für einen einzigen Menschen ein solcher Gegenstand des Abscheues zu sein . Ich sinne hin und her , weil mir der Gedanke aufsteigt , die Handschrift schon irgendwo gesehen zu haben . Ich kann ' s nicht aussinnen . Alle Anschuldigungen sind indes so unklar , unbestimmt ausgedrückt , daß ich durchaus nicht genau weiß , welcher Übeltat ich angeklagt werde . Weiber scheinen dabei beteiligt zu sein ; es ist also wohl ein eifersüchtiger oder Ritterdienst tuender Mann . Und somit ist die Sache vielleicht ein Mißverständnis , denn ich wüßte doch wahrlich nicht , wem ich der Weiber halber etwas getan haben sollte . Der gute Mann verlangt keine Antwort , sondern wird sich in kurzem selbst melden . Soll ich offenherzig sein ? Die Sache ist mir unangenehm ; ich habe es neuerdings immer gefürchtet , in eine Duellangelegenheit verwickelt zu werden , weil ich den fatalen Kampf meiner gesunden Ansicht mit meiner schwächlichen Empfindsamkeit voraussah . Das Duell ist mir verhaßt , und wenn ich an die sogenannten Skandäler auf der Universität zurückdenke , so kommen auch alle die Harlekinaden mit , aus deren bunten Lappen das ganze Studentenleben bestand , und jene Paukereien erscheinen mir wie ein ernsthaftes Spiel , bei dem leicht ein Unglück geschieht . Wenn man aber die Harlekinsjacke ausgezogen hat , soll man auch das Spielen lassen . Ich würde es von Staats wegen niemand verbieten , weil es eine Beschränkung der persönlichen Freiheit wäre , und weil es wirklich Verhältnisse gibt , von deren feinen Linien das bürgerliche Recht keine Kenntnis haben kann , da es seiner Natur nach al fresco gemalt sein muß . Ich kann es niemand wehren , an den Vorteilen der Zivilisation keinen Anteil nehmen zu wollen , sobald er einen andern , der das will , nicht stört . Wenn also ihrer zwei außer dem Gesetze begriffen sein und ihre Angelegenheit durch Degen oder Kugel schlichten wollen , so soll man sie gewähren lassen . Aber man betrachte jedes Duell mit also mißtrauischen Augen , als man es noch immer mit günstigen tut . Man gestatte jedem , es unbeschadet seiner äußeren Ehre zurückzuweisen ; man blamiere , verlache diese mittelalterliche Courage , das Vorrecht von Studenten und Soldaten , die es in Ermangelung eines besseren Kerns zum Mittelpunkte ihres Lebens gemacht haben , bei denen man keiner andern Eigenschaft bedarf , um für vollkommen zu gelten . Die besten Männer der Weltgeschichte dürften leichtlich nichts taugen , wenn man diesen Duellmaßstab bei ihnen anlegen wollte , und doch ist es Mode geworden , selbigen Maßstab an uns alle anzulegen . Sind wir nicht wie die Kinder ? Wenn sich einer vor Dummheiten nicht fürchtet , so ist er ein tüchtiger Mann , vor Klugheiten aber Furcht zu haben , ein Dummkopf zu sein , das tut der Ehre nichts . Ich habe mich auf der Universität geschlagen , weil - nun ja , weil ich Student war ; ich werde mich wahrscheinlich jetzt wieder schlagen , weil ich schwach bin , oder wenigstens nicht den Mut habe , allein stark zu sein . Aber ich will mich bessern , ich will mich an das Schreckbild gewöhnen , für feig zu gelten ; es gehört ja doch wahrlich mehr Mut dazu , ihm ins Angesicht zu sehen als einer schmalen Kugelmündung . Wenn meine Besserung nicht so schnell vonstatten geht , daß ich schon meinen jetzigen Ausforderer heimschicke , so soll er doch der letzte sein , mit dem ich diese Narrheit treibe . Laß mich Dir ' s gestehen , daß meine Schwäche durch meine Umgebung gesteigert wird : der Adel sieht seinen Duellmut für eine Prärogative an , womit er seine andern Prärogativen verdiene ; wenn ich ihm den Unsinn des Duells noch so klar beweise , so zuckt er doch die Achsel und schwappt sich auf den Bauch und spricht : » Man sieht ' s doch gleich « usw. - Unter den Indianern mußt Du erst an den Götzen , welchen sie verehren , geglaubt haben , eh ' Du ihnen beweisen kannst , daß der Götze ein Götze sei . Ich will noch einmal mich gläubig stellen , und dann auf offenem Markte das Götzenbild zertrümmern . Es ist ja doch gar zu lächerlich , jedem Laffen preisgegeben zu sein , sei ' s auch nur den Zeitpunkt betreffend , in welchem ich ihm zu Dienst sein muß . Man beschäftigt sich mit den höchsten Interessen der Menschheit und ist den alten Resten der Blutrache , dem faustrechtlichen Larifari unterworfen ; man predigt auf der Kanzel und sündigt hinter der Kirche . Der Krieg im allgemeinen bleibt immer noch ein Akt der Barbarei , welcher wegen der Verschiedenartigkeit der Stufen , auf denen die Völker stehen , noch immer nicht abgeschafft werden kann ; aber den Krieg im kleinen sollten wir doch wahrlich dämpfen können . Es ist eine ebenso große Dummheit , als wenn man den Kriegerstand den übrigen voranstellt . Ist es wohl schon jemand eingefallen , die Kanone mit Verehrung anzusehen , weil man damit eine Masse Menschen niederschießen kann ? Aber es ist der alte Rest der Eroberung , des Lehenwesens , der Barbarei , wo nur das gelten konnte , was große physische Gewalt entwickelte , was Furcht einflößte . Die Kultur beginnt mit Zerstören : man haut Wälder nieder , tötet die wilden Tiere - wollen wir denn immer im Beginn der Kultur stehen bleiben ? Man lehre die Jugend , den Tod nicht zu fürchten , aber man lehre es auf eine zivilisiertere Weise . - Die Fürstin hat viel Gefolge mitgebracht . Es ist ein buntes festliches Treiben hier eingekehrt , es geht alles geputzt , und doch ist niemand vergnügt - wir leben auf einem Totenacker , den man mit bunten Blumen beworfen hat . Hippolyt steht knirschend wie ein Todesengel da und ist vernichtend in Wort , Blick und Gebärde . Ich habe ihn nie so beißend witzig , verständig