Nachtquartier anbot in seinem Atelier und ihm überhaupt für das erste in allem wollte behilflich sein . So ging der Abend hin , in einer gewissen Neugier heimlich in Einhart , und offen in einer recht freien Hingabe vonseiten Grottfußes , der immer nur wieder auf das Glück zurücklenkte , das er in der Liebe gefunden . Bis sie betrunken heimschwankten in Halbgedanken und lustigen Bildern . Einhart hatte sich völlig übernommen . Er hatte ewig sein Glas Sekt erhoben , auf die blonde Braut zu trinken . Er hatte den allertollsten Philosophien Ausdruck gegeben , mit seinen spitzen Augen blitzend , wo der Mund schon kaum reden konnte , und mit Weisetun und Einfältigaussehen . Arm in Arm mit Grottfuß ging Einhart durch die Straßen und stieß seine Worte heraus . » Nämlich die Kunst - - nämlich die Kunst - - Grottfuß ! komm einmal her ! bleib einmal stille stehn im Lichte dieser Laterne ! « sagte er , sich gewichtig zusammenraffend , » ich werde jetzt eine tiefe Weisheit reden : nämlich die Kunst , « sagte Einhart , » ist nichts , als die Liebe des Menschen . Und du hast sie gefunden . Aber ich hab sie auch gefunden . Wir beide haben das Kleinod gefunden , Grottfuß ! Aber du wirst zeitig genug damit fertig werden . Und ich werde euch allen erst zeigen , wie und was Kunst ist ! - Grottfuß ! « - - » Grottfuß ! « rief er immer von neuem : » Ich werde deine Braut als Sünderin malen vor Christus ! « Einhart lag in Grottfuß ' Atelier einsam im Dunkel halbentkleidet auf einem Liegesofa und murrte es immer noch vor sich hin . Grottfuß war längst heimgeschwankt in die Wohnung der Mutter , wo er jetzt noch wohnte . 5 Das Leben in der Stadt begann wieder , aber doch mit ganz anderer Art und Aussicht , als es früher gewesen . Schon weil Einhart jetzt die Akademiekneipe fast ganz mied . Es war ihm einfach zuwider , sich leeres Geschwätz anzuhören , jenen verdünnten Widerhall der weisen Akademielehren , die ihm noch dazu in der Erinnerung mit dem faden Geruch alter Süßigkeiten gemischt erschienen . Einhart dachte auch gar nicht daran einen seiner alten Lehrer zu besuchen . Auch Professor Soukoup nicht . Gelehrtes , nur mit Worten ergreifendes Wissen und Wesen der Kunst lag ganz hinter ihm . Er war darüber klar geworden , daß die Hochmomente des wirklichen Erlebens sich anfangs wie kleine , feine Sterne vor die Schau und Sinne stellen , genau und genauer besehen Keime Licht , die zu einigen Bildern und vollen Gleichnissen des eigenen Ganges und Schicksals aufwachsen . Daß es schließlich in Klängen oder Farben oder Ideen dann und wann etwas gibt , was wie ein Glück , wie ein Geschenk aus der Seele springt , geeint wie ein geschliffener Stein , unmittelbar und klar dem schauenden Wesen , ein Unvergeßliches an Gestalt und Gehalt . Wer könnte es greifen , als der Träumer , der ganz dem Wachstum jener heimlichen Funken ergeben hin starrt und hinstaunt ? und wer könnte es weiter geben , als nur der in Klang oder Farbe die Weise findet , die dann draußen klingt , was innen und ungeboren und verhüllt war . Einhart war den Jahren nach jetzt ein junger Mann . Er war gegen vierundzwanzig Jahr und machte sich jetzt ziemlich bestimmte Verheißung dessen , was er aus seiner Seele als der einzigen Lebensquelle schöpfen wollte . Am ersten Morgen , als Einhart in Grottfuß ' Atelier aufgewacht war , hatte er sich nicht lange umgeblickt . Er hätte am liebsten gleich das Tintenfaß vom Tische genommen , um es nach diesem ganzen Unvermögen auszuspritzen . Grottfuß war offenbar völlig bergab gegangen . Er hatte allerlei kopiert . Aber wo er versuchte , einen eigenen Fischzug aus dem Meere des noch Ungedeuteten selber zu tun , geriet es ins Meister Teodorische , wurden es blöde Zusammenstellungen von sehr bekannten Dingen in sehr bekanntem Singen . Einhart war gleich an dem Tage neben Grottfuß hergegangen wie ein heimlich Anfragender . Einen Witz hatte Einhart gemacht , wie Grottfuß eintrat , aber ins Ungewisse nur . Er hatte sonst nichts geredet weiter . Er glaubte im Punkte der ersehnten Lebensverkündigung aus Grottfuß etwas wie einen spöttischen Wehmutston von Verzicht gleich heraus zu hören . » Nun bin ich nur begierig , « hatte Grottfuß gesagt , » wohin du geraten bist ? ob du zum blühen bringst , was du uns immer verheißen ? « lachte er ein wenig sonderlich . » Was ? « fragte Einhart . » Ja , mein lieber Freund Selle , in den Jahren damals machten wir alle große Worte . Du suchtest immer nach der Wunderblume . « » Ja , du ! Ich habe seit lange mit niemand groß davon reden können und hab also keinen Namen für die Sache mehr gebraucht . Aber den Drang , den kenne ich noch besser , wie damals . Mir ist überhaupt ganz klar geworden , worauf es ankommt . Daß es nur darauf ankommt , etwas zu malen , was nur ich malen kann , was meine eigenen , persönlichsten Sehnsuchten stillt . Freilich muß man eigene , höchst eigene Sehnsuchten wirklich haben . Ich habe sie . Ich bin jetzt dahinter gekommen , « sagte Einhart mit aller Strenge . Einhart war dahinter . Das sah Grottfuß bald , als er Einhart vor seinen Leinwanden sah . Die Malweisen allein regten Grottfuß auf . Die ganze Zeit , die er bei Einhart stand , grübelte er . Was hatte Einhart nicht alles entworfen gleich in den ersten Tagen : Tänzerinnen , eine Hochzeit zu Kana , Jesus im Tempel , die Ehebrecherin . Und alles sonderlich . Einstweilen nur gezeichnet , aber streng auf Wesen und Ereignis drängend . Wenn auch Einhart dann mit der Farbe und seinem Experimentieren in Leim und allerhand manchmal