’ Warum muß es denn gleich sein ? ’ stieß sie hervor . ’ Weil ’ s just nötig ist ! ’ erwiderte er . Ich will eben vermitteln , weil ich das Gewitter in ihr schon aufsteigen sehe , da sagt sie . ’ Nimm ’ s nicht übel , Heinz , der Gedanke , mein erstes Ehejahr zu Dreien verleben zu müssen , ist mir im höchsten Grade unsympathisch – ich bitte dich , davon abzusehen . Ich werde ihr einen so reichlichen Zuschuß geben , daß sie sich ein Mädchen halten kann und essen , wonach es sie gelüstet , aber – ’ Er sah sie an mit einem Blick , Klementine – mir stockte das Herzblut , so zornig , so verächtlich war er . ’ Ich bedaure , auf meinem Willen beharren zu müssen , ’ erklärte er eisig , das Essen allein macht ’ s nicht , sie bedarf freundlichen Zuspruchs , Liebe , anderer Verhältnisse , anderer Luft – sie hat niemand weiter als mich und – – ’ ’ Und ich bestehe auf meinem Willen ! ’ ruft sie , ,ich heirate dich und nicht deine Familie ! ’ Und die ganze kreideweiße Person zittert vor innerer Erregung . Im übrigen , wenn dir deine Schwester lieber ist als ich – du brauchst nur zu wählen , sie oder mich . ’ Eine Weile ist ’ s ganz ruhig . Ich bin halb ohnmächtig , natürlich , suche nach passenden Worten , aber obgleich ich sonst so leicht meine Fassung nicht verliere , fällt mir nichts ein , und als ich endlich den Mund öffne um zu sprechen , kommt Heinz mir zuvor und sagt ’ Vor diese Wahl gestellt – natürlich dich ! ’ Das klingt aber so höhnisch und wird mit so zuckendem Gesicht gesprochen , von einer so tiefen Verbeugung begleitet , daß , wie er bereits hinausgegangen ist , wir beide noch dastehen und uns verständnislos ansehen . Sie macht endlich eine große Weinscene , redet davon , daß er sie nicht liebe , und steigert sich in einen wahren Paroxysmus von gekraulter Tugend und Unschuld hinein . Da bringt ein Lakai einen Brief von Heinz an mich , und als ich öffne , liegt darin eine Karte von ihm und ein großer Brief , an ihn adressiert . Auf der Karte schreibt er . Liebe Tante , beifolgende Nachricht erhielt ich heute früh und wollte sie vorhin so schonend als möglich meiner Braut mitteilen . Ich bitte Dich nun , sie von dem Inhalt des Schreibens in Kenntnis zu setzen auf eine Weise , die sie nicht allzu sehr erschreckt , ich bin nach dem Vorhergegangenen nicht in der Lage , es genügend ruhig zu thun . Heinz . ’ Ich lese und kann einen Ausruf des Schreckens nicht unterdrücken , Toni erkennt die Handschrift ihres Onkels , des Bruders ihrer Mutter , den sie mit der Verwaltung ihres ererbten Vermögens beauftragt hat , liest und bricht in Schreikrämpfe aus . – Denke Dir , Klementine , der alte Esel – pardon – hat das ganze Vermögen in Börsenpapieren angelegt und am neunzehnten November bei dem große Krach ging , bis auf einen kleinen Teil , alles , aber auch alles verloren ! – Der unglückliche Junge ! Ja , zu machen ist nichts und an ein Zurücktreten unter solchen Umständen ist auch nicht zu denken . Ich bin überzeugt , hätte er , als Toni ihn vor die Wahl stellte mich oder deine Schwester ! , diese Hiobspost noch nicht gehabt , er würde rabiat genug gewesen sein , zu sagen ’ meine Schwester ! ’ So löste sich die Sache in einer leidenschaftlichen Abbittescene ihrerseits auf , die er stillschweigend duldete . Ueber den Verlust hat er kein Wort geäußert , aber er geht mit sorgenvoller Miene umher . Du kannst verstehen , was es für ihn heißt , ein armes Mädchen zu heiraten . – Sie hat ihm zwar pro forma ihr Wort zurückgeben wollen , doch hat er es selbstverständlich nicht angenommen . Se . Hoheit [ 123 ] [ 133 ] Seit Frau von Gruber an ihre Freundin in Schlesien jenen Brief geschrieben , in welchem sie ihr die Enttäuschung mitgeteilt hatte , die ihr Neffe Kerkow in Bezug auf das Vermögen seiner Braut hatte erleben müssen , waren zwei Wochen vergangen . Hede Kerkow hatte der Tante und dem Bruder erklärt , sie werde bei der Polterabendfeier nicht zugegen sein , und wenn man ihr zureden wollte , hatte sie gerufen : „ Soll ich denn zweimal hintereinander in dem nämlichen weißen Kaschmirkleidchen hier auftreten ? Und das möchte noch gehen , aber mir steht der Sinn nicht nach so viel Menschen , ich gebe meinem Herzen schon einen großen Stoß , wenn ich das Hochzeitsdiner mit absitze . Laßt mich , bitte , bitte ! Eigentlich wollte ich nur dem Heinz das Geleit in die Kirche geben ! “ In der Nachmittagsstunde vor dem Polterabend klopfte sie an die Thür von ihres Bruders Zimmer ; sie mußte ihn noch einmal sehen , bevor sie ihn für immer hergab . Vorläufig war noch nichts in seinen Räumen geändert ; erst wenn das junge Paar abgereist sein würde , sollte die Schar der Handwerker sich ihrer erbarmen und unter Tante Grubers Aufsicht eine elegante Wohnung daraus schaffen . Tonis Wünsche in Beziehung hierauf hatten sich nicht geändert , überdies war bereits alles bestellt gewesen . Heinz Kerkow saß müßig in einer der Fensternischen , draußen wirbelte dichter Schnee . So dicht fielen die Flocken , daß von dem Städtchen und der weilen Ferne draußen nichts mehr zu sehen war ; kaum noch konnte man die am Schloßplatz liegenden Häuser erkennen . „ Du , Heinz , “ sagte sie herzlich , als sie auf das „ Herein ! “ in das Zimmer getreten war , „ sei nicht böse , daß ich noch einmal komme , ehe der große Trubel beginnt ,