durch Schilf und Rohr heranschlich , horchte der Wildschwan auf , hier hatte er noch den Instinkt der Gefahr , und wenn der erste Schuß fiel , erhoben sich fünfzig der majestätischen Vögel und rauschten mit schwerem Flügelschlage durch die Luft . Die Schönheit und Poesie dieses Tieres aber , vor allem die mächtige Schußfläche , die es bietet , werden sehr wahrscheinlich immer ein Hindernis bleiben , die Schwanenjagd in Jägeraugen zu etwas besonders Wünschenswertem zu machen . Es unterbricht nur mal den gewöhnlichen Lauf der Dinge . Ein Zwischengericht , das willkommen ist . Die Schwäne der Havel bilden auch einen Versandartikel . Viele , von näher gelegenen Punkten zu schweigen , gehen bis Petersburg und nach den großen Städten der Union . Mannigfach sind die Versuche , ihn auch an andern Stellen einzubürgern . Es mag indessen lange dauern , ehe der Havelschwan übertroffen wird . Der Limfjord , auf jenen weiten Wasserbassins , wo Tausende von Möwen wie weiße Nymphäen schwimmen , bietet ein ähnliches Bild . Aber doch nur ein ähnliches . Die Möwe ist eben kein Schwan . Noch ist die Havel mit ihren zweitausend Schwänen unerreicht . Die Pfaueninsel 1. Die Pfaueninsel bis 1685 1. Die Pfaueninsel bis 1685 Pfaueninsel ! Wie ein Märchen steigt ein Bild aus meinen Kindertagen vor mir auf : ein Schloß , Palmen und Känguruhs ; Papageien kreischen ; Pfauen sitzen auf hoher Stange oder schlagen ein Rad , Volieren , Springbrunnen , überschattete Wiesen ; Schlängelpfade , die überall hin führen und nirgends ; ein rätselvolles Eiland , eine Oase , ein Blumenteppich inmitten der Mark . Aber so war es nicht immer hier . All das zählt erst nach Jahrzehnten , und noch zu Ende der neunziger Jahre war diese Havelinsel eine bloße romantische Wildnis , die sich aus Eichen , Unterholz und allerhand Schlinggewächs zusammensetzte . An manchen Stellen urwaldartig , undurchdringlich . Um das ganze zweitausend Schritt lange und über fünfhundert Schritt breite Eiland zog sich ein Gürtel von Uferschilf , darin wildes Geflügel zu Tausenden nistete . Dann und wann , wenn im Grunewald die Jagd tobte , schwamm ein geängsteter Hirsch über die Schmalung an der Südwestspitze und suchte Schutz bei der Einsamkeit der Insel . So war es unter den Joachims , auch noch unter dem Großen Kurfürsten . Wer nicht ein Jäger war , oder das Schilf am Ufer schnitt , der wußte kaum von einer solchen Insel im Havelstrom , die durch alle Jahrhunderte hin namenlos geblieben war . Erst 1683 , also während der letzten Jahre des Großen Kurfürsten , trat die namenlose Insel , die inzwischen ein » Kaninchengehege « empfangen hatte , als Kaninchenwerder in die Geschichte ein , freilich ohne dadurch irgend etwas anderes als einen Namen gewonnen zu haben . Das Eiland blieb vielmehr bis zu der eingangs erwähnten Zeit eine absolute Wildnis , an deren Bestand auch ein der Kaninchenherrschaft unmittelbar folgendes Prospero-Zwischenspiel nicht das geringste zu ändern vermochte . Im Gegenteil , zu dem Wilden gesellte sich noch das Grusliche , ohne daß von einem Caliban berichtet wird . Der Prospero war Johann Kunckel , der Alchimist . Er erhielt die Insel 1685 aus der Hand des Kurfürsten . Bei diesem Zeitabschnitt verweilen wir zunächst . 2. Die Pfaueninsel von 1685 bis 1692 2. Die Pfaueninsel von 1685 bis 1692 Johann Kunckel » He , Holla , halt , « schreit ' s hinter ihm , » wir kennen euch , nicht von der Stelle ! Hoch euer Galgenmännlein , hoch der kleine , rauchige Geselle ! Und wieder hoch ! und dreimal hoch ! Alräunchen , Hütchen meinetwegen , Mag ' s ferner goldne Eier euch und andern tote Bälge legen . « Annette von Droste-Hülshoff Johann Kunckel , zu Hütten bei Rendsburg und zwar wahrscheinlich 1638 geboren , hatte sich von Jugend auf der Alchimie befleißigt , den Stein der Weisen gesucht , den Phosphor entdeckt und war 1677 in kursächsische Dienste getreten , wo ihm das für damalige Zeit außerordentlich hohe Gehalt von tausend Talern , nebst Vergütung für alle Materialien , Instrumente , Gläser und Kohlen zugesagt worden war . Er erhielt aber schließlich diese Summe nicht ausgezahlt und auf seine desfallsige Beschwerde einfach den Bescheid : » Kann Kunckel Gold machen , so bedarf er kein Geld ; kann er solches aber nicht , warum sollte man ihm Geld geben ? « Die Verlegenheiten , die ihm daraus erwuchsen , veranlaßten ihn , einen Ruf an den brandenburgischen Hof anzunehmen , freilich unter bescheideneren Bedingungen , die aber das Gute hatten , daß sie gehalten wurden . Der Große Kurfürst sagte ihm in einer ersten Unterredung , in der diese Dinge zur Sprache kamen : » Ich kann Euch tausend Taler nicht geben , denn ich gebe meinen Geheimen Räten nicht mehr ; um keine Jalousie zu machen , so will ich Euch geben , was ich meinen Geheimen Kammerdienern gebe . « So erhielt Kunckel ein Jahresgehalt von fünfhundert Talern . Er nahm erst die Drewitzer Glashütte in Pacht , wurde dann Kompagnon der Glashütte auf dem Hakendamm bei Potsdam , erfand hier das Rubinglas , das zu schönen Pokalen verarbeitet wurde , und erhielt endlich , da es ihm um ein möglichst abgelegenes , schwer zugängliches Plätzchen für seine Arbeiten zu tun war , in dem schon genannten Jahre 1685 den ganzen Kaninchenwerder ( Pfaueninsel ) zum Geschenk . Die Schenkungsurkunde besagte , daß ihm , unter Befreiung von allen Abgaben , die ganze Insel erb- und eigentümlich übereignet , das Recht des freien Brauens , Backens und Branntweinbrennens zuerkannt und der Bau einer Windmühle gestattet werden solle , » damit seine Leute nicht gezwungen seien , des Backens und Brauens , des Mahlens und Schrotens halber , die Insel zu verlassen . « Gleichzeitig wurde er in seiner Rubinglas-Fa brikation durch ein Privilegium geschützt , wogegen er es übernahm , » alljährlich für fünfzig Taler Kristallgläser an die Kurfürstliche Kellerei abzuliefern und seine Glaskorallen