ich stolz bin . « » Der gute Beppo ! « sagte Rosa ; » ja , es war schön von ihm , daß er seine Liebe zur Marietta bezwang , als er hörte , daß sie ihre Herrin verraten hatte , um den doppelten Gewinn zu haben . Und - hätte sie es nicht getan , wie anders wäre wohl alles gekommen ! Was die Herzogin gewollt hatte , wäre gelungen , und welche Folgen ... « » Ach , denken wir der Vergangenheit nicht mehr , « unterbrach sie Vittoria , die die Wirkung der Erinnerungen auf Rosa fürchtete und stets , wenn sie das Gespräch dahin wendete , etwas zu erfinden wußte , was schnell davon ablenkte , denn sie wußte es nur zu wohl , daß sich bei Rosa infolge der Gemütsbewegungen und der langen heftigen Krankheit ein Herzleiden entwickelt hatte , das keine Heilung zuließ , besonders auch weil die Mittel nicht hinreichten , alles das zur Genesung zu tun , was sie vielleicht hätte herbeiführen können . Aber selbst wäre dies möglich gewesen , so hätten doch die Folgen des Schlages , der so früh die Blüten ihres jungen Herzenslebens geknickt hatte , langsam zehrend ihr Dasein vernichtet . Was vorzüglich in der Tiefe ihrer Seele dem Schmerz um das Verlorene immer neue Nahrung gab , obgleich sie sich darüber nie aussprach , war der Gedanke , daß Waldemar nicht geschrieben , nicht Erkundigungen nach ihr eingezogen hatte . Aber sie wußte nicht , wie eifrig das in der ersten Zeit geschehen war . Da man indes im Hause , wo Rosa gewohnt hatte , nur antwortete : die Damen seien fort und man wisse nicht , wohin sie sich gewendet , da auch der Kardinal , an den der Prinz selbst schrieb , berichtete , man wisse nicht , was aus der Improvisatrice geworden , und mit feiner Ironie andeutete , man glaube allgemein , sie sei einem Stern , den sie im Norden erblickt habe , nachgezogen , nachdem endlich auf die Anfrage nach einer berühmten Improvisatrice in verschiedenen Städten Italiens keine Auskunft gekommen war , - hatten die Nachforschungen allmählich aufgehört . Daß es so war und daß auch sie nichts mehr wußte von dem , dessen Bild noch immer wie eine fern leuchtende Sonne in ihrer Seele stand , war ein heimlich nagendes Weh , das auch ihre größten Anstrengungen nicht zu überwinden vermochten . Doch kam , wie gesagt , nie ein Wort über ihre Lippen . Sie hatte es selbst gewünscht , in der Welt für tot zu gelten , denn nicht nur , daß ihr körperliches Leiden ihr jede Anstrengung und Aufregung unmöglich und schädlich machte , es war auch seit der schweren Krankheit die Gabe des Improvisierens absolut verschwunden . Vittoria hatte oft den Versuch gemacht , um sie zu zerstreuen und der Schwermut zu entreißen , die sich ihrer zuweilen bemächtigte , ihr ein Thema vorzuschlagen , wobei sie scherzend sich und den Bruder als genießendes Publikum nannte , aber Rosa schüttelte nur immer leise und wehmutsvoll den Kopf , denn die Quelle war versiegt und keine Anstrengung vermochte sie wieder zu öffnen . Sie hatte Vittorias liebevolles Anerbieten , bei ihr zu bleiben , angenommen , da sie keine andere Zuflucht in der Welt besaß , und der Einblick , den sie während ihrer kurzen Laufbahn in der Gesellschaft in diese getan hatte , ließ sie die hingebende Liebe und Aufopferung dieser einfachen , reinen , redlichen Natur doppelt hochschätzen . Was sie tun konnte bei ihrer körperlichen Schwäche , um Vittoria zu vergelten , tat sie , indem sie sich der Pflege des kleinen Hauswesens annahm und in den Stunden des Zusammenseins den beiden Geschwistern aus dem Schatze ihres Wissens und ihres fortwährenden Studiums mitteilte , was deren Sinn und Verständnis zugänglich war und die angeborenen edlen Gefühle der rechtschaffenen Menschen noch verstärkte und verfeinerte . Denn nicht minder als Vittoria verehrte Beppo die Signorina . Von dem Augenblick an , als er sie in seinen Armen wie eine Leblose zur Schwester trug , hatte er ihr einen ehrfurchtsvollen Kultus in seinem Herzen geweiht , der , seit sie mit ihm unter einem Dache lebte und er sie täglich sah und sprach , zu einer stillen , anbetenden Liebe geworden war , vor der das Bild der leichtsinnigen , unedlen Marietta bis auf den Grund erlosch . Aber diese Liebe in des ehrlichen Burschen Herz war die Liebe zu einer Heiligen , der man in Demut und Hingebung naht und die nur der Gedanke im Gebet in den Himmelshöhen erreichen kann , denen sie zuschwebt . Immer zu ihrem Dienste bereit , vergaß er sogar oft die Arbeitszeit bei seinem Meister , wenn sie gerade irgendeinen Wunsch hatte , den zu erfüllen sein höchstes Glück war . Als dann der Meister unzufrieden wurde über die häufige Versäumnis , sagte er sich von diesem los , richtete sich eine eigene kleine Schreinerwerkstatt in dem Hause , in dem sie wohnten , ein , wo er zugleich immer wachsam sein konnte , daß es Rosa an nichts fehle , und außer den Arbeiten , die zum Verdienst und Beitrag zum Haushalt nötig waren , fand er noch Zeit , manches , was zu Rosas Bequemlichkeit dienen oder ihr kleines Zimmer wohnlicher machen konnte , anzufertigen . So lebten die zwei Geschwister in unbegrenzter Hingebung für ihren holden Gast und hielten sich überreich belohnt für ihre Treue , wenn ein stilles Lächeln Rosas Antlitz erheiterte und ein flüchtiges Rot auf den bleichen Wangen erschien . Und Rosas engelhaftes Gemüt ließ sie mit zarter Sorgfalt vermeiden , was den Geschwistern Kummer machen konnte . Sie schien ganz glücklich und heiter in dem stillen , anspruchslosen Leben , und nie erfuhren es Bruder und Schwester , wie manche stille Träne ungesehen floß und wie tief oft die Sehnsucht nach einer , ach zu kurz gekannten Seligkeit ihr krankes Herz füllte . So verging die Zeit ; da kam