der untertänigsten Benachrichtigung , daß die Frau Gräfin Mutter noch zu sehr von dem Schmerz um den so plötzlich dahingeschiedenen Sohn ergriffen sei , als daß sie die fortwährende Erinnerung , die das Dortsein seiner jungen Witwe mit sich bringen würde , zu ertragen vermöchte . Die Frau Gräfin wolle bestimmen , was sie von ihren Sachen , Dienerschaft , Equipagen und Pferden nachgesandt zu haben wünsche , es werde sofort zu ihrer Verfügung stehen . Den Inhalt dieses Briefes erfuhr ich durch Hanna , die ganz verwundert meinte , die alte Gräfin müsse doch eine sonderbare Frau sein . Frau v. Bendeleben wurde , wenn möglich , noch schweigsamer . Ruth sprach mit etwas erzwungener Gelassenheit von den Zimmern , die sie sich in dem Flügel des Schlosses , wo die Fremdenstuben lagen , einzurichten gedenke , und meinte , daß sie um jeden Preis ihre Lady Arabella , ein englisches Pferd , und die Josepha , ihre Kammerjungfer , haben müsse . » Deine Möbel und das Pferd laß kommen , die Zimmer sollen dir eingerichtet werden . Aber deine Wiener Kammerjungfer bleibt , wo sie ist « , erklärte der Baron sehr kühl . Ruth weinte einen halben Tag über diese Abfertigung und bestürmte dann die Mutter mit Bitten . Als diese nicht zu erweichen war – weshalb , weiß ich nicht – beruhigte sie sich und schrieb an ihren cher cousin Eberhardt , ob er ihr nicht eine passende Person als Zofe in G. ausfindig machen könnte . Die Antwort war sehr kurz . » Er bedaure , er habe gar keine Gelegenheit , sich nach einer solchen umzusehen . « Sie erzählte diese lakonische Antwort ganz empört bei Tische . » Wie ist ' s möglich , so ungalant zu sein ! « rief sie . » Oh , mein schönes Wien , das wäre mir dort nicht geboten worden ! « Inzwischen war der Hochzeitstag Hannas , der 5. Februar , immer näher gekommen . Die Trauung sollte im Schlosse stattfinden , und nur ein paar Kameraden Bergens , der Oberst v. Rosenberg mit Frau und Nordheims zugegen sein . Wir alle waren eine Woche vorher nach G. gefahren , um die neu eingerichtete Wohnung des jungen Paares zu sehen . Hanna allein blieb zu Hause , sie sollte ja überrascht werden . Die Wohnung lag im zweiten Stock eines ganz hübschen Hauses , aber steile Treppen , niedrige Zimmer und wenig Räume . Hannas Zimmer , Bergens Zimmer , ein Salon , ein Schlafzimmer und Wirtschaftsräume – das war alles . Ich konnte kaum einen Ausruf des Entzückens unterdrücken . Wie gemütlich , wie traut und zierlich sah das alles aus ! Man sah , Bergen hatte alles überwacht und angeordnet , jedem Möbel und Bilde , jeder Statuette seinen Platz angewiesen . – Wie reizend dort das Plätzchen am Eckfenster , der zierliche Nähtisch mit dem Sessel davor , halb versteckt hinter duftigen , weißen Vorhängen . Hier wird sie sitzen , die niedliche , blonde Frau , und aufpassen , wenn er vom Dienste nach Hause kommt . Ein sehnsüchtiges Verlangen , auch so nahe am Ziele zu sein , erfaßte mich . Ich sah mich um nach Eberhardt : da stand er , und halb gerührt , halb freudig bewegt , schaute er zu mir herüber . Oh , ich wußte , er dachte dasselbe wie ich . Die schöne Frau in den schwarzen Kleidern betrachtete sich dieses gemütliche Heim mit einer Miene , die erstaunt und geringschätzig zugleich war . Sie blickte zur niedrigen Decke empor und riß den Samtpelz auf , indem sie tief Atem holte , als müsse sie ersticken . Sie sah aus , als wolle sie jeden Augenblick etwas von bürgerlichen Verhältnissen sagen . Auch Frau v. Bendeleben schien sich hier nicht wohl zu fühlen und äußerte verschiedene Male zu Bergen , sobald sich eine bequemere und elegantere Wohnung finde , müsse er diese wieder aufgeben . » Wie wird sich Hanna in diesen kleinen Räumen gewöhnen ? « fragte sie Ruch . » Ausgezeichnet gut , natürlich ! « entgegnete diese . » Hanna paßt wie geschaffen für eine – « sie verschluckte das letzte Wort und schwieg , aber der Zug um den Mund war noch spöttischer geworden . Bergen strahlte vor Glück und schien gar nicht zu bemerken , daß die beiden Damen nicht in meine laute Bewunderung mit einstimmten . Er zeigte mit der Miene eines kleinen Krösus alle seine Schätze , und war völlig derselben Meinung wie ich , daß es auf der ganzen Welt nichts Gemütlicheres und Trauteres geben könne als dieses kleine Heim . Die acht Tage vergingen rasch , und am Vorabend der Hochzeit stiegen wir beide , Hanna und ich , zum letzten Male zusammen die Treppen hinan zu unserem Turmstübchen . Ich war unendlich wehmütig gestimmt . Mit Hannas Fortgehen brach für mich ein ganz anderes Leben an . Wir hatten uns sehr lieb , und wenn sie auch nicht die Vertraute meiner Liebe war , so wußte ich doch , daß sie an allem , was mich betraf , den innigsten Anteil nahm . Auch sie hatte Tränen in den Augen , als wir uns oben in unserem kleinen Heim befanden . Nach langem Blick überschaute sie das Gemach und schien von jedem Möbel Abschied nehmen zu wollen . Arm in Arm standen wir so , dann sagte sie leise : » Gretel , nun ist es das letztemal , daß wir hier vereint sind . Ich gehe einer glücklichen Zukunft entgegen , und ich will dir offen gestehen , der Abschied von dir und vom Elternhause wird mir zwar recht schwer – aber seit Ruth wieder da ist , liegt ein solcher Druck auf der ganzen Atmosphäre hier , daß ich in einer anderen Luft ordentlich aufatmen werde . Wenn ich nur nicht um dich Sorge hatte ! Ich weiß nicht , wie du es hier aushalten willst , meine gute , liebe