Massae das rosenfarbene Wunderöl herfürbrachte . Wahrscheinlich ist die Mondblume unter den Kräutern gewesen . « - » Nun , so schaffe er die Mondblume herbei ! « sagte der Mönch . Ich aber erwiderte : » Leicht gesagt . Wenn mir nur bewußt wäre , welch Kraut mit dem Namen Mondblume bezeichnet wird . Jedenfalls werden die Kräuter , besonders seltene , in den unterschiedlichen Gegenden nicht immer gleicherweise benamset . Es gilt , herauszubringen , wie die Mondblume aussiehet . Erst dann bin ich in der Lage , sie zu beschaffen . Diesen Zweck nun verfolget mein theoretisch Studium . Drum wollet mir nicht dazwischen fahren . Dem Mitgliede eines hochgelahrten Ordens ist doch bewußt , daß alle Kunstfertigkeit nur aus der Wissenschaft quillet . Sendet mir Bücher , in denen sich Angaben über die Mondblume vermuten lassen . Ohne sie gleiche ich mit allem Experimentieren nur einem Narren , so um Mitternacht im Wald umhertappet , einen Sonnenstrahl aufzufinden , den er zwölf Stunden zuvor deutlich gesehen . « Forschend ruhte des Mönches Auge auf mir , nach etlicher Überlegung sprach er : » Also gut , mag Er zunächst studieren , und was die Bücher betrifft , so will ich Ihm schicken , wonach Er begehret . Indessen befehle ich hiermit , daß Er neben der Theorie auch das Experiment emsig betreibe . Kein Tag darf vergehen , ohne daß Er im Laboratorio arbeitet , und wofern mir hierüber kein zufriedenstellender Bericht wird , so sollen Strafen erfolgen . Ernstlich hat Er zu bedenken , daß alle Wünsche , die Er in seiner jetzigen Lage hegen mag , sich nur auf eine Weise erfüllen lassen , wenn Er nämlich die Transmutatio zustande bringet . Sein Glück , sein Befreier , sein Heiland nächst Gott und unserm Herrn Jesu ... « bei diesen Worten bekreuzigte sich der Pfaffe ... » heißet Gold . « Und nun verließ mich mein Quälgeist . Wie die Tür verschlossen war , sank ich zitternd in den Sessel . Hatte zwar für den Augenblick die Attacke abgeschlagen , wußte aber , der mächtige Feind würde unerbittlich zurückkehren . Wie seltsam verstehet doch das Schicksal seine Mittel zu wählen ! Meine alchymistischen Versuche waren nicht umsonst . Sie führten zwar nicht zur Transmutatio , doch zu einer Erfindung , und diese half mir zur Freiheit . Ich hatte einen Absud von Kräutern mit Alaun und Spirito vini vermenget und versehentlich die Massa über ein aufgeschlagen Buch fließen lassen . Die wasserklare Flüssigkeit machte zuerst keine Flecken . Wie erstaunte ich aber , als ich einen Monat später das Buch zur Hand nahm und die begossenen Stellen nunmehr braun fand . Ich zog hieraus den Schluß , die ausgegossene Flüssigkeit sei so beschaffen , daß ihre Flecken auf dem Papier , anfangs unsichtbar , erst nach geraumer Zeit dunkel werden . Versuche ergaben , daß nach drei Wochen das benetzte Papier sich dunkel zu färben begunnte . Wie diese Tinte zu meiner Befreiung angewandt ward , soll der nächste Verlauf meiner Chronica melden . Auch insofern half mir mein Experimentieren , als es mich dazu brachte , den Schmelzofen näher zu untersuchen . Weil mir bei einer gewissen Witterung der Rauch ins Gewölbe schlug , war ich auf Remedur bedacht . Kroch also in den Rachen des Behemot hinein und richtete mich im Innern auf , so daß mein Kopf in den Schornstein kam . Mit einer Laterne leuchtete ich in den rußigen Schlund , er war geräumig ; im Gemäuer waren Lücken , und den Fuß hineinsetzend , konnte man wie auf einer Leiter empor gelangen . Nach dieser Entdeckung begab ich mich gleich zurück ins Laboratorium . Hätte es bedauert , wenn mein Wärter mich innerhalb des Ofens gefunden und also diesen Ausweg aus dem Gefängnis bemerkt hätte . Mein erster Gedanke war , einen Strick zu beschaffen . Von den Ton- und Glasgefäßen , so mit Pergament verschlossen waren , tat ich die Fäden hinweg und knüpfte diese aneinander . Indem ich den so gewonnenen Faden achtfach zusammendrehte , erhielt ich einen Strick von doppelter Mannslänge . Ich verlängerte ihn noch dadurch , daß ich ans eine Ende meinen Leibgurt , ans andere ein zusammengerollt Linnentuch band . Pochenden Herzens harrete ich der Nacht , den entdeckten Ausweg näher zu untersuchen . Wie sonst um die neunte Stunde löschte ich mein Licht , damit die Wache vom Hofe her nicht zu ungewöhnlicher Zeit Helligkeit bei mir bemerke . Um zehn Uhr jedoch zündete ich die Laterne an , schob sie in den Schmelzofen und kroch hinterdrein . Den Strick um den Leib , kletterte ich im Schornstein aufwärts , indessen mir die unten verbliebene Laterne leuchtete . An der Mündung des Schornsteins reckte ich mich ins Freie . Der Mond netzte silbern das Dach und beleuchtete waldige Hügel . Im Nachthauche säuselten die Tannenwipfel , eine Eule schrie . Den Riemen um den Schornstein geschlungen , rutschte ich an den Rand des äußeren Burgdaches und lugte hinab . Wie schwer , auf diesem Wege zu entrinnen ! Wofern ich selbst einen genügend langen Strick hätte , würde ich in den tiefen Graben gelangen , der die Burg umzingelte ; und wie sollte ich hinausklettern ? Während ich überlegte , vernahm ich drunten Schritte nebst Waffengerassel und sah im Mondlicht einen Soldaten jenseits des Grabens den Rundgang um die Burg tun . Derweilen ich mich anschickte , wieder rückwärts zu kriechen , löste sich ein Dachziegel und stürzte polternd in den Burggraben . Aber der Wachtposten kehrte nicht zurück , und so rekognoszierte ich weiter . Die Burg war in Form eines Vierecks gebaut und hatte an den Ecken vorspringende Türme . Vom Dache einer jeden Burgfront ragten mehrere Schornsteine . Ringsum nichts als Waldgebirge , keine Spur eines Dorfes . Wie ein Nachtvogel flog mein Träumen über die Wipfelwogen dem Isergebirge zu und suchte das traute Häusel des Oheims , der jetzo in friedlichem Schlafe lag , ahnungslos , daß sein