so vor ihm , vor seinen Augen – laß uns lieber zurückbleiben . “ „ Sei nicht kindisch , Lucie ! “ unterbrach sie Bernhard ungeduldig , indem er sie ohne Weiteres mit sich fortzog . In einigen Minuten hatten sie den jungen Geistlichen erreicht , den Günther ganz gegen seine Gewohnheit diesmal zuerst grüßte . „ Sie wollen es Ihren Pferden auch leichter machen , Hochwürden ! “ begann er in unbefangenem Tone . „ Der Weg ist freilich steil genug und die Thiere haben hinreichend an dem leeren Wagen zu schleppen , man muß ihnen schon einmal das Opfer bringen . “ Benedict hatte sich beim Nähern der Schritte umgewandt und war dann regungslos wie eine Bildsäule stehen geblieben . Vielleicht war es die Anstrengung des Steigens , die ihm den Athem versagte und ihm das Blut so glühend in ’ s Antlitz trieb , und doch widersprachen dem seine Worte , als er nach stummem Gegengruß erwiderte : „ Ich meinestheils gehe sehr gern zu Fuße . “ Das könnte ich von mir nun gerade nicht behaupten ! “ meinte Bernhard . „ Aber wir sind nun einmal im Gebirge , da geht es nicht immer so bequem wie daheim auf unseren ebenen Chausseen . “ Er schritt langsam vorwärts , während sich der junge Priester , wie es schien halb gezwungen , ihm anschloß ; es wäre auch gar zu auffällig gewesen , zurückzubleiben , während sein Wagen schon weit voraus war . Lucie hing stumm am Arme des Bruders , ohne sich mit einer Silbe an der Unterhaltung zu beteiligen ; Benedict sah unverwandt vor sich hin , auch nicht ein einziger Blick fiel nach jener Seite hinüber . Bernhard fiel es nicht ein , seine Schwester zu beobachten ; dagegen grub sich sein Auge wieder in die Züge des jungen Mönches , genau so forschend tief wie an jenem Abende , als er ihn zum ersten Male erblickte . „ Ich weiß nicht , Hochwürden , ob Sie sich meiner erinnern ! “ begann er von Neuem . „ Wir sahen uns beim Baron Brankow , freilich ohne einander vorgestellt zu werden . “ „ Doch ! Ich kenne den Gutsherrn von Dobra ! “ gab Benedict leise zur Antwort . Günther verneigte sich leicht . „ Wir sind auf einer Fahrt nach C. begriffen , “ warf er hin . „ Sie scheinen gleichfalls eine Reise vorzuhaben . “ „ Ich gehe in ’ s Gebirge , nach N. “ „ So hoch hinauf ? Da haben Sie einen weiten und beschwerlichen Weg vor sich . Jedenfalls wollen Sie dem dortigen Pfarrer einen Besuch machen ? “ „ Nein . Ich gehe , ihm Caplansdienste zu leisten , und werde wohl Monate , vielleicht den ganzen Winter hindurch dort bleiben . “ „ Das ist in der That kein beneidenswerther Posten ! “ sagte Bernhard mit unverkennbarer Theilnahme . „ N. liegt im unwirthlichsten , unzugänglichsten Theile des Gebirges ; es gehört ein wahrer . Heroismus zu dem Gedanken , den Winter dort aushalten zu wollen . “ Die Lippen des jungen Mönches zuckten ; er hatte es trotz des abgewandten Blickes doch gesehen , wie ein tiefer erleichternder Athemzug Luciens Brust hob , als er von seiner Entfernung sprach . „ Es giebt Feinde , die schlimmer zu überwinden sind als Eisnächte und Schneestürme ! “ erwiderte er kalt . Bernhard sah überrascht auf . Sollten die Worte salbungsvoll sein ? Dann hätten sie nicht mit einer so unendlichen Bitterkeit gesprochen werden müssen . „ Verzeihen Sie , Hochwürden , wenn ich eine etwas indiscrete Frage an Sie richte , “ sagte er rasch . „ Sie sind in B. geboren ? “ Benedict blickte ihn befremdet an . „ Nein ! Ich stamme aus Süddeutschland . “ „ So ? Dann war meine Voraussetzung eine irrthümliche . Mir fiel eine gewisse Aehnlichkeit auf ; ich glaubte , Ihre Mutter gekannt zu haben . “ „ Schwerlich ! Sie starb schon während meiner Knabenzeit , ebenso wie der Vater , auf den Gütern des Grafen Rhaneck . “ „ Ich sehe meinen Irrthum ein . Verzeihen Sie die Frage ! “ Benedict machte eine ablehnende Bewegung . „ O , ich bitte ! “ „ Er weiß also nichts ! “ murmelte Bernhard . „ Sie haben ihn wirklich in vollster Unkenntniß gelassen ! “ Sie schritten schweigend weiter , Benedict schien es schon halb zu bereuen , daß er sich so weit aus seiner Verschlossenheit hatte treiben lassen ; übrigens lag jetzt bereits der Gipfel des Berges vor ihnen , wo die Wagen sie erwarteten . Günther ’ s Kutscher legte soeben den Hemmschuh ein , aber er benahm sich ungeschickt dabei , die Kette gerieth zwischen die Räder und wurde von ihnen erfaßt und zerrissen , als die Pferde unversehens anzogen ; der Gutsherr , den Vorfall schon von fern bemerkend , runzelte die Stirn . „ Der Joseph ist heute wieder einmal die Ungeschicklichkeit in Person ! Ich muß wohl selbst nachsehen , sonst kommen wir kopfüber den Berg hinunter ! “ Er erstieg rasch vollends die Höhe , seine Schwester und Pater Benedict allein lassend . Lucie war an dem Orte stehen geblieben , wo der Bruder ihren Arm losgelassen , Benedict schien ihm folgen zu wollen ; aber auch er verharrte jetzt wie gefesselt auf seinem Platze , einige Secunden lang herrschte ein beängstigendes Schweigen , das wie mit Bergeswucht auf den Beiden lastete . „ Gehen Sie weit fort ? “ begann Lucie endlich , die dies stumme Gegenüberstehen nicht mehr zu ertragen vermochte und , um es nur zu brechen , nach der ersten besten Frage griff , die ihr gerade beifiel . Benedict hob langsam das Haupt . „ Weit genug für Ihre Wünsche , mein Fräulein ! Sie fürchten wohl , daß der unbequeme Warner wieder in Ihren Weg treten könnte ? Beruhigen Sie sich , ein einziges Mal habe ich das gethan