mit einem Anliegen kamen . Und das sind bei Hofe die meisten . Er bestätigte durchaus die Lehre , daß eine wohlwollende Fürstenumgebung einer geistreichen immer weit vorzuziehen ist . Nur freilich sollen diese fürstlichen Privatdiener nicht auch Staatsdiener sein und nicht mitbestimmen und mitregieren wollen . General von Köckritz hatte sich so gesetzt , daß ihn Frau von Carayon im Profil hatte . Sein Kopf steckte halb in einem überaus hohen und steifen Uniformkragen , aus dem nach vorn hin ein Jabot quoll , während nach hinten ein kleiner , sauber behandelter Zopf fiel . Dieser schien ein eigenes Leben zu führen und bewegte sich leicht und mit einer gewissen Koketterie hin und her , auch wenn an dem Manne selbst nicht die geringste Bewegung wahrzunehmen war . Frau von Carayon , ohne den Ernst ihrer Lage zu vergessen , erheiterte sich doch offenbar an diesem eigentümlich neckischen Spiel , und erst einmal ins Heitre gekommen , erschien ihr das , was ihr oblag , um vieles leichter und bezwingbarer und befähigte sie , mit Freimut über all und jedes zu sprechen , auch über das , was man als den » delikaten Punkt « in ihrer oder ihrer Tochter Angelegenheit bezeichnen konnte . Der General hatte nicht nur aufmerksam , sondern auch teilnahmevoll zugehört und sagte , als Frau von Carayon schwieg : » Ja , meine gnädigste Frau , das sind sehr fatale Sachen , Sachen , von denen Seine Majestät nicht zu hören liebt , weshalb ich im allgemeinen darüber zu schweigen pflege , wohlverstanden , solange nicht Abhilfe zu schaffen und überhaupt nichts zu bessern ist . Hier aber ist zu bessern , und ich würde meine Pflicht versäumen und Seiner Majestät einen schlechten Dienst erweisen , wenn ich ihm einen Fall wie den Ihrigen vorenthalten oder , da Sie selber gekommen sind , Ihre Sache vorzutragen , Sie , meine gnädigste Frau , durch künstlich erfundene Schwierigkeiten an solchem Vortrage behindern wollte . Denn solche Schwierigkeiten sind allemalen erfundene Schwierigkeiten in einem Lande wie das unsre , wo von alter Zeit her die Fürsten und Könige das Recht ihres Volkes wollen und nicht gesonnen sind , der Forderung eines solchen Rechtes bequem aus dem Wege zu gehen . Am allerwenigsten aber mein Allergnädigster König und Herr , der ein starkes Gefühl für das Ebenmäßige des Rechts und eben deshalb einen wahren Widerwillen und rechten Herzensabscheu gegen alle diejenigen hat , die sich , wie manche Herren Offiziers , insonderheit aber die sonst so braven und tapfren Offiziers von Dero Regiment Gensdarmes , aus einem schlechten Dünkel allerlei Narretei zu permittieren geneigt sind und es für angemessen und löblich oder doch zum mindesten für nicht unstatthaft halten , das Glück und den Ruf andrer ihrem Übermut und ihrer schlechten Moralité zu opfern . « Frau von Carayons Augen füllten sich mit Tränen . » Que vous êtes bon , mon cher général . « » Nicht ich , meine teure Frau . Aber mein Allergnädigster König und Herr , der ist gut . Und ich denke , Sie sollen den Beweis dieser seiner Herzensgüte bald in Händen halten , trotzdem wir heut einen schlimmen oder sagen wir lieber einen schwierigen Tag haben . Denn wie Sie vielleicht schon in Erfahrung gebracht haben , der König erwartet in wenig Stunden die Königin zurück , und um nicht gestört zu werden in der Freude des Wiedersehns , deshalb befindet er sich hier , deshalb ist er hierher gegangen nach Paretz . Und nun läuft ihm in dies Idyll ein Rechtsfall und eine Streitsache nach . Und eine Streitsache von so delikater Natur . Ja , wirklich ein Schabernack ist es und ein rechtes Schnippchen , das ihm die Laune der Frau Fortuna schlägt . Er will sich seines Liebesglückes freuen ( Sie wissen , wie sehr er die Königin liebt ) , und in demselben Augenblicke fast , der ihm sein Liebesglück bringen soll , hört er eine Geschichte von unglücklicher Liebe . Das verstimmt ihn . Aber er ist zu gütig , um dieser Verstimmung nicht Herr zu werden , und treffen wir ' s nur einigermaßen leidlich , so müssen wir uns aus eben diesem Zusammentreffen auch noch einen besonderen Vorteil zu ziehen wissen . Denn das eigne Glück , das er erwartet , wird ihn nur noch geneigter machen als sonst , das getrübte Glück andrer wiederherzustellen . Ich kenn ihn ganz in seinem Rechtsgefühl und in der Güte seines Herzens . Und so geh ich denn , meine teure Frau , Sie bei dem Könige zu melden . « Er hielt aber plötzlich wie nachdenkend inne , wandte sich noch einmal wieder und setzte hinzu : » Irr ich nicht , so hat er sich eben in den Park begeben . Ich kenne seinen Lieblingsplatz . Lassen Sie mich also sehen . In wenig Minuten bring ich Ihnen Antwort , ob er Sie hören will oder nicht . Und nun noch einmal , seien Sie gutes Mutes . Sie dürfen es . « Und damit nahm er Hut und Stock und trat durch eine kleine Seitentür unmittelbar in den Park hinaus . In dem Empfangszimmer , in dem Frau von Carayon zurückgeblieben war , hingen allerlei Buntdruckbilder , wie sie damals von England her in der Mode waren : Engelsköpfe von Josua Reynolds , Landschaften von Gainsborough , auch ein paar Nachbildungen italienischer Meisterwerke , darunter eine büßende Magdalena . War es die von Correggio ? Das wundervoll tiefblau getönte Tuch , das die Büßende halb verhüllte , fesselte Frau von Carayons Aufmerksamkeit , und sie trat heran , um sich über den Maler zu vergewissern . Aber ehe sie noch seinen Namen entziffern konnte , kehrte der alte General zurück und bat seinen Schützling , ihm zu folgen . Und so traten sie denn in den Park , drin eine tiefe Stille herrschte . Zwischen Birken und Edeltannen hin schlängelte sich der Weg und führte bis an eine künstliche , von Moos