von der Turmspitze der goldne Hahn durch einen Wirbelwind herabgeworfen worden ; auch das war richtig : im Hochsommer fiel , wie ein Schnee , ein groß Geschmeiß vom Himmel , daß man die Augen davor nicht auftun konnte und es hernach fast handhoch auf den Fennen lag , und hatte niemand je so was gesehen . Als aber nach Ende September der Großknecht mit Korn und die Magd Ann Grete mit Butter in die Stadt zu Markt gefahren waren , kletterten sie bei ihrer Rückkunft mit schreckensbleichen Gesichtern von ihrem Wagen . » Was ist ? Was habt ihr ? « riefen die andern Dirnen , die hinausgelaufen waren , da sie den Wagen rollen hörten . Ann Grete in ihrem Reiseanzug trat atemlos in die geräumige Küche . » Nun , so erzähl doch ! « riefen die Dirnen wieder , » wo ist das Unglück los ? « » Ach , unser lieber Jesus wolle uns behüten ! « rief Ann Grete . » Ihr wißt , von drüben , überm Wasser , das alt Mariken vom Ziegelhof , wir stehen mit unserer Butter ja allzeit zusammen an der Apothekerecke , die hat es mir erzählt , und Iven Johns sagte auch , › das gibt ein Unglück ! ‹ sagte er ; › ein Unglück über ganz Nordfriesland ; glaub mir ' s , Ann Gret ! ‹ Und « – sie dämpfte ihre Stimme – » mit des Deichgrafs Schimmel ist ' s am Ende auch nicht richtig ! « » Scht ! scht ! « machten die andern Dirnen . – » Ja , ja ; was kümmert ' s mich ! Aber drüben , an der andern Seite , geht ' s noch schlimmer als bei uns ! Nicht bloß Fliegen und Geschmeiß , auch Blut ist wie Regen vom Himmel gefallen ; und da am Sonntagmorgen danach der Pastor sein Waschbecken vorgenommen hat , sind fünf Totenköpfe , wie Erbsen groß , darin gewesen , und alle sind gekommen , um das zu sehen ; im Monat Augusti sind grausige rotköpfige Raupenwürmer über das Land gezogen und haben Korn und Mehl und Brot , und was sie fanden , weggefressen , und hat kein Feuer sie vertilgen können ! « Die Erzählerin verstummte plötzlich ; keine der Mägde hatte bemerkt , daß die Hausfrau in die Küche getreten war . » Was redet ihr da ? « sprach diese . » Laßt das den Wirt nicht hören ! « Und da sie alle jetzt erzählen wollten : » Es tut nicht not ; ich habe genug davon vernommen ; geht an euere Arbeit , das bringt euch besseren Segen ! « Dann nahm sie Ann Gret mit sich in die Stube und hielt mit dieser Abrechnung über ihre Marktgeschäfte . So fand im Hause des Deichgrafen das abergläubische Geschwätz bei der Herrschaft keinen Anhalt ; aber in die übrigen Häuser , und je länger die Abende wurden , um desto leichter , drang es mehr und mehr hinein . Wie schwere Luft lag es auf allen , und heimlich sagte man es sich , ein Unheil , ein schweres , würde über Nordfriesland kommen . Es war vor Allerheiligen , im Oktober . Tagüber hatte es stark aus Südwest gestürmt ; abends stand ein halber Mond am Himmel , dunkelbraune Wolken jagten überhin , und Schatten und trübes Licht flogen auf der Erde durcheinander ; der Sturm war im Wachsen . Im Zimmer des Deichgrafen stand noch der geleerte Abendtisch ; die Knechte waren in den Stall gewiesen , um dort des Viehes zu achten ; die Mägde mußten im Hause und auf den Böden nachsehen , ob Türen und Luken wohlverschlossen seien , daß nicht der Sturm hineinfasse und Unheil anrichte . Drinnen stand Hauke neben seiner Frau am Fenster ; er hatte eben sein Abendbrot hinabgeschlungen ; er war draußen auf dem Deich gewesen . Zu Fuße war er hinausgetrabt , schon früh am Nachmittag ; spitze Pfähle und Säcke voll Klei oder Erde hatte er hie und dort , wo der Deich eine Schwäche zu verraten schien , zusammentragen lassen ; überall hatte er Leute angestellt , um die Pfähle einzurammen und mit den Säcken vorzudämmen , sobald die Flut den Deich zu schädigen beginne ; an dem Winkel zu Nordwesten , wo der alte und der neue Deich zusammenstießen , hatte er die meisten Menschen hingestellt , nur im Notfall durften sie von den angewiesenen Plätzen weichen . Das hatte er zurückgelassen ; dann , vor kaum einer Viertelstunde , naß , zerzaust , war er in seinem Hause angekommen , und jetzt , das Ohr nach den Windböen , welche die in Blei gefaßten Scheiben rasseln machten , blickte er wie gedankenlos in die wüste Nacht hinaus ; die Wanduhr hinter ihrer Glasscheibe schlug eben acht . Das Kind , das neben der Mutter stand , fuhr zusammen und barg den Kopf in deren Kleider . » Klaus ! « rief sie weinend ; » wo ist mein Klaus ? « Sie konnte wohl so fragen , denn die Möwe hatte , wie schon im vorigen Jahre , so auch jetzt ihre Winterreise nicht mehr angetreten . Der Vater überhörte die Frage ; die Mutter aber nahm das Kind auf ihren Arm . » Dein Klaus ist in der Scheune « , sagte sie ; » da sitzt er warm . « » Warum ? « sagte Wienke ; » ist das gut ? « – » Ja , das ist gut . « Der Hausherr stand noch am Fenster . » Es geht nicht länger , Elke ! « sagte er ; » ruf eine von den Dirnen ; der Sturm drückt uns die Scheiben ein , die Luken müssen angeschroben werden ! « Auf das Wort der Hausfrau war die Magd hinausgelaufen ; man sah vom Zimmer aus , wie ihr die Röcke flogen ; aber als sie die Klammern gelöst hatte , riß ihr