus stand noch immer an dem Schreibtische , aber seine Stirne sah nicht mehr so heiter und so klar aus . Der Vorschlag des Amtmanns beunruhigte ihn sehr ; denn auch Tremann hatte ihn darauf hingewiesen , daß es gerathen für ihn sein würde , in seiner militärischen Laufbahn zu beharren und zu versuchen , in wie weit sich mit dem festen Ertrage eines Pachtzinses seine Vermögens-Umstände verbessern ließen . Wenn man aber von zwei so verschiedenen Ausgangspunkten , wie die von Tremann und von dem Amtmanne es waren , an das gleiche Ziel gelangen konnte , so mußte dies ein richtiges sein ; indeß es widerstrebte dem Freiherrn immer noch , an die Verpachtung seiner Güter zu denken . Er hatte die Feder wieder zur Hand genommen und riß , ohne zu wissen , was er that , ihre Fahne in kleinen Stücken herunter , bis er den nackten , kahlen Kiel erblickte . Stückweise ! murmelte er kaum hörbar zwischen den Zähnen hin , knickte die Feder um und warf sie mit einer heftigen Bewegung fort . Der Amtmann beobachtete ihn genau , aber er drängte ihn mit keinem Worte zu einer entscheidenden Antwort hin . Er erklärte sich sogar aus freiem Antriebe bereit , das Belieben des gnädigen Herrn noch acht Tage zu erwarten , damit derselbe volle Zeit habe , die Sache reiflich zu erwägen . Und als man danach auf die Bürgschaft zu reden kam , welche der Amtmann als Pächter der Güter zu leisten haben würde , meinte er , bescheiden und vertrauensvoll lächelnd , er sei ja nicht nackt und bloß gewesen , als er in den Dienst der Herrschaften getreten sei . Er habe sich in all den schweren Jahren schlicht und recht und kümmerlich wie der ärmste Mann beholfen , habe also immer doch etwas zurückgelegt , und wenn der Freiherr von ihm die Bürgschaft nicht über die Gebühr hoch begehre , so hoffe er mit Gottes Hülfe und mit dem Beistande seiner Freunde wohl im Stande zu sein , sie aufzubringen . Damit waren für ' s Erste diese Verhandlungen beendet , aber der Sinn des Freiherrn blieb mit ihnen immerfort beschäftigt , und wie er sich ' s auch vorhielt , daß es ja noch völlig in seinem Belieben und in seinem Ermessen liege , was er thun wolle , kam er sich nicht mehr so frei , so selbständig als noch vor wenigen Stunden vor , denn , mochte er sich auch gegen die Einsicht sträuben , das erkannte er deutlich , er konnte das Leben nicht in der Weise seines Vaters weiterführen ; er war heruntergekommen , und Alle um ihn her , Alle , die in seinen Diensten gearbeitet , selbst gearbeitet hatten , waren im Wohlstande fortgeschritten . Er hatte den Neid niemals gekannt , jetzt aber regte sich in ihm eine zornige Empfindung gegen alle jene Emporkömmlinge , und obschon er sich durchaus in der Lage befand , den Werth und die Bedeutung des Geldes schätzen zu lernen , dünkte das Geld ihn an und für sich als etwas Verächtliches , weil der gemeine Mann , weil Jedweder es erwerben konnte , der eine schwielige Hand nicht scheute , der sich entschließen mochte , die Gegenwart um der Zukunft willen daran zu geben , und , wie der Amtmann es nannte , gleich einem gemeinen Manne zu arbeiten und zu leben . Es lag für des Freiherrn Empfinden auch etwas sehr Gemeines in dem beständigen Denken an Hab und Gut , an Vermehrung des Besitzes . Er hatte eine Erinnerung an die Zeiten , in welchen in seinem väterlichen Schlosse von Geld und Besitz niemals die Rede gewesen war ,