ging er hinaus hinter die Hütte , wo ein kleiner Röhrlbrunnen stand , holte in einem Schäfflein Wasser und schöpfte die eiserne Pfann damit voll . » So , das gibt unser Kaffeesupperl « , sagte er ; » jetz muß i no gschwinds meine Goaßln und ' n Hennan dös eahna gebn , nachher koch ma unsern Kaffee , und nach ' n Essen muß i melchan . « Mir war gar wohl bei diesem Mann ; und da er mir nun seine Arbeit so hersagte , dachte ich ; kannst ihm doch leichtlich was abnehmen ! Half ihm also beim Streubreiten und beim Füttern , nahm ihm auch gleich das Melken ab , dabei sich die Geißen so still hielten , als hätt ich sie schon ihr Lebtag immer gemolken . Der Alte lachte still und zufrieden und gab mir noch allerhand Befehle und Weisungen , doch nicht wie ein Bauer , vielmehr wie ein guter Vater . Ich mußt also aus einem Schränklein , das in die Wand gemauert war und ein Bild mit dem Bergglühen als Türl hatte , zwei irdene Schüsseln langen und mir einen Löffel schneiden , was aber derweilen lang geschehen war , bis der Vater ein Häuflein gebrannte Eicheln und Zichorienwurz zwischen zwei flachen Steinen gemahlen und die Kaffeesuppe davon gekocht hatte . Drauf mußte ich von einem Zuckerhut etliche Brocken abklopfen und in Stücklein zwicken , indes der Vater eine Latern aus der Anricht holte , ein Stümplein Licht hineinsteckte und am Herdfeuer anbrannte . Nun zog ich meine Kirchweihkräpflein aus den Taschen und teilte sie mit dem Hausvater in Redlichkeit . Setzten uns also zum Tisch und aßen mit ruhigem Herzen . Hat mir gar wohl geschmeckt in dieser Hütten ; gewißlich besser , wie dem großen Napoleon seine köstlichsten Mahlzeiten ! Der Alte hatte ein großes Wohlgefallen an mir gefunden und meinte darnach , da wir in der Schlafkammer auf unserer Strohschütt lagen : » Jetzand wirst mi aber do nit schon wieder bald verlassen wollen ! - Hab schon lang Weillang ghabt nach so ' m Schlafkameraden , wie du bist ! - Grad alloa sein und sein Lebtag alloa sein is aa nix . A bißl a Freundschaft tut halt do not auf der Welt ! « Und so mußt ich ihm also versprechen , daß ich etliche Zeit bei ihm bleiben wolle . Tat es auch gern und willig , zumal mir das Leben in diesem geruhigen Häuslein bei dem wunderlichen alten Vater wohl gefiel . Der mochte leichtlich seine sechzig Jahr am Rucken haben und war klein und hager , schlohweiß an Haar und Bart und hatte das wetterbraune Gesicht voller Falten und Fältlein , die , wenn er lachte , gar lustig und freundlich aussahen . Zwinkerte schalkhaft mit seinen hellen Augen , wenn er was fragte oder erzählt ' , und konnt lachen , daß ihm die Tränen kamen . Als der jüngste von vierzehn Geschwistern war er im Tirolerland geboren ; sein Vater war ein Kraxenkrämer gewesen , der mit der Kirm am Buckel landaus , landein zog und den Leuten um etlich Kreuzer allerhand verkaufte : Wunderbalsam , Klufen und Nadeln , Bänder und Litzen , Haarpfeile und Pudelhauben , silberne Fingerringlein und goldene Hutschnüre . Seine Mutter war ein Kräutlweib und brachte die Zeit , da ihr Ehemann auf der Wanderung war , mit dem Ansetzen von Schnäpsen , Sammeln von Kräutern und Wurzeln hin und gebar dazwischen ihre Kinder zur Welt und erzog sie in der Notdurft und Armseligkeit ihrer Umständ , bis ein jedes selber für sich sorgen konnte . Kam der Vater von seinen Reisen heim , so brachte er meist jedem was mit aus den fremden Orten und von den Jahrmärkten , oder er wußte irgendein glückhaftes Schanzlein , eine gute Dienststell oder einen Lehrplatz für seine Kinder . Wurde also gemach eins ums ander hinausgeschickt in die Fremd , sein Brot zu suchen , dabei ihnen dann der alt Beham , ihr Vater , noch viel gute Reden und ein kleins Lederbeutlein mit zwölf Kreuzern als Aussteuer mit auf den Weg gab . Und da nun alle längst dahin und im Land zerstreut waren und nur noch er , als der Nesthocker , der Jüngst , vom Tisch der Eltern aß , so kam endlich auch an ihn die Reih und sagte der alt Vater zu ihm : » Thomas , jetz werds Zeit , daß du auch ein wengl in der Welt umaschaugst ; bist eh schon ein Mordshannacken her und frißt für zwee ! « Schnürte ihm also sein Ränzl , gab ihm als dem Kleinsten seinen väterlichen Segen mit einem Weichbrunn und dafür bloß zehn Kreuzer zur Aussteuer . Die Mutter aber legte sich auf ihre Lagerstatt , ward krank und serbend und brauchte kurze Weil darnach den Totengraber und drei Schäuflein Erde für die ewig Ruh . Das war also die Geschicht des alten Thomas Beham , meines gütigen Hausvaters . Ein mehreres war nicht aus ihm zu bringen , und er sagte bloß immer : » Ja ja . Und nachher bin i halt fort und habs probiert , hab dies gelernt und jenes , dies erlebt und jenes , - und bin z ' guter Letzt vor vielen Jahren da in den Ort und zu der Hütten kommen , wo frühers ein alts Korbflechterweib ganz mutterseelenalleinig ghaust hat . Da hab i nachher ein Hoamatl gfunden - und no was : die schöne Kunst , wie man d ' Welt auf an Wischhadern , auf ein Krautbrettl und auf an Hafndeckl hinzaubern kann mit so ein paar Farbhaferln und etliche Goaßpemsel . « Und er war ein gar fleißiger Maler ; Tag für Tag ging er hinaus und stellte sich bald hierhin , bald dorthin , eifrig betrachtend , zeichnend und malend . Und zu allen diesen Bildern begann ich nun breite und schmale Rahmen zu schneiden und zu schnitzeln , sie mit allerhand Schnörkeln zu verzieren und Rosen