gebieten , nicht nur daß ich jetzt abreise , sondern daß ich überhaupt nie wieder komme . Sie durchblicken , was ich sagen will ... ich sage es aber nicht , weil das eine Vermessenheit wäre , zu der ich nicht berechtigt bin ... « Sylvia schüttelte unwillig den Kopf . » Sie haben es doch gesagt ... Reden wir vernünftig , Herr Bresser . Daß Sie einmal in mich verbrannt gewesen , das weiß ich ja aus einem närrischen Brief , den ich an meinem Hochzeitsmorgen erhielt . Darüber sind nun bald drei Jahre vergangen ... Sie sind in ein ganz neues Leben getreten , haben die alte Schwärmerei , wenn nicht vergessen , so verwunden - das Kopfschütteln gilt nicht . Ihre Arbeit und - was weiß ich , ich frage nicht darnach - vielleicht auch neue Herzensbande füllen Ihre jetzige Existenz aus , also tun wir , ich bitte , als wäre niemals jener Brief geschrieben , niemals Ihre Andeutung von vorhin gemacht worden ... ausgelöscht , das Ganze ausgelöscht ... und um mit dem Thema ein- für allemal fertig zu werden , erkläre ich nun mit aller Entschiedenheit , daß Sie nichts , nichts , nichts von mir zu hoffen haben - außer den freundschaftlichen Verkehr einstiger Jugendgenossenschaft , den in alter Herzlichkeit . Also reisen Sie nach Berlin , wenn Ihre Geschäfte oder Ihre Neigung Sie dahin rufen ... aber nur keine Flucht , ich bitte ... das würde mich beleidigen . So , das war das letzte Wort über diesen Zwischenfall - ich werde ihn nie wieder erwähnen - auch Ihnen verbiete ich , jemals darauf zurückzukommen . Und jetzt erzählen Sie mir von Ihrer neuesten Arbeit . « Sie hatte sehr schnell gesprochen , über und über rot dabei . Hugo hatte nicht versucht , sie zu unterbrechen . Ihre Worte - sie sprach ja von seiner Liebe - bewegten ihn wonnig , betäubten ihn - fast wie eine Liebkosung . Die Dämmerung war hereingebrochen . Ein Diener brachte die Lampen und schürte das Kaminfeuer . Dann entfernte er sich wieder . Das Lampenlicht war von großen , roten Schirmen gedämpft und auch aus dem Kamin flackerte roter Schein über den Teppich ; - eine unsäglich trauliche Stimmung war in dem prunkvollen , kleinen Gemach verbreitet . Bresser stand auf und lehnte sich an den Kaminsims ; dadurch war er der jungen Frau etwas näher gekommen . » Ich werde Ihnen gehorchen , Gräfin Sylvia , in allen Stücken , « sagte er in sanftem , zärtlichem Ton . » Das ist recht . « » Einstweilen bleibe ich noch in Wien . Ich kann hier die Arbeit , die ich begonnen habe und um die Sie mich fragen , mit mehr Muße vollenden als in Berlin , wo meine vielen Kollegen mir keine Ruhe lassen . « » Was ist diese Arbeit ? « » Ein Märchendrama in Versen . Der erste Akt ist fertig - ich werde Ihnen ihn vorlesen - und Sie sagen mir , ob ich den richtigen Ton getroffen . « » Haben Sie das Manuskript bei sich ? « » Nein , ich bringe es das nächste Mal , wenn Sie erlauben . « » Gut - morgen . « » Gut , morgen : wie mir das freundlich klingt - nachdem ich mich schon dazu verurteilt hatte , morgen über alle Berge zu sein . Als ein Begnadigter fühle ich mich . « Und am folgenden Tage kam er . Um dieselbe Dämmerstunde wie gestern . Doch diesmal waren die Lampen schon angezündet und Sylvia war nicht allein . Baronin Tilling saß bei ihr . Als Sylvia den jungen Mann eintreten sah , stockte ihr der Atem und sie fühlte , wie ihr das Blut in die Wangen schoß . Sie war froh , nicht allein zu sein ; nur war ihr der forschende Blick etwas peinlich , den ihre Mutter , welche das plötzliche Farbenwechseln vielleicht bemerkt hatte , nun auf sie heftete . » Guten Abend , Herr Bresser , « sagte sie , etwas unsicher . » Haben Sie Ihr Manuskript mitgebracht ? « Sie deutete auf eine Rolle , die er in der Hand hielt . » Ja , das ist es . « Er legte die Rolle auf einen Tisch . » Ich lasse es hier - zur gelegentlichen Durchsicht . « Dann näherte er sich der Baronin Tilling und küßte ihr ehrerbietig die Hand . » Ihr neuestes Werk ? « fragte diese . Sylvia aber nahm das Manuskript und wollte es ihm zurückgeben . » So haben wir nicht gewettet . Sie versprachen mir vorzulesen . « » Ich weiß nicht , ob die Baronin ... « » O , ich würde unendlich gern etwas von Ihnen hören - wenn Sie meiner Tochter versprochen haben , eine Ihrer Dichtungen vorzulesen , dann lassen Sie mich an dem Genusse teilnehmen - « So aber hatte er nicht gewettet . Allein mit der angebeteten Frau , ihr mit seinen Versen seine Seele ausschütten ... : das hatte er von der verheißenen Stunde erhofft . » Two is company , three is none « - die Richtigkeit dieses englischen Sprichworts schien ihm wieder einmal bewährt . Sich jetzt hinsetzen und den beiden Damen seinen neuesten dramatischen Versuch vortragen , wie um die eigene Eitelkeit zu befriedigen , oder als ob er sich Kritik und Rat holen wollte : - nein , das verhielte sich zu der geträumten innigen Geisteskommunion wie ein Drehorgelstück zu Sphärenmusik - - » Ich bin ein schlechter Vorleser , « sagte er . » Die Gräfin wird , wenn sie einmal Zeit hat , in dem Fragment blättern . « » Nur ein Fragment ? « fragte Martha . » Ja , der erste Akt eines Dramas . Mehr habe ich nicht fertig . « » Aber doch den Plan der nächsten Akte ? « » Der ist noch schwankend . « Sylvia nahm die Papierrolle : »