antwortete , hatte das einen ganz andern Grund . « » Welchen ? « » Ich fragte mich , ob es uns wohl erlaubt sei , euch in der Weise zu belästigen , wie es geschehen wird , wenn wir darauf eingehen , für längere Zeit als nur heute eure Gäste zu sein . « » Belästigen ? « wiederholte er mein Wort . » Ja . « » Ich weiß , daß du ein Christ bist . Wahrscheinlich kennst du die Forderungen unseres Kuran nicht ? « » Ich kenne nicht nur ihn , sondern auch alle seine Auslegungen . « » So mußt du auch wissen , daß ein Gast niemals belästigen kann ! Allah zu gehorchen , ist das oberste der himmlischen Gesetze und den Gast zu ehren , die oberste der irdischen Vorschriften . Wir gehorchen Allah , und wir ehren unsere Gäste . Hoffentlich genügt es dir , daß ich dir dies versichere ! « Ich muß gestehen : Es lag in dem Wesen , in der Ausdrucksweise und in dem ganzen Verhalten dieses Mannes etwas , wodurch meine erst für ihn gehegte Sympathie verringert worden war . Ich konnte dieses Etwas zwar nicht definieren , aber es war vorhanden und übte eine mich zur Zurückhaltung mahnende Wirkung auf mich aus . Aber die Umstände verboten mir , dies in Worten auszudrücken . Darum antwortete ich : » Es bedarf dieser Versicherung gar nicht . Aber als Gäste geehrt sein zu wollen und dazu auch noch ganz besondere Opfer beanspruchen zu wollen , das schien mir denn doch zu viel von euch verlangt . « » Für einen Gast etwas zu thun , kann nie ein Opfer sein . Welche Belästigungen sind es , die du meinst ? « » Schau hin zu meinem Hadschi Halef , dem Scheik der Haddedihn ! Ich vermute , daß eine Krankheit sich ihm naht , welche im stande ist , euch ungewöhnliche Sorge und Arbeit zu bereiten . Meine Gewissenhaftigkeit gebietet mir die Frage , ob es uns gestattet ist , diese Last auf euch zu legen . « » Es ist für uns keine Last ; wir werden ihn wie einen Bruder pflegen . Und wenn die Krankheit , von welcher du sprichst , wirklich käme , so bist ja du gesund und - - und - « Er zögerte , weiter zu sprechen . Wahrscheinlich hatte er einen Gedanken , den ich nicht erraten sollte , wenigstens jetzt noch nicht . Ich vermutete , daß der Satz , wenn er ausgesprochen worden wäre , wahrscheinlich folgendermaßen gelautet hätte : » Wir haben zwar auf eure beiderseitige Hilfe gerechnet , aber falls Halef krank wird , bist ja du noch da , und auf dich rechnen wir dann ganz bestimmt ! « Ich fand nicht Zeit , hierüber weiter nachzudenken oder den Scheik zu veranlassen , sich vollständiger und deutlicher auszudrücken , denn kaum hatte er diese Pause eintreten lassen , so begann der bisher bewegungslos daliegende Hadschi plötzlich sich zu regen , und zwar in höchst energischer Weise . Er wickelte sich aus seiner Decke heraus , sprang auf , stellte sich vor mich hin und fragte in einem Tone , der auf nichts weniger als auf Kranksein schließen ließ : » Was hast du da gesagt , Sihdi ? Ich habe alles gehört ! Denkst du wirklich und im Ernste an die Möglichkeit , daß ich krank sein werde ? « » Ja , « antwortete ich aufrichtig . » Was für eine Krankheit wird das sein ? Welchen Namen giebst du ihr ? « » Ich sehe sie jetzt nur von weitem . Erst wenn sie da ist , kann ich sie erkennen und dir ihren Namen sagen . « » Also von weitem ! O Sihdi , wie enttäuschest du mich ! Ich habe dich für klug gehalten , und sehe nun , daß du dies gar nicht bist ! « » Danke , lieber Halef ! « » Bitte ! Fasse doch diesen deinen Gedanken an ; stelle ihn vor dich hin und schau ihm in das lügnerische Angesicht ! Du siehst meine Krankheit jetzt nur von weitem . Sie ist also noch gar nicht da . Muß ich ihr denn erlauben , vollends heranzukommen und in meinen Körper einzuziehen , um es sich in demselben wie in einem festlich geschmückten Zelt bequem zu machen ? « » Wenn sie will , wird es geschehen ! « » Will , will , will ! Auch ich habe meinen Willen , und was ich will , das pflege ich durchzusetzen . Jede Krankheit ist Schwäche . Auch die , welche du von weitem kommen siehst , kann gar nichts anderem gleichen , als einem alten , schwachen , elenden Weibe , welches keinen Zahn mehr im Munde hat . Und ich , der berühmte , tapfere Scheik der Haddedihn , der selbst dem Löwen nie den Rücken zeigte , soll mich vor einem solchen Geschöpf der Schwäche fürchten ? Ich sage dir : Ich lasse diese Krankheit nicht heran ! Ich weise sie ab ! Ich lache sie aus ! Du selbst hast mich gelehrt , was ein fester Wille kann , und wie fest und unerschütterlich der meinige ist , das muß ich doch wohl am allerbesten wissen ! « » Halef , bitte , gieb mir deine Hand ! « » Warum ? « » Gieb sie nur ! « » Wozu ? Ist ' s etwa wegen deines Dass innabd45 ? « » Ja . « » Das kann ich selbst ! « Er legte den Daumen der rechten Hand an die Ader oberhalb des linken Handgelenkes , hielt beides an das Ohr , lauschte eine kleine Weile und fuhr dann fort : » Ich höre nichts , gar nichts ; es ist also alles in der schönsten Ordnung ! Denn wäre etwas Fremdes in der Ader , so müßte es sich doch bemerklich machen ! « » Man darf