[ 124 ] daß das Holzwerk dröhnte . „ Geh ’ zu der Martha , heirathe sie , mach ’ was Du willst , aber rede mir nicht länger von solchen Geschichten ! ich will , ich kann das nicht hören ! “ Der junge Bergmann sah seinen Freund erstaunt an ; er konnte sich diese wilde Zurückweisung nicht erklären ; es war doch kein Zweifel , daß Jener das Mädchen freiwillig aufgab ; es blieb ihm aber keine Zeit , darüber nachzugrübeln , denn in diesem Augenblick wurde draußen die scharfe Stimme Berkow ’ s laut , die in sehr ungnädigem Tone zu den ihn begleitenden Beamten sagte : „ Und nun bitte ich wirklich , meine Herren , davon aufzuhören ! Die alte Wetterführung hat so lange vorgehalten , ohne daß ein Unglück geschehen ist , und wird es auch ferner thun . Wir brauchen keine kostspieligen Neuerungen , die Sie für nothwendig zu erklären belieben , weil es nicht aus Ihrer Tasche geht . Denken Sie , daß ich hier eine philanthropische Musteranstalt will ? Die Betriebsfähigkeit will ich erhöht wissen , und die Ausgaben , die Sie dafür ansetzen , werden bewilligt werden . Das Uebrige wird gestrichen . Wenn die Bergleute in Gefahr sind , so kann ich das nicht ändern ; das bringt ihr Brod eben so mit sich . Ich kann nicht Tausende fortwerfen , um ein paar Häuer und Förderleute vor einem Unglück zu sichern , das möglicher Weise einmal kommen könnte und bis jetzt noch nicht gekommen ist . Die Arbeiten in den Schachten werden auf das Allernothwendigste beschränkt , um sie betriebsfähig zu erhalten , und damit Punctum ! “ Er stieß die Thür des Schachthauses auf und schien unangenehm überrascht zu sein , als er die beiden Bergleute gewahrte , die er hier wohl nicht vermuthet hatte und die seine letzten Worte gehört haben mußten . Noch unangenehmer als ihm schien ihre Gegenwart dem Oberingenieur zu sein . „ Hartmann , was thun Sie noch hier oben ? “ fragte er betreten . „ Der Obersteiger sagte uns , wir müßten die Herren in den Fahrschacht begleiten , “ antwortete Ulrich , ohne das dunkelglühende Auge von Berkow abzuwenden . Der Oberingenieur zuckte leicht die Achseln und wandte sich zu seinem Chef mit einer Miene , in der deutlich genug zu lesen war : „ dazu hätte er auch einen Andern aussuchen können “ – indessen äußerte er nichts . „ Schon gut ! “ sagte Berkow kurz . „ Fahrt immer an , wir kommen nach . Glück auf ! “ Die beiden Bergleute gehorchten ; als sie den Herren aus dem Gesichte waren , hielt Lorenz einen Augenblick inne . „ Ulrich ! “ „ Was willst Du ? “ „ Hast Du gehört ? “ „ Daß er nicht Tausende wegwerfen kann , um ein paar Häuer und Förderer zu sichern ? Aber der Betrieb soll auf Hunderttausende erhöht werden ! Nun , sicher ist am Ende Niemand hier in der Tiefe , und er fährt ja heute auch ein . Wir wollen abwarten , an wen zuerst die Reihe kommt . Mach ’ fort , Karl ! “ – Es schien in der That , als ob mit dem Unwetter des gestrigen Tages sich der so lange ersehnte Frühling sein Reich erstritten habe ; mit einer solchen Zauberschnelle hatte sich die Witterung über Nacht geändert . Wie spurlos verschwunden waren Nebel und Wolken , mit ihnen Wind und Kälte ; die Berge lagen jetzt so klar da , umleuchtet von dem hellen Sonnenschein , umweht von der milden warmen Luft , daß man sich nun endlich der Hoffnung hingeben durfte , es sei vorbei mit dem ewigen Regen und Sturm der letzten Wochen , vorbei für eine lange sonnenhelle Frühlings- und Sommerzeit . Eugenie war auf ihren Balcon getreten und blickte hinaus in die nun endlich entschleierte Landschaft . Ihr Auge haftete nachdenklich und träumerisch auf den Bergen drüben . Vielleicht dachte sie an die gestrige Nebelstunde dort oben auf der Höhe ; vielleicht tönte noch in ihren Ohren das Rauschen und Wehen der grünen Tannenarme ; aber die Erinnerungen wurden rasch und gewaltsam durch den Klang eines Posthorns unterbrochen , das in ihrer unmittelbaren Nähe ertönte ; gleich darauf fuhr eine Extrapostchaise unten an der Terrasse vor , und mit einem Schrei der Freude und Ueberraschung flog die junge Frau vom Balcon zurück . „ Mein Vater ! “ Es war in der That Baron Windeg , der rasch aus dem Wagen stieg und in ’ s Haus trat , wo ihn seine Tochter schon oben an der Treppe empfing . Es war das erste Wiedersehen zwischen ihnen seit ihrer Vermählung , und trotz der Gegenwart der beiden Diener , die herbeigestürzt kamen , den vornehmen Gast zu empfangen , schloß der Vater sein Kind so leidenschaftlich fest in die Arme wie damals am Abende ihres Hochzeittages , als sie im Reisekleide von [ WS 2 ] ihm Abschied nahm . Die junge Frau machte sich endlich sanft los und zog ihn mit sich in ihr Lieblingszimmer , den kleinen blauen Salon . [ 139 ] „ Welche Ueberraschung , Papa ! “ sagte Eugenie noch strahlend vor Freude und Aufregung . „ Ich hatte keine Ahnung von diesem unerwarteten Besuche . “ Der Baron ließ sich , den Arm noch immer um sie geschlungen , mit ihr auf das Sopha nieder . „ Er war auch nicht beabsichtigt , mein Kind . Eine Reise führte mich in diese Gegend , und da konnte und wollte ich nicht den Umweg von einigen Stunden scheuen , um Dich wiederzusehen . “ „ Eine Reise ? “ Eugenie blickte fragend in das Antlitz ihres Vaters , dessen Auge so forschend auf ihren Zügen ruhte , als wolle es darin die Geschichte dieser ganzen Wochen lesen , die sie von ihm getrennt gewesen war ; aber als ihr Blick jetzt zufällig niederglitt auf seinen Hut , den