erste Mal , daß Hans das Gefühl der Freundschaft empfand , welches der Liebe verschwistert ist , und so folgte er mit Bewunderung , Glauben und Zuversicht allem , was ihm Heller sagte ; der aber stand völlig , wie er sich ausdrückte , auf dem modernen Standpunkt und hatte auch einen Kreis von gleichgesinnten Freunden , die zu bestimmten Zeiten zusammenkamen , das waren Studenten , junge Kaufleute , junge Schriftsteller , Maler , Musiker und ähnliche . Bei diesen führte er Hansen ein , wiewohl der eine große Besorgnis hatte , daß er werde vor solchen Leute nicht bestehen können mit seinem kleinen Wissen und Vermögen , und saßen sie in einem engen Hinterzimmer einer geringen Wirtschaft , das an den übrigen Tagen von Gesellschaften und Vereinen kleiner Bürger eingenommen war , die sich in sonntäglicher Gewandung und mit Bierfässern hatten photographieren lassen , um die Wände des Zimmers zu schmücken . Hans fand seinen Platz zwischen zwei jungen Mädchen , die sich mit großem Eifer an den Reden beteiligten . Die eine war eine Russin und hatte einen russischen Studenten als Begleiter , mit dem sie in freier Liebe lebte ; das war ein schweigsamer Mensch , von einer leuchtenden Blässe des Gesichtes , mit hoher Stirn und ganz dunklem Haar und langem schwarzen Bart , den er unablässig strich . Der lange Bart , den bei uns einer als Vierzigjähriger haben würde , sah sehr merkwürdig aus in dem ganz jugendlichen Gesicht . Eine Zeitungsnotiz wurde in der Ecke gelesen und besprochen , die mitteilte , daß des Russen Bruder , der als ein hervorragender Revolutionär galt , in Petersburg gefangen genommen war und in Schlüsselburg untergebracht ; und wie über den Tisch herüber der Russe nach der Art des Gefängnisses gefragt wurde , machte er mit unverändertem Gesicht eine Handbewegung , die bedeutete , daß sein Bruder dort sterben werde , dann bat er mit fremdartiger Aussprache seinen Nachbarn um eine Zigarette . Er war ärmlich gekleidet , und es wurde erzählt , er sei sehr wohlhabend und gebe fast alles für die Unterstützung der Arbeiterbewegung aus ; auch die Frau trug sich sehr einfach und schien dazu unordentlich und sollte von sehr vornehmer Abkunft sein und aus Überzeugung ihre Familie verlassen haben . Hans kam in eine weihevolle Stimmung , und ihm war , als sitze er neben Aposteln ; denn diesen Leuten erschien ihre Pflicht einfach , und sie taten sie ohne Ruhmredigkeit . So erzählte der Russe , er wolle mit seiner Frau bald in sein Vaterland zurückkehren und hoffe , daß er etwa ein Jahr lang wirken könne , bis man ihn nach Sibirien schicke . Am allgemeinen Gespräch beteiligte er sich sehr wenig und hatte eine sonderbare Art , verächtlich über Menschen und Gedanken zu reden . Die andere Dame , welche Helene genannt wurde , hatte die Begleitung ihres Bruders , und waren die beiden das erstemal in der Gesellschaft und wurde von ihnen erzählt , daß sie soeben sich von ihren Eltern getrennt hätten und allein lebten ; der Vater der beiden war ein kleiner Kaufmann , dessen älterer Sohn war befreundet mit einem Mitglied des Kreises , der offiziell zur sozialdemokratischen Partei gehörte ; der hatte ein Paket verbotener Schriften bei seinem Freunde hinterlegt , weil bei dem niemand einen Verdacht haben werde ; der Vater aber hatte die Schriften gefunden , wie er in argwöhnischer Besorgnis seines Sohnes Sachen durchsuchte , und war mit ihnen gleich auf die Polizei gegangen aus Angst und aus unbedachtem Ärger über seines Sohnes Verkehr . Weil nun einige Schriften in mehreren Stücken vorhanden waren , so nahm die Polizei an , das Paket sei zur Verbreitung bestimmt , und verhaftete den Sohn des Angebers zu dessen großer Bestürzung , und weil sich bei weiterem Nachsuchen der eigentliche Besitzer leicht ermitteln ließ , nachher auch den sozialdemokratischen Freund . Der andre Sohn und die Tochter waren über die Handlung ihres Vaters so entrüstet , daß sie erklärten , sie wollten nunmehr nicht mehr in ihrer Familie bleiben , gingen von Hause fort und mieteten sich zwei Zimmer , um für sich zu leben , was ihnen dadurch möglich war , daß sie beide Geld verdienten , nämlich der junge Mann als Reisender und das Mädchen als Buchhalterin in einem Geschäft . Der junge Mann , der sich in der fremden Gesellschaft einsam fühlte , begann ein Gespräch mit Hans , weil der gleichfalls hier unbekannt war , und als ein redegewohnter Herr fing er bald an zu erzählen , und Hans hörte zu . Er erzählte aber mit Stolz , welche Kunstgriffe er auf seinen Geschäftsreisen anwende , um den Bürstenbindern , denn sein Artikel war Schweineborsten , Ware zu verkaufen ; so habe er auf einer Tour dem jungen Mann eines Konkurrenten alle Aufträge vorweggenommen , indem er sich mit ihm angefreundet habe und ihn abends eingeladen und so betrunken gemacht , daß er sein Notizbuch durchsehen konnte . Über diese Erzählung erstaunte Hans sehr und sagte , eine solche Handlungsweise sei doch nicht redlich , der andre aber erwiderte , im Geschäft sei das nun einmal nicht anders , und wer ein guter Geschäftsmann sein wolle , der er selbst auch wirklich sei , der müsse so handeln . Die Schwester aber nickte Hansen zu und gab ihm recht ; und indem sie sagte , daß sie zu ihrem Bruder schon immer ähnlich gesprochen habe wie er , setzte sie ihre Worte so , daß gleich eine freundliche und vertrauliche Beziehung zwischen ihr und Hansen entstand . Dann sagte sie zu ihm , er dürfe es nicht unpassend finden , daß sie zwischen so vielen jungen Herren sei , denn die seien doch alle Männer , die das Höchste wollten , und zudem werde sie ja auch von ihrem Bruder beschützt . Inzwischen hielt jemand einen Vortrag darüber , ob man wohl auf der Bühne das wirkliche Leben ganz genau darstellen könne , und kam zu dem Ende ,