dieser unsinnigen Drohung für mich nicht bedurft . Nie wurde schneller gesattelt , nie rastloser geritten ! Unterwegs erfuhr ich , die viere hätten sich dem nächsten Seehafen , welchen sie den Port der Gnade nennen , zugewendet , und eilte quer durch französisches Land nach Calais , von wo mich ein Schnellsegler in wenig Stunden nach Engelland hinüberbrachte , während mich inmitten der stürzenden Wellen Gottes liebe Mutter , die mich auch erhörte , inbrünstig anrief , mich den vier Zornmütigen nur wenigstens um zwanzig Ave Maria vorkommen zu lassen . Auf englischem Boden wurde ich häufig von streifenden geharnischten Normannen angerufen ; denn das Land war in Unruhe und die Sage überall verbreitet Primas umgebe sich Canterbury mit sächsischen Waffen der Von diesem in der Luft herrschenden Geiste der Bangigkeit gejagt , trieb ich , auf die fliegende Mähne des Berbers mich beugend das edle Tier zu rasendem Laufe und dennoch schien es mir , als wollten sich die aus dem Häuserhaufen von Canterbury aufsteigenden Türme der Kathedrale , auf die ich meinen Blick unverwandt geheftet hielt , nicht vergrößern . Als ich mich endlich in Schweiß gebadet den Mauern der Stadt näherte , fand ich die Straße vor dem Tor mit frisch abgehauenen Tannenzweigen und dürftigen Wintermaien , den Zeugen eines friedfertigen Einzuges , bestreut . Ich glitt vom Pferde und führte das schnaufende Tier durch eine Hintergasse in die Brauerei , wo ich abzusteigen pflegte ; denn ich hatte nicht selten meinen König nach Canterbury begleitet , dessen eben vollendetes Münster als ein Wunder der neuen Baukunst galt . Der Hauswirt , ein Sachse , der zugleich der Alderman von Canterbury war , schloß gerade behutsam die Läden er gegen die lange Hauptgasse gewendeten Fensterreihe . Als ich ihn fragte , wozu er am hellen Tage Finsternis mache , deutete er mir mit der Linken zu schweigen und schob mich mit der Rechten vor die breite Spalte eines Fensterbalkens . Ich lugte durch und sah die viere von der Königstafel in voller Rüstung die Gasse auf und nieder reiten , mit ausgestreckten Schwertern auf die Fenster und die Haustore weisend . › Jeder halte sich im Hause ! Keiner setze den Fuß auf die Gasse ! ‹ gebot Herr Wilhelm Tracy , der seinen Rappen vor er Wohnung des Alternanz herumriß , während das Tier aus schnaubenden Nüstern eine Dampfwolke in die kalte Winterluft ausstieß . Nachdem der Herr sein Roß gewendet wiederholte er den Befehl , nicht in der verächtlichen Weise wie der normännische Hochmut die Sachsen anzufahren pflegt sondern mit feierlichem Heroldsrufe . Die erschrockenen Bürger gehorchten . Hier schloß sich eine Kaufbude , dort trug ein Hökerweib jammernd seine Körbe weg , weiter unten hob eine geängstete Mutter ihr auf der Gasse spielendes Kind auf den Arm und flüchtete es heim . Der witzige Herr Wilhelm war nicht zu kennen . Ernst und unglücklich schauten seine Augen unter den schwarzen Brauen hervor aus der Blässe seines Angesichtes . Es wurde mir deutlich , daß sich die viere unterwegs geeinigt hatten und die auf ihrer Seele brennenden Schmachworte des Königs nicht mit einer zornigen Mordtat , sondern mit Gericht und Bluturteil zu löschen gedachten . Auch ich ratschlagte mit dem Alderman , machte den echten und letzten Willen meines Herrn und Königs geltend und gebot ihm , sobald die viere gewichen , seine Bürger zu ermutigen , zu bewaffnen und mit ihnen meines Zeichens zu harren . Dann schlüpfte ich durch Seitengäßchen und erreichte das feste erzbischöfliche Haus , wo sie mich als Königsknecht und eine in Engelland wohlbekannte Person ohne Schwierigkeit , ja bereitwillig wie einen Nothelfer , einließen . Sie führten mich in eine prächtige , lieblich erwärmte Halle , wo der Primas unter vielen Klerikern und dienenden Brüdern Tafel hielt , hinter denen ich mich barg , ungern mich geduldend bis der Augenblick es erlaube , mich Herrn Thomas zu nahen . Er selbst berührte keinen Bissen , sondern hielt das geisterhafte Haupt mit geschlossenen Augen in den bischöflichen Stuhl zurückgelehnt , einen armen , frommen Mann aus Canterbury anhörend , der mit bebender Stimme den Eintritt der viere berichtete . Nachdem er ihn von der Nähe der Gefahr überzeugt hatte , beschwor der Sachse den Primas sein Leben durch die Flucht zu retten . Ein ängstliches Gemurmel lief um die Tafel . Herr Thomas aber regte sich nicht . › Es ist genug ‹ , sagte er ruhig , segnete und entließ den Weinenden . Dann sprach er : › Gib mir den Kelch ! ‹ und der junge Kleriker , an den er sich wandte , ein blondlockiger Knabe in weißem faltigen Gewand , reichte ihm eine mit Wasser gefüllte kristallene Schale , die er langsam ausschlürfte . Jetzt trat ich vor und warf mich dem Primas zu Füßen . › Ehrwürdiger Vater , ich komme von meinem König ! – Ihm ist bange um Euch ! ‹ rief ich . › Er sendet mich auf eiligen Schiffen und dampfenden Rossen , daß ich Euch mit meinem Leibe decke und die königliche Macht über Euer Haupt breite ! . . . Auf , fromme Brüder ‹ , und ich wendete mich an seine Kleriker , › auf ! Stehet mir bei ! Führet Euern Bischof in sein innerstes festestes Gemach . Und ihr andern , helfet mir die Tore versperren und die Türen verrammeln ! Ist nur das erste Feuer der vier Herren verlodert und ihr erster Anlauf abgeschlagen , so geleite ich mit Hilfe der Leute von Canterbury den Primas in die nächste königliche Burg . – Herr Thomas , im Namen der benedeiten Mutter , widerstrebet nicht ! Gebt Euch in des Königs Schutz und Euch wird kein Haar gekrümmt werden ! ‹ Ohne sich von der Stelle zu rühren , richteten die Kleriker insgesamt ihre Blicke auf den Primas ; doch dieser machte mit wenigen gelassenen Worten meinen Anschlag zunichte . › Besser als dir ist er Wille deines Herrn mir bekannt . Ich lese deutlich