wiederschaffen ; aber jetzt sind mir geistige aufgegangen . Ich sehe ‹ – er lächelte – › ich sehe mit ihnen , daß , wenn mich dein zufälliges Wort geblendet hat , es zu meinem Heile geschah ; zwar auf eine schmerzliche und gewaltsame Weise , wie eine Mutter ihr schreiendes Kind einem Räuber aus den Armen reißt ! Denn ich wäre in dumpfer Lust zugrunde gegangen , während ich jetzt mit hellen Sinnen lebe , wenn auch als ein Verminderter , da mir das edle Augenlicht genommen ist und ich beschränkt bin auf ein dunkles Tagewerk . Nur sehne ich mich freilich nach der Waldluft und dem Erdgeruch meines Pratello und auch nach den Hunderten , die es bebauen und denen ich gerne ein guter und gerechter Vater wäre . ‹ « Und Angela begann mit überschwenglichen Worten Don Giulios neues Wesen zu preisen und auch ihr Glück ... Doch das Unaussprechliche ließ sich nicht sagen und sie schloß damit , Lucrezia zu umhalsen und bis zum Ersticken zu küssen . Während sich diese der Umarmung zu entziehen suchte , trat Pater Mamette mit schuldlosem und hellem Angesicht ein . Die Herzogin aber wandte sich entrüstet gegen ihn . » Ruchloser Mönch ! « redete sie ihn an , » wie durftest du es wagen , deinen Herzog mit so frechem Eingriff in seine vormundschaftliche Macht über diese hier zu beleidigen ? « » Ihr meint , erlauchte Frau , damit , daß ich Don Giulio d ' Este mit Donna Angela Borgia getraut habe ? « sagte er bescheiden . » Ich tat es im Dienst einer höheren Gewalt als der des Herzogs . Es handelte sich um das Leben Don Giulios und um den Frieden dieses Herzens ! « – er blickte auf Donna Angela . » Im Grunde des › vergessenen ‹ Turmes liegt eine enge Kapelle , die zum Dienste der Gefangenen bestimmt ist und durch ein hoch gelegenes , schmales , mit schweren Eisenstäben vergittertes Fenster kaum erhellt wird . Dorthin führe ich allsonntäglich Don Giulio und lese für ihn die Messe . Da erhob ich einmal vor Jahren während der heiligen Gebräuche den Blick zum Fenster , wo sich etwas , wie die Schwinge eines Vogels , geregt hatte . Zwischen dem grünen Blattwerk sah ich braunes Kraushaar und zwei andächtig leuchtende Augen . Es konnte ein Engel sein , welcher der heiligen Messe beiwohnte ... er störte mich nicht . Als ich dann den Kerker verließ , begegnete mir in der Klosterkirche Donna Angela , deren Beichte ich hören sollte . Ich erschrak bei ihrem Anblick ; denn ihre Stirne trug in tiefen blutroten Striemen das Zeichen des Kreuzes . Was konnte es anders sein als der Eindruck des Fenstergitters der Turmkapelle ? Ich erriet , daß die Jugendliche , das verschlungene Geäst der Feigenbäume benützend , im Laubdunkel verborgen , die Stirn auf die harten Eisenstäbe gestützt hatte , um in die Kapelle hinunterzublicken . In ihrer Beichte quoll ihr Elend empor . Tiefer und blutiger , als es auf ihrer Stirne stand , hatte sich das Gefängnis Don Giulios in ihr Herz eingeschnitten . Die ganze Schuld an der Blendung des Este und nicht minder die Schuld seines Hochverrats lag auf ihrem Gewissen . Sie war die Ursache seines Kerkers . Sehnsüchtig verlangte sie nach einer Sühne , die unmöglich war , und nach einer Buße , welche die Höhe ihrer Schuld niemals erreichen konnte . Seine Augen konnte sie nicht neu schaffen , und ihr Verlangen , wenigstens , mit ihm verurteilt , sein Kerkerdunkel zu teilen , konnte ihr die irdische Gerechtigkeit nicht gewähren . Aus diesem Inhalt ihres Herzens erkannte ich ihre große Liebe zu Don Giulio : Denn Liebe schlägt gering an , was sie gibt , hoch , was sie verschuldet , und bedarf einer großen Vergebung . Was aber das Recht nicht verleihen kann , das gewährt die Barmherzigkeit der Kirche . So mußte und durfte ich unwürdiger Priester durch das Sakrament der Ehe die beiden in eine Schuld und in eine Buße vermählen . Das Staatsgesetz übertraten sie bei der Trauung in keiner Weise . Der Gefangene verließ den Turm nicht , er stand in der Kapelle , und Donna Angela stützte wieder ihre Stirne an das Gitterkreuz , durch welches die von mir gesegneten Ringe gewechselt wurden ... « » Solche Ehe ist verwerflich und ungültig « , behauptete die Herzogin empört . » So blieb es « , fuhr der Franziskaner ruhig fort , » bis Don Giulio nach dem unglücklichen Briefe Mirabilis von einem verderblichen Fieber aufs Lager gestreckt wurde . Wie war es möglich , die Eines gewordenen im Sterben zu trennen ! ... Er genas unter Donna Angelas Pflege . Die Ehe blieb verborgen , da Angela damals länger als sonst und allein bei den Klarissen blieb , während Eure Erlaucht zur Zeit des venezianischen Krieges in Abwesenheit des Herzogs vom Morgen bis zum Abend dem Wohle des Staates lebte . Die Stunde der Entdeckung stellte ich , wie unser ganzes Los , in Gottes Hand . « » Das Eurige könnte leicht ein schlimmes werden , ehrwürdiger Vater , wenn ich mich nicht herablasse , bei Don Alfonso für Euch einzutreten und fürzusprechen ! « sagte Donna Lucrezia mit einem Zuge der Verachtung um den feinen Mund . » Tut , was Ihr dürft ! « erwiderte der Franziskaner und beurlaubte sich . Als am Abend in der Dämmerung die Sänfte der scheidenden Herzogin , aus dem Kreise der Nonnen fortgehoben , ins Freie trat , erschien vor dem Tore des » vergessenen « Turmes der Pater noch einmal . Mit erbleichtem Angesicht hielt er die Träger auf und flüsterte der Herzogin zu : » Der Gefangene ist verschwunden . Ich weiß , daß der Hauptmann der herzoglichen Leibwache verlarvt bei ihm erschien und ihn unter einer dunkeln Maske weggeführt hat . Tretet für ihn ein , Madonna , wie Ihr es mir verhießet ! « Als