- « der Bürgermeister zögerte , und sein Gesicht wurde vorübergehend bleich , » was mich betrifft , mein Haus ist kein Ort des Friedens . « Rasch schaute der Präsident empor ; sodann ging er hin und reichte Binder stumm die Rechte . » Und was ist es mit diesen Beholds ? Was sind es für Leute ? « fragte er ablenkend . » Oh , es sind gute Leute « , versetzte der Bürgermeister etwas unsicher . » Der Mann jedenfalls ; ist ein geachteter Kaufherr . Die Frau ... darüber sind die Meinungen geteilt . Sie gibt viel auf Putz und dergleichen , verschwendet viel Geld . Böses kann man ihr nicht nachsagen . Da es für Caspar , wie wir ja verabredet , von Vorteil ist , wenn er jetzt die öffentliche Schule besucht , genügt schließlich die bloße Beaufsichtigung in einem Kreis anständiger Menschen . « » Haben die Leute Kinder ? « » Ein dreizehnjähriges Mädchen . « Der Bürgermeister , dem es wie aller Welt wohlbekannt war , daß Frau Behold diese Tochter schlecht behandelte , wollte noch etwas hinzufügen , um sein Gewissen zu beruhigen , doch da wurden Daumer und der Magistratsrat Behold gemeldet . Der Präsident ließ bitten . Alsbald zeigte sich das freundlich grinsende Gesicht des Rats ; der feierliche schwarze Kinnbart stand in einem komischen Gegensatz zu dem schon ergrauten Kopfhaar , das in feuchten Strähnen pomadeduftend über die Stirn hing . Unter beständigen Verbeugungen trat er auf Feuerbach zu , der ihn nur eines flüchtigen Grußes würdigte und sich sogleich an Daumer wandte . Dieser wagte kaum dem forschenden Auge des Präsidenten zu begegnen , und die Frage , ob man Caspar die innere und äußere Anstrengung eines so durchgreifenden Wechsels schon zumuten dürfe , beantwortete er durch verlegenes Schweigen . Als sich Herr Behold ins Gespräch mischte und versicherte , Caspar solle in seinem Haus wie ein leiblicher Sohn betrachtet werden , unterbrach ihn der Bürgermeister mit den fast widerwillig hervorgepreßten Worten , darauf halte er nichts ; wie man an Caspar selbst sehe , gebe es ja Eltern , die ihre leiblichen Kinder verkümmern ließen . Der Rat machte ein verlegenes Gesicht , rieb seine ausgemergelten Finger an der Stuhlkante und stotterte , er könne nichts weiter sagen ; was an ihm läge , wolle er tun . Der Präsident , stutzig geworden durch die beziehungsvollen Reden , sah die beiden Männer abwechselnd an . Darauf trat er dicht vor Daumer hin , legte die Hand auf dessen Schulter und fragte ernst : » Muß es denn sein ? « Daumer seufzte und entgegnete bewegt : » Exzellenz , wie hart mein Entschluß mich ankommt , das weiß nur Gott . « » Gott mag es wissen « , versetzte der Präsident grollend , und seine untersetzte feiste Gestalt schien plötzlich drohend zu wachsen , » aber wird er es darum schon billigen ? Wenn man Stein und Stahl zusammenschlägt , gibt es Funken ; wehe aber , wenn bloß Schmutz und Krümel vom Stein fliegen . Da ist keine Dauer und keine Tüchtigkeit der Natur . « Er kanzelt mich schon wieder ab , dachte Daumer , und die Röte des Unwillens stieg ihm ins Gesicht . » Ich habe getan , was in meinen Kräften stand « , sagte er hastig und mit Trotz . » Ich verschließe Caspar nicht mein Haus . Und mein Herz schon ganz und gar nicht . Aber erstens kann ich keine Gewähr für seine Sicherheit mehr leisten , und ich glaube , niemand kann es . Wie ist es möglich , Säemann zu sein auf einem Acker , unter dem ein verderbliches Feuer gloset und jeden Samen verbrennt ? Und dann , was mehr ist , ich bin enttäuscht , ich gestehe es , ich bin enttäuscht . Nie will ich vergessen , was mir Caspar gewesen ist , wer könnte ihn auch vergessen ! Aber das Wunder ist vorüber , die Zeit hat es aufgefressen . « » Vorüber , ja vorüber , « murmelte Feuerbach düster , » das Wort mußte fallen . Die Augen werden stumpf vom Schauen ins Licht . Die Söhne werden verstoßen , wenn sie unsrer Liebe ein Übermaß abnötigen . Aber der Bettler kriegt seine Bettelsuppe . Meine geschätzten Herren , « fuhr er laut und förmlich fort , » tun Sie , wie Ihnen beliebt ; in jedem Fall , dessen seien Sie eingedenk , bleiben Sie mir für das Wohl Caspars verantwortlich . « Als Daumer auf der Straße war , ärgerte er sich noch immer über den Ton und die Worte des Präsidenten . Doch zugleich konnte er sich seine Selbstunzufriedenheit nicht verhehlen . In einer der verödeten Straßen nahe der Burg begegnete er dem Rittmeister Wessenig . Daumer war froh , eine Ansprache zu haben , und begleitete den Mann bis zur Reiterkaserne . Von Anfang an lenkte der Rittmeister die Unterhaltung auf Caspar , und Daumer bemerkte nicht oder wollte nicht bemerken , daß die Gesprächigkeit des Rittmeisters einen hohnvollen Beigeschmack hatte . » Eine geheimnisvolle Sache , das mit dem Vermummten « , meinte Herr von Wessenig , plötzlich deutlicher werdend . » Sollte es Leute geben , die daran ernstlich glauben ? Am hellichten Tag dringt ein Kerl , ein Kerl mit Handschuhen , bitte , dringt in ein bewohntes Haus , hängt sich einen Schleier übers Gesicht und zieht ein Beil aus der Tasche ? Oder sollte er das Beil vorher offen über die Straße getragen haben ? Mit Handschuhen , wie ? Beim heiligen Tommasius , das ist eine gewaltige Räuberhistorie ! « Da Daumer nichts antwortete , fuhr der Rittmeister eifrig fort : » Nehmen wir einmal an , der famose Vermummte hat die Absicht gehabt , den Burschen zu töten . Warum dann die unbedeutende Wunde ? Er brauchte ja nur ein bißchen kräftiger zuzuschlagen , und alles war aus , der Mund , der ihn verraten mußte ,