, wie es kam , daß Joachims Lieblingslied von ihren Lippen floß : » Aus der Jugendzeit , aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar – O wie liegt so weit , so weit , Was mein , was mein einst war – « Sie sang die traurige einfache Weise mit innigem Gefühl , und dann brach sie inmitten der letzten Strophe mit einem Tone ab , der wie gebrochen klang , und nach ein paar falschen Akkorden , welche die begleitende Hand noch mechanisch griff , ward es still . Dann scholl es aber weich und leise durch das Gemach : » Adalbert , ich wußte ja , du würdest kommen ! « Klaudine hatte sich erhoben und starrte zu der hohen Gestalt hinüber , die sich eben zu einem Kuß auf die Hand der Gattin herabneigte . Nun verbeugte sie sich und faßte nach der Lehne ihres Sessels , als müßte sie sich stützen . » Singen Sie weiter , Fräulein von Gerald « , bat der Herzog , » es ist lange her , seit ich die Freude hatte , Sie zu hören . « Er saß im tiefen Schatten neben dem Lager seiner Gemahlin , den Rücken dem Fenster zugewandt . Klaudine sah sein Gesicht nicht , sie wußte aber , daß der letzte rosige Schein der Abendsonne sie streifte . Das machte sie noch verwirrter . Sie suchte sich gewaltsam zu fassen , aber als sie einsetzte , klang die Stimme verschleiert und kraftlos , es war , als schnüre ein Krampf ihr die Kehle zu . Sie stammelte eine Entschuldigung und erhob sich . » Wie eigentümlich ! « sagte die Herzogin . » Haben Sie schon früher daran gelitten , liebste Klaudine ? « » Niemals , Hoheit ! « stotterte sie der Wahrheit gemäß . » Es gibt derartige nervöse Erscheinungen « , bemerkte der Herzog ruhig , » vielleicht hast du Fräulein von Gerold bereits zu sehr angestrengt ? « » Oh , das wäre möglich . Verzeihen Sie , meine liebe Klaudine , und ruhen Sie sich aus « , rief sichtlich erschreckt die Herzogin . Sie winkte das junge Mädchen zu sich auf das kleine Sesselchen , von dem soeben der Herzog aufgestanden war , um fast unhörbaren Schrittes im Zimmer auf und ab zu gehen . » Setzen Sie sich so , daß ich Ihr Gesicht erblicken kann « , bat sie . » Wirklich , Sie sehen angegriffen aus , aber jetzt kommt Ihre Farbe wieder . Mein Gott , ich glaube fast , Sie haben sich vor dem plötzlichen Eintritt des Herzogs erschreckt ! Adalbert ! « lachte sie und bemühte sich , ihren Kopf zu wenden – er stand in diesem Augenblick hinter ihrem Sofa . » Du wirst schuld an diesem Verstummen sein . Oh du böser Mann , was richtest du für Sachen an ! « Unwillkürlich hatte Klaudine die Augen zu dem Angeredeten erhoben , um sie im nächsten Augenblick tödlich erschreckt zu senken – da war er ja wieder , dieser heiße , flehende Blick ! Über das Haupt der Gattin hinweg war er zu ihr geflogen , indes seine Stimme so ruhig erklang : » Es sollte mir leid tun , gnädiges Fräulein , ich kann mir aber nicht denken , daß mein Erscheinen hier etwas schreckendes , ungewöhnliches haben soll . Ich – « » O gewiß nicht , Hoheit « , erwiderte Klaudine laut und richtete sich empor , » ich war in dem Augenblick ermüdet , ich hatte ein wenig Kopfschmerz . Es ist mir jetzt viel besser . « » Um so besser ! « lächelte die Herzogin , » und nun wollen wir plaudern . Du bist so stumm , Adalbert . Wie kam es , daß du dein Jagdvergnügen aufgabst ? Erzähle ! War es wirklich nur , weil du diesen Abend bei mir sein wolltest ? « Sie folgte ihm , wenn er wieder an ihr vorüberschritt , mit glückseligen Augen , und ohne eine Antwort abzuwarten , plauderte sie weiter : » Denke dir , Adalbert , der Erbprinz hat ein Gedicht gemacht , seine ersten Verse , der Doktor ließ es mir heute zugehen , er hat es in seinem Lateinheft gefunden . Willst du es lesen ? Liebste Klaudine , dort , auf meinem Schreibtisch unter dem Briefbeschwerer – nein , dort unter dem mit der Statuette des Herzogs . Danke sehr . Würden Sie es uns vorlesen ? Es ist so kindlich geschrieben und so ernst empfunden . « Klaudine nahm das Blatt , trat zum Fenster und las beim sinkenden Tageslicht die großen kindhaften Schriftzüge : » Wenn ich ein Mann erst werde sein , Hab ' ich ein Wörtlein mir erkoren – Das schreibe ich ins Herz mir ein , Daß niemals werde es verloren : Treu will ich sein , das ist mein Wort , Treu meinem Volk , treu meinem Gott , Treu meinen Freunden immerfort , Treu meiner Pflicht , mir selber treu , Daß treu stets meine Treue sei ! « Klaudine konnte das Gesicht der Herzogin nicht erblicken , aber sie sah , wie sie die Hand nach dem Gatten ausstreckte , und hörte , wie eine leisbebende Stimme flüsterte : » Dein Sohn , Adalbert ! « Und laut fragte sie : » Ist es nicht köstlich ? « Er hatte sein Umherwandern eingestellt . » Ja , es ist köstlich , Elise . Möge der liebe Gott ihn so führen , daß es ihm niemals schwer falle , die Treue zu halten . « » Das kann nicht schwer fallen , Adalbert , niemals ! « » Niemals ? « fragte er . Sie schüttelte den Kopf . » Niemals ! Was sagen Sie , Klaudine ? « » Hoheit , es kann Fälle geben « , begann das schöne Mädchen , » wo es einen schweren Kampf kostet , die Treue zu halten . « – » Aber