, den sie durch den Tiergarten auf gutbeleuchteten Wegen erreichen konnte . Während sie durch die kurze , verbindende Bellevuestraße ging , vorbei an den glänzend erleuchteten Hotelvestibulen , schien es ihr , als folge ihr jemand mit leichten , eiligen Schritten dicht auf dem Fuß . An der Ecke , an welcher die Bellevuestraße in den Tiergarten einmündet , gerade da , wo sich vor etwa sechs Stunden Koszinsky von ihr verabschiedet hatte , war es , daß sie von hinten ihren Namen rufen hörte . » Fräulein Diamant ! « Es war eine Frauenstimme , in hohem , scharfem Diskant , die sie anrief . Die Stimme betonte und verlängerte das i und hackte , nach norddeutscher Art , die Vokale ohne verbindenden Hiatus scharf auseinander , so daß es klang » Dii-amant . « Die Angerufene blieb stehen , wandte sich um und fand sich Frau Dr. Bergmann gegenüber . » Ich bitte Sie , - - mich nicht der Dreistigkeit zu zeihen , - aber es drängte mich , Ihnen Aug ' in Aug ' gegenüberzustehen ; auch haben wir , denke ich , ein gut Teil Weges gemeinsam . « » Zeihen - - Aug ' in Aug « - - Olga fielen sowohl die Stimme als auch diese Wendungen auf . Frau Dr. Bergmann trabte nun , die Hände in die schrägen , tiefen Taschen ihrer Lodenjoppe versenkt , ohne Schirm , mit ihren kurzen , eiligen Schritten neben ihr her . Olgas Einladung , mit unter ihren Schirm zu kommen , lehnte sie ab . Sie bediene sich nie eines Schirmes . » Als ich Sie heute sprechen hörte , « begann sie nach kurzer Pause , - - » da hatte ich den Eindruck : voilà , hier steht ein Mensch . « Olga wußte nichts zu erwidern , und Frau Dr. Bergmann fuhr fort . » Und weil ich nach einem Menschen - - dürste , so sagte ich mir , - - eh bien , Erika , fasse Mut ! - - Und darum bin ich jetzt hier , - neben Ihnen . « Sie legte den Kopf auf die Seite und wandte Olga , mit eindringlichem Lächeln , ihr Gesicht zu , so daß sie im Schein der Gaslaterne das Flackern ihrer Augen sehen konnte . Ihr Interesse an Frau Dr. Bergmann wurde durch deren Bemerkungen nicht gerade verstärkt . Die manirierte Art ihrer Ausdrucksweise empfand sie als peinliche Reizung ihrer Nerven , die sie nach dem lebhaften Abend mit besonderem Unbehagen erfüllte ; sie hätte jetzt gerne Ruhe gehabt . Aber es wäre ihr ganz ungehörig erschienen , irgendeine Seele , die sich , um menschlichen Anteil bittend , an sie wandte , abzuweisen . Und so sagte sie : » Es soll mich freuen , wenn ich Ihnen nützen kann . « » Nützen - - o du grundgütiger Gott ! Ich brauche keinerlei Nutzen von irgend jemand . « » Der Verkehr von Menschen , der für alle Teile ganz nutzlos bleibt , kann wohl als sinnlos und überflüssig gelten . « » Da haben Sie recht , meine sehr Verehrte « , rief Frau Dr. Bergmann lebhaft und es klang aufgeregt , bestärkend . » Ja , ja , - - selbst eine Beziehung , die der ganzen Welt sinnlos scheint , braucht es nicht zu sein , wenn - - wenn - - dieser heilige Nutzen für die Seele da ist , von dem Sie wohl sprechen ; o davon wüßte ich viel zu sagen , - - viel , viel . « Da Olga schwieg , fuhr sie fort : » Und gerade Ihnen möchte ich das alles sagen , - - denn Sie , - - Sie unter allen , werden verstehen , was den anderen - über den kleinen Horizont geht . « » Ich bin dessen nicht ganz so sicher « , meinte Olga , als wolle sie sich den Bekenntnissen , die nun offenbar folgen sollten , entziehen . Aber vergebens . Frau Dr. Bergmann kam jetzt in immer stärkere Erregung , sie schien sich an ihren eigenen Worten zu entzünden , - beinahe gewaltsam , als wolle sie sich Gehör und Verständnis erzwingen , rüttelte sie an der Zurückhaltung der anderen : - - - - - » Das einfache Wesensgeschehen - - daß eine Frau einen Menschen findet , - - bei dem sie das Gefühl hat - - daß er ihr das Paradies , Leben zu erschließen vermag , - - daß sie zu diesem Manne strebt , - ohne Besinnen - - unter vollständiger Preisgabe von allem , was sie bisher besaß , - - daß sie an die Macht ihres Willens unfehlbar glaubt , - daß sie ihre Liebe hegen will , solange ein Atemzug in ihr ist - - solange noch eine Nervenfaser in ihr vibriert - - daß sie glaubt , ja weiß - - « , hier zuckte ihr Gesicht , wie vom Krampfe verzerrt , - - » daß er dieser Liebe folgen muß , - - das - das ist es , was die - - Geringen , - die Kreaturen des Alltags - - nicht begreifen wollen , - - wofür sie sie gequält haben , mit lächerlichen Fragen . - - « Und angstvoll drang sie in sie ein : » Aber Sie - - Sie begreifen ? ! « » Es ist nichts Neues und nichts Unbegreifliches , daß eine Frau , um der Liebe willen , alles preisgibt , was sie bisher besaß . « » Sehen Sie , - - sehen Sie - - ich wußte , Sie würden mich verstehen ! « frohlockte Erika . » Aber - - Sie sagten da etwas von der Macht des Willens , - derer es bedarf , daß der Mann dieser Liebe folge , - - und das ist mir nicht ganz klar , meinte Olga . « » Er wird , - - er wird