, ging er doch aufrechten Hauptes , mit hoch emporgehobener Nase diesem großen Momente entgegen . Er wußte , wem er im nächsten Augenblick entgegen treten würde ; die vier Polizeibeamten hatten ihre Schande nicht verschweigen können und wehklagend berichtet von dem Flüchtlinge , den sie in jener Nacht verfolgt , hatten sein Aeußeres beschrieben und daß er bei dem Garten des Polizeipräsidenten verschwunden sei . Entsetzlich genug für Seine Excellenz ! Denn Jener hatte darauf seine Wohnung betreten und hatte des Präsidenten eigene Tochter auf den Hofball geführt ! Aufgestachelt durch all das , hatte der Präsident den Wirth des Fuchsbaues einsetzen lassen , der übrigens Alles hartnäckig leugnete ; ebenso Herrn Sträuber , der sich nicht lange bitten ließ , so vollständig zu beichten , als man nur wünschen konnte . Auch hatte Letzterer Zerknirschung und Reue geheuchelt , hatte jammernd versichert , wie glücklich er sich fühle , daß jenes elende Leben aufhöre , und daß ihm nun endlich Gelegenheit gegeben würde , in der stillen Zelle eines Gefängnisses über seine Vergangenheit nachdenken zu dürfen . Herr Sträuber war ein Mann von Umsicht und Phantasie , ihm war es nicht unbekannt , daß man bei einem unumwundenen Geständnisse den Inkulpaten der Gnade zu empfehlen pflege , er wußte ferner , daß es ihm mit einiger Heuchelei gelingen könne , selbst im Zuchthause nach und nach zu einer würdigen Stellung zu gelangen , vielleicht Aufseher irgend einer Werkstätte zu werden . Dann dachte er auch : die Gefangenschaft wird nicht ewig dauern , und wenn ich heraus komme , werden die kleinen Kapitälchen , bei den Damen Becker und Schwemmer angelegt , unterdessen auch ihre Zinsen getragen haben . Dies machte ihn biegsam und nachgiebig , und diese Nachgiebigkeit hatte ihm sogar die Gunst des Präsidenten verschafft . Dieser , der wohl wußte , daß es bei der Gewandtheit des Barons gefährlich sei , und auch für ihn als Vater unangenehm , sich mit demselben in Erörterungen einzulassen , hatte sich vorgenommen , ihm mit einem kurzen : » Im Namen des Königs ! « entgegenzutreten . Deßhalb stierten seine Augen gerade aus , deßhalb war seine Nase so drohend gerichtet , und schon wollte er den Mund öffnen , als er zu seiner großen Bestürzung den Herzog erblickte , der sich in einen Fauteuil geworfen hatte , lachend ein Bein über das andere schlug und Seiner Excellenz auf ' s Allerfreundlichste einen guten Abend bot . Der Präsident in seinem Amtseifer befand sich im Zustande eines Rennpferdes , dem plötzlich die Bahn versperrt ist und das nun mit den Zügeln gewaltsam zurückgerissen werden muß . Sein Zügel aber war die Nase , die er beim Anblick des Herzogs hastig ergriff , ziemlich unsanft herabdrückte , also parirte und zu gleicher Zeit vor dem Angehörigen des königlichen Hauses eine Verbeugung zu Stande brachte . Ja , in der That , der Präsident war unangenehm überrascht , den Herrn Herzog hier zu finden , auch klang das Lachen Hochdesselben etwas herausfordernd , ebenso der Ton , mit dem er ihm seinen guten Abend bot . Auf die Bemerkung des Barons von vorhin eingehend , sagte er alsdann : » In der That , Euer Excellenz waren vortrefflich angemeldet . Alle Wetter ! so viel Lärmen um Nichts ! - Bitt ' tausendmal um Verzeihung ! « korrigirte er sich , » ich will damit sagen , es sei eigentlich Luxus , eine so große Macht aufzubieten wegen so geringfügiger Ursache . Denn wir kennen genau den Zweck Ihres Besuchs ; nicht wahr , Baron ? « » Vollkommen , « entgegnete dieser , wobei er seine Cigarre dem Herzog hinhielt , der die seinige damit anzündete . » Excellenz rauchen nicht ? « wandte er sich hierauf verbindlich an den Chef der Polizei . Dieser war mehr und mehr überrascht ; er hatte geglaubt , ja sich damit geschmeichelt , sein Erscheinen mit bewaffneter Macht werde eine unsägliche Bestürzung bei dem Baron hervorbringen , und jetzt that derselbe , als sähe er durchaus nichts Außergewöhnliches darin , ja , er und der Herzog nannte diese Ursache eine ganz geringfügige ! Der Präsident befühlte seine Nase , er klapste leicht mit dem Finger daran , hob sie aber alsdann hoch empor , als ihm der Baron einen Fauteuil hinrollte , in den er sich , obgleich sehr würdevoll , niederließ . Jetzt erinnerte sich Seine Durchlaucht Höchstihres Sekretärs und sagte dem Herrn Beil , indem er sich lange in dem Fauteuil ausstreckte : » Sie können jetzt gehen , ich habe nichts mehr für Sie . « Dieser hatte sich so aufgestellt , daß ihn der Präsident nicht sehen konnte , und bei dem Befehl des Herzogs zog er sich augenblicklich hinter die Portièren in ' s Vorzimmer . Doch hatte er das Gemach noch nicht lange verlassen , als der Kammerdiener des Barons hereintretend meldete : » Die auf der Treppe aufgestellten Polizeibeamten weigerten sich , den Sekretär seiner Durchlaucht passiren zu lassen . « » Wie ist das , Excellenz ? « fragte der Herzog scheinbar erzürnt den Chef der Polizei . » Man will meinen Sekretär nicht passiren lassen ? Haben Excellenz , « fügte er mit schneidendem Tone bei , » vielleicht den Befehl dazu gegeben oder ist die Sache Mißverständniß ? Ich denke wohl das Letztere , Herr Präsident , und bitte , daß dasselbe so bald als möglich aufgeklärt werde . « Der Chef der Polizei war einigermaßen betreten , beeilte sich aber , dem Herzog mit einer tiefen Verbeugung zu erklären , daß hier selbstredend ein Mißverständniß obwalte , doch werde er augenblicklich den Befehl geben , dem Sekretär seiner Durchlaucht den Weg frei zu lassen . » Bravo ! vortrefflich ! « flüsterte leise der Baron . » Ueberhaupt muß ich mir erlauben , « fuhr der Herzog fort , » Euer Excellenz zu bemerken , daß ich es , mildestens gesagt , für etwas stark halte , mit Polizei die Treppe