die Pelzboa , alles war ganz beschneit . » Du hast ja gearbeitet « , sagte Anna , während sie ablegte , und wies auf den Tisch , wo neben der grünbeschirmten Lampe beschriebene Notenblätter lagen . » Das Quintett hab ich mir durchgesehen , den ersten Satz . Es ist doch noch manches daran zu machen . « » Aber dann wird ' s wunderschön sein . « » Das wollen wir hoffen . Kommst du von Hause , Anna ? « » Nein , von Bittners . « » Wie , heut am Feiertag ? « » Ja . Die zwei Mädeln haben durch die Masern viel versäumt , das muß nachgeholt werden . Ist mir übrigens sehr angenehm , schon aus finanziellen Gründen . « » Die Riesensumme ! « » Und dann entgeht man wenigstens auf ein paar Stunden dem trauten Heim . « » Na ja « , sagte Georg , legte Annas Boa über eine Sessellehne und strich zerstreut mit den Fingern über das Pelzwerk hin . Annas Bemerkung , aus der es , und nicht zum erstenmal , wie ein leiser Vorwurf gegen ihn herausklang , hatte ihn nicht angenehm berührt . Sie setzte sich auf den Diwan , führte die Hände an die Schläfen , strich leicht über das dunkelblonde , gewellte Haar nach rückwärts und blickte Georg lächelnd an . Er , beide Hände in den Saccotaschen , stand an die Kommode gelehnt und begann von dem gestrigen Abend zu erzählen , den er mit Guido und der Violinspielerin verbracht hatte . Seit einigen Wochen nahm die junge Dame , auf des Grafen Wunsch , bei dem Beichtvater einer Erzherzogin katholischen Religionsunterricht ; sie ihrerseits hielt Guido an , Nietzsche und Ibsen zu lesen . Doch war als Resultat dieses Studiums , nach Georgs Bericht , bisher nichts anderes zu verzeichnen , als daß der junge Graf seine Geliebte nach jener wunderlichen Gestalt aus » Klein Eyolf « scherzhafterweise Rattenmamsell zu nennen pflegte . Anna wußte über den gestrigen Abend wenig Heiteres mitzuteilen . Sie hatten Besuch gehabt . » Zuerst « , erzählte Anna , » die zwei Cousinen von Mama , dann ein Bureaukollege von Papa zum Tarokspielen . Auch Josef hat sich der Häuslichkeit ergeben , ist auf dem Diwan gelegen von drei bis fünf , dann ist sein neuester Spezi gekommen , Herr Jalaudek , der mir erheblich den Hof gemacht hat . « » So , so . « » Er war berückend . Ich sage nur : eine violette Krawatte mit gelben Tupfen , da kannst du dich verstecken . Übrigens hat er mir den ehrenvollen Antrag überbracht , in einer sogenannten Akademie beim wilden Mann , zugunsten des Währinger Kirchenbauvereins mitzuwirken . « » Du hast natürlich zugesagt . « » Ich habe mich mit meinem Mangel an Stimme und an Frömmigkeit entschuldigt . « » Na was die Stimme anbelangt ... « Sie unterbrach ihn . » Nein , Georg « , sagte sie leicht , » die Hoffnung hab ich endgültig aufgegeben . « Er sah sie an und suchte in ihrem Blick , der aber klar und frei blieb . Leise und dumpf klang die Orgel aus der Kirche herüber . » Ja richtig « , sagte Georg , » das Billett für morgen zu Carmen hab ich dir mitgebracht . « » Dank schön « , erwiderte sie und nahm die Karte entgegen . » Gehst du auch ? « » Ja . Ich hab eine Loge im dritten Stock und lad mir den Bermann ein . Die Partitur nehm ich mir mit , wie neulich zu Lohengrin und üb ' mich wieder im Dirigieren . Im Hintergrund natürlich . Du kannst dir nicht vorstellen , was man dabei lernt . Ich möcht dir übrigens was vorschlagen « , setzte er zögernd hinzu . » Willst du nicht nach dem Theater mit mir und Bermann nachtmahlen gehen ? « Sie schwieg . Er fuhr fort . » Es wäre mir wirklich angenehm , wenn du ihn näher kennen lerntest . Er ist bei allen seinen Fehlern ein interessanter Mensch und ... « » Ich bin keine Rattenmamsell « , unterbrach sie ihn scharf und hatte gleich ihr bürgerlich strenges Gesicht . Georg verzog die Mundwinkel . » Das trifft mich nicht , liebes Kind , ich unterscheide mich auch in mancher Beziehung von Guido . Aber wie du willst . « Er ging im Zimmer hin und her , sie blieb auf dem Diwan sitzen . » Du gehst also heute Abend zu Ehrenbergs ? « fragte sie dann . » Du weißt ja . Ich habe schon zweimal abgesagt in der letzten Zeit . Ich konnte diesmal nicht recht ... » Du brauchst dich nicht zu entschuldigen , Georg . Ich bin auch geladen . « » Wo denn ? « » Auch bei Ehrenbergs . « » Wirklich « , rief er unwillkürlich aus . » Was wundert dich denn dran so sehr ? « fragte sie spitz . » Offenbar wissen sie dort noch nicht , daß man mit mir nicht mehr verkehren kann . « » Aber Anna , was hast du denn heut ? warum bist du denn gar so empfindlich ? Selbst wenn man wüßte ... glaubst du , das würde die Leute hindern , dich einzuladen ? Im Gegenteil . Ich bin überzeugt , Frau Ehrenberg bekäme geradezu Respekt vor dir . « » Und klein Elschen würde mich vielleicht gar beneiden . Glaubst du nicht ? Sie hat mir übrigens ganz nett geschrieben . Da ist ihr Brief , willst du ihn lesen ? « Georg flog ihn durch , fand ihn von etwas absichtlicher Liebenswürdigkeit , äußerte sich nicht weiter und gab ihn Anna wieder . » Da ist übrigens noch einer « , sagte Anna , » wenn er dich interessieren sollte . « » Von Doktor Stauber ? So ? Wär es ihm recht , wenn er wüßte ,