erzählen konnte - im Thurme von Plessen hattest du ihn gerühmt , wie er es allerdings verdiente - es hat ihn doch nicht bewegen können , sich schon jetzt mit dir auszusöhnen .... Es ist ein Spartaner ! sagte Egon . Ich kenne diese rauhe Tugend und wenn ich sie einst nicht ertragen konnte , jetzt fühl ' ich , wie ehrwürdig sie ist . Armand ' s Augen verriethen neue Hoffnung . Er konnte sich nicht überwinden , in der Stille , unbemerkt von Egon , Dankmar ' s Hand zu drücken . So wollte er den Prinzen ! Gehoben von sittlicher Würde ! Beherrscht durch sich selbst und ein edles Beispiel ! Hätte sich Egon jetzt aussprechen mögen , er würde kaum die Fülle seiner Empfindungen haben bewältigen können . Er begann auch zuweilen , wollte von der d ' Azimont reden , von ihrer Schwester , von Rudhard , von Vergangenheit und Zukunft ; aber er kam über einen kurz ausgestoßenen Seufzer , über ein schmerzliches Lächeln , über ein ungläubiges Schütteln des Kopfes nicht hinaus . Nur die kindischen , vorlauten Worte : » Onkel Rudhard sagt , daß du recht schlimm bist ! Wir mögen dich nicht ! « wiederholte er zuweilen und knüpfte , um seinen Unmuth zu verbergen , einige spottende Reden daran , deren Aufrichtigkeit man bezweifeln mußte . Dankmar nahm alle diese Begegnungen leichter und erzählte manches Drollige von den Kindern und ihrer unveränderlichen russischen Natur . Olga , die Mutter schilderte er sehr treffend und auch von Rudhard konnte er nicht umhin zu sagen : Bester Freund , die Vergangenheit und Erinnerung verklärt Vieles . Mein Bruder , der , wie gesagt , das Factotum des Hauses ist , rühmt die pädagogischen Grundsätze des alten Pfarrers sehr . Aber wie es mir scheint , hat auch er die Erfahrung gemacht , daß sich gegen die Natur nichts ausrichten läßt . Diese Kinder wachsen halbwild auf , biegen sich wie Weidengerten wol so und so , nach seinem Willen , schlagen aber doch immer wieder in die Lage zurück , die ihnen die bequemste ist . Rudhard hat sich sogar an das Czarenthum akklimatisirt . Ich finde den Fond von Poesie , den ich in dem Erzieher meiner Kinder voraussetzen möchte , nicht sehr reich bei ihm , und wenn du ihn einen Spartaner nennst , so denk ' ich ihn mir als Director einer Cadettenanstalt ganz an seinem Platze . Und doch muß ich ihn sehen ! erwiderte Egon . Der Zerfahrenheit meiner späteren Erzieher , der Lüge , der Bosheit dieser Heuchler gegenüber , die eine jugendliche Seele verderben können , steht er in meiner Erinnerung großartig da . Ein Erzieher soll immerhin wie ein hölzerner Stecken sein , an dem die Blume des kindlichen Gemüthes sich aufrankt . Ich dagegen wurde von Schlingpflanzen umwachsen und mit ihnen emporgezogen zu einem künstlichen Gedeihen , das mich zwar schneller dem Sonnenlichte näher brachte , aber auch die Kraft der Wurzeln aussog . Eine Weile hatte Egon in trüber Stimmung vor sich hin geblickt und das Haupt auf die Lehne der Bank gestützt , als eine muntere , helle Stimme ihn anredete : Was ? Durchlaucht ? So sitzen Sie hier auf der Terrasse von Solitüde ? Bewegung ! Bewegung ! Egon blickte auf . Es war der Sanitätsrath Drommeldey , der in seiner immer gewählten Kleidung , wie ein eben zum Bau gehender Tänzer , vor ihm stand , die Herren neben Egon mit zusammengekniffenen , forschenden Augen prüfte und sich über sein plötzliches Erscheinen an dieser Stelle dahin erklärte , daß er sich richtig hätte überzeugen wollen , ob sein Reconvalescent auch die ärztlichen Vorschriften pünktlich befolgte . Das ist sehr liebenswürdig von Ihnen , Doctor ... sagte Egon und bat ihn , Platz zu nehmen . Nein ! Sie müssen lustwandeln ! Sich Bewegung machen , Durchlaucht . Was sitzen Sie da , das Haupt aufgestemmt und suchen sich einen Watteau , einen Claude Lorrain aus diesem Fernblick zusammen ! Sehen Sie nur die königlichen Herrschaften , die machen es anders ... da kommt die ganze Suite her - Aber warum eilen Sie denn ? Bleiben Sie doch ! Hier ! hier ! Es läuft ja Alles aus dem Parke hierher - was wollen wir uns denn entfernen ? In der That hatte sich die Scene eigenthümlich verändert . Alles was nur im Garten von Besuchern zerstreut war , lief aus allen Wegen auf die Terrasse . Auch Paulowna und Rurik mit ihren Bedienten kamen zurückgerannt , aber ohne Siegbert und Olga . Die überall sichtbare hintere Façade des Schlosses hatte offenbar allgemein bemerken lassen , daß sich aus den auf die Erde gehenden Fenstern eine Anzahl Offiziere und mit Orden geschmückter Herren auf die Terrasse begab ... Ihnen folgte das Königspaar ... Frau von Altenwyl die Oberhofmeisterin , Herr von Harder der Intendant der königlichen Schlösser und Gärten , viele Damen und Herren , die sich durch die kleine Allee von Orangenbäumen gerade dahin begaben , wo das Gitter bereits von einigen Lakaien geöffnet wurde ... Alles stellte sich in einer Kette theils an den Hecken , theils an dem Gitter auf , um den Zug vorbei zu lassen . Nur Egon mochte nicht bleiben und mußte von Drommeldey fast gewaltsam zurückgehalten werden ; wenigstens bewogen ihn nur Äußerungen , wie die : Man hat Sie gesehen , man beobachtet Sie , ich bitte Sie um Alles , was wird man denken ? zum Bleiben . Egon stellte sich , als der Hof näher kam , an die eiserne Balustrade ... Drommeldey neben ihn . Etwas entfernter , da sie bei der Absicht gehen zu wollen , einen Vorsprung gewonnen hatten , stellten sich Armand und Dankmar ... Die Bedienten Egon ' s , die sich immer in einiger Entfernung gehalten hatten , waren richtig im übergrößten Eifer hinzugesprungen , um ihm sein Taschentuch zu bringen , das er auf der Bank hatte liegen lassen und standen