ging mir ein Licht auf , und erst da ließen sich die jungen Herrschaften zum Geständnis herbei . Ich hätte Ihnen die Nachricht längst mitgeteilt , aber Siegbert und Alexandrine bestanden darauf , Sie bei Ihrer Ankunft mit der Verlobung zu überraschen , die erst in diesen Tagen veröffentlicht werden soll . « Der Professor tat noch immer sehr beleidigt und erzürnt , aber als Alexandrine schmeichelnd und bittend die Hand auf seinen Arm legte , und er in Siegberts strahlendes Antlitz blickte , da wollte der Zorn nicht länger standhalten . » Die ganze Schicksalsparallele hast du mir über den Haufen geworfen , « grollte er , » und die Theorie von den absoluten Vorzügen einer unglücklichen Liebe desgleichen . Aber ich habe es ja vorhergesagt , wenn du einmal Liebesgedanken bekommst , dann gehst du auch schleunigst auf das Heiraten aus . « » Ja , das tat ich ! « rief Siegbert lachend , » und Alexandrine war durchaus einverstanden damit . « » Ich bin es gar nicht , « brummte der Professor . » Ich bin prinzipiell gegen das Heiraten überhaupt und gegen das der Künstler nun vollends . Da es aber Alexandrine ist , die du heiratest , so bist du entschuldigt , soweit dergleichen überhaupt zu entschuldigen ist , und da mein Einspruch bei euch beiden doch nichts helfen würde , so – gratuliere ich euch ! « Damit schüttelte und drückte er die Hände des Brautpaares mit einer Herzlichkeit , die seine grimmigen Worte Lügen strafte , und wandte sich dann zu dem Präsidenten . » Und was sagen Sie denn eigentlich zu der Geschichte . Exzellenz ? « Herr von Landeck zuckte die Achseln . » Ich habe nachgegeben , wie Sie sehen . Einigen Kampf hat es allerdings gekostet , ehe ich einwilligte , denn mein Wunsch und Wille war es nicht , daß Alexandrine einen Künstler heiratet . Ich hatte andere Pläne und Absichten mit ihrer Zukunft , aber ich habe sie dem Glücke meines einzigen Kindes zum Opfer gebracht . « Die Worte waren halb im Scherze gesprochen , aber der Professor nahm sie dennoch gewaltig übel . » Ihr einziges Kind hat eine sehr vernünftige Wahl getroffen , « rief er in seiner derben Weise . » Was hätte Ihre Tochter davon , wenn sie jetzt mit dem langweiligen Sir Conway auf irgendeinem langweiligen Landsitze Englands säße und auf die künftige Lordschaft wartete , die vermutlich ebenso langweilig ist . Ich gebe Ihnen mein Wort darauf , der Name Siegbert Holm wird noch genannt werden , wenn kein Mensch mehr weiß , daß irgendwo einmal ein Sir Conway gelebt hat , und Alexandrine wird an der Seite ihres Mannes ein glänzenderes Los haben und mehr Triumphe ernten , als wenn sie eine brillante Partie in Ihrem Sinne gemacht hätte . « » Nur nicht so heftig « , beschwichtigte der Präsident , indem er ihm begütigend die Hand auf die Schulter legte . » Ich habe Siegbert selbst lieb genug gewonnen und gebe ihm den höchsten Beweis davon , indem ich ihm mein Liebstes anvertraue . Herrn Professor Bertold möchte ich aber doch fragen , wie er dazu kam , damals ein förmliches Rendezvous zwischen den beiden auf der Egidienalm zu veranstalten ? « » Konnte ich denn wissen , daß es einen solchen Ausgang nehmen würde ! « verteidigte sich der Professor . » Ich baute felsenfest darauf , daß der blasse , scheue Träumer Alexandrine ganz gleichgültig sei , und ihm traute ich kaum eine Liebeserklärung zu ; viel weniger eine Werbung . Aber rechne nur einer mit dieser verwünschten Liebe , sie stellt die vernünftigsten Pläne und Berechnungen geradezu auf den Kopf . – Bei alledem habe ich noch immer nicht dein neues Bild gesehen , Siegbert . Jetzt bin ich wirklich neugierig , was du diesmal von der Egidienwand mitgebracht hast . « Er trat vor die Staffelei , auf der sich das fast ganz vollendete Gemälde befand . Es stellte diesmal nur eine Landschaft dar , eine Szenerie des Hochgebirges in der ersten Morgenfrühe . Tief unten im Tale wogten noch dichte Nebelmassen , aber höher hinauf an den Bergen begannen sich die Schleier bereits zu lichten vor den Strahlen der aufgehenden Sonne . Das seltsame Ineinanderfließen von Licht und Schatten , von Sonnenglanz und Nebel war mit täuschender Wahrheit wiedergegeben . Man sah das Ringen und Kämpfen des Lichtes , das sich siegreich Bahn brach durch das Wolkenmeer , aus dem schon einzelne Höhen und Wälder emportauchten . Die Gipfel der Berge umwob nur noch leichter , blauer Duft , und die gewaltige Felsenkrone , die darüber emporragte , stand schon im vollen rosigen Morgenglanze . In der Mitte des Bildes aber schwebte , mit weit ausgebreiteten Schwingen , ein mächtiger Adler . Unter sich die wogenden , kämpfenden Nebel , über sich das goldene Licht des anbrechenden Tages , nahm er seinen Flug empor – zur Sonne ! Professor Bertolt hatte seine große , kritische Miene aufgesetzt ; wo es sich um ein Urteil handelte , trat all seine Vorliebe für Siegbert zurück . Er prüfte das Bild scharf und streng in allen Einzelheiten , dann wandte er sich zu seinem ehemaligen Schüler und sagte einfach und kurz : » Bravo ! « Die Augen des jungen Künstlers blitzten auf in stolzer , freudiger Genugtuung . Wie viel Ruhm und Anerkennung ihm auch in der letzten Zeit zuteil geworden sein mochte , das Lob seines alten Meisters und Lehrers stand ihm doch am höchsten . » Du hast das Bild doch hoffentlich noch nicht versagt , Siegbert ? « fragte der Präsident . » Seine Hoheit der Prinz von C. , « er sprach mit großer Genugtuung den Namen aus , » hat mir erst gestern erklärt , daß er um jeden Preis ein Werk von deiner Hand besitzen müsse . Ich bin überzeugt , er macht dies Gemälde allen andern Bewerbern streitig . « » Ich fürchte , Papa