französisch sprach , mit zwei Töchtern , eine stellenlose Gesellschafterin und ein paar junge Leute , die nicht weiter in Betracht kamen . Im ganzen wußte man nicht viel voneinander , man vergnügte sich nur zusammen und - damit schloß er seinen Vortrag - Ellen sollte von nun an mittun , da sie jetzt glücklich eingefangen war . Und das tat sie denn auch . Das Gelage wurde immer lauter und fröhlicher , je weiter sie auf die See hinauskamen , und anfangs achtete niemand darauf , daß der Himmel sich bezog und leise Donner in der Ferne rollten . Allmählich ballten die Wolken sich immer dunkler zusammen - die Damen wurden ängstlich und ließen den Schiffer umwenden . Aber der Wind ließ nach und es ging sehr langsam . » Wenn Sie jetzt in Ihrem kleinen Ruderboot allein hier draußen wären « , sagte Ellens Nachbar . » O , ich käme rascher damit vorwärts wie so . « » Aber so weit hinaus können Sie mit dem Dings doch nicht rudern . « Das stachelte ihren Ehrgeiz . » Wollen wir wetten , daß ich eher daheim bin wie Sie ? « Und ehe er sie zurückhalten konnte , war sie schon beim Steuer und kletterte in ihr Boot hinab . Wieder gab es Tumult . » Sie ist des Teufels - halt sie , Leon - fang sie ! « Aber Leon kam zu spät . Das Gewitter zog rasch herauf und einzelne heftige Windstöße fuhren in die Segel . Ellen blieb eine Zeitlang neben der Barke , die dann plötzlich rasch vorwärtstrieb . Man winkte und rief , aber sie konnte nichts mehr verstehen , denn das Unwetter brach jetzt los . Schwere Donnerschläge rollten über den Himmel und schienen unten im Wasser zu widerhallen . Dann folgten sie sich immer schneller , und sie konnte kaum mehr sehen , so blendeten die Blitze , es kam ihr vor , als ob sie rechts und links neben ihr in die Wellen hineinzuckten und wieder aufsprühten . Dann klatschte der Regen nieder in langen hellen Streifen , in einem betäubenden Gewirr von Ringen und Tropfen . Das Boot schaukelte vorwärts , rückwärts , legte sich auf die Seite und tanzte wie unter einer Peitsche . Ellen verlor ein Ruder , fing es glücklich wieder auf , dabei flog der eine Ruderpflock heraus , und nun rutschte es bei jedem Schlag hin und her . Endlich war sie bei den Büschen angekommen , die am Ausgang des Hafens das Fahrwasser markierten . Das war eine Strecke , die sie sonst in fünf Minuten zurücklegte , aber jetzt brauchte es fast eine halbe Stunde , bis sie endlich triefend im Hafen ankam - das Boot war halb voll Wasser - die ganze Segelgesellschaft stand unter ihren Schirmen am Ufer und daneben der Fischer , dem das Boot gehörte . Sie empfingen Ellen mit großem Lärm und zogen sie mit in die Strandhalle , um einen Grog zu trinken . Leonhard rückte ganz nah an sie heran und schüttelte den Kopf : » Furchtbar toll - Sie sind furchtbar toll . - Sagen Sie mal , was fällt Ihnen eigentlich ein ? « Sie war noch ganz berauscht von der wilden Fahrt und von der Gefahr , ihre Augen leuchteten : » Aber schön war es doch ! Am liebsten möchte ich gleich noch einmal hinaus . « » Kind , Kind « , sagte er , » spielen Sie nicht so mit Ihrem Leben . Wir haben Sie schon oft gesehen , wenn Sie sich auf dem Wasser herumtrieben und die Meergreise von Ihrem Mittagstisch am Ufer die Hände rangen . - Wer sind Sie denn eigentlich ? « Da legte plötzlich jemand die Hand auf ihre Schulter und Markus stand hinter ihr , schweigend stellte er ein Glas Kognak vor sie hin und sah zu , wie sie es austrank . » O unglückselige Ellen « , sagte er dann mit seiner schneidenden Stimme . » Sehen Sie , junger Mann - die Schwindsucht hat sie schon im Leibe und dabei säuft sie wie ein alter Seemann . Nein , nein , ich würde Sie doch nicht heiraten , obgleich Sie mich kompromittiert haben . « » Wie schade « , sagte Ellen , » ich gleich . « Und nun legte er feierlich die eine Hand aufs Herz und reichte ihr die andre : » Heirate mich und sei mein Weib , - damit wie du ich froh und glücklich sei . « Ellen schlug ein , der lärmende Chor rief Bravo und wollte Markus mit an den Tisch ziehen , aber er schlug seinen Mantel um sich und wandelte stumm hinaus . » Also Ellen « , sagte Leon wie in tiefem Nachdenken . » Ellen - die furchtbar tolle Ellen . « Von nun an war Ellen tagtäglich mit ihren neuen Bekannten zusammen . Kam sie morgens an den Strand hinunter , so sah sie schon von ferne Leon mit beiden Armen winken und hörte seine jubelnde Stimme : » Da kommt sie , da kommt meine tolle Ellen « , und dann schwenkte er sie im Kreise rundum , bis sie um Gnade bat und beide sich außer Atem ins Gras warfen . Für jeden Tag wußte er neue Unternehmungen , sie ruderten und segelten , wanderten zur Ebbezeit weit auf den festen , grauen Schlamm hinaus , spannten des Strandwirts Ackergäule vor einen klappernden alten Leiterwagen , fuhren von Dorf zu Dorf und durchschwärmten nach der Rückkehr die halben Nächte im Freien vor den Gasthäusern . Es war ein ununterbrochenes Fest ; wo sie hinkamen , gab es Leben und übermütige Lust . Ellen gab sich diesem stürmichen Sommerleben in gedankenloser Freude hin . Bald war ja ihre Zeit sowieso abgelaufen - Reinhard war zu seinen Eltern gereist , und wenn er zurückkam , wollten sie noch ein paar Tage zusammensein , dann kam München . Es lag alles so klar und froh