hatte er noch gar nicht gedacht . Das konnte eklig werden ! » Auf mich auch ? Meinen Sie , Fräulein Lena ? « Lena verstand ihn sofort . Der arme Junge sass schon wieder ' mal in der Klemme und brauchte Bornsteins offene Hand . » Na lassen Sie gut sein , Herr Leutnant . Ich werde das schon machen . Schliesslich , was können Sie dafür , wenn Ihre Mutter und Ihre Schwester so be - « » Sprechen Sie es ruhig aus , so beschränkt sind . « Lena lachte . » Ja , das wollt ' ich wirklich sagen . Ob man ein Telephon bedient oder Blumen verkauft , bleibt sich doch wahrhaftig gleich - « Da weder Lotte noch Kurt antwortete , fuhr sie fort : » Na ja , ich sehe ja ein , dass ich das alles einstweilen von Herrn Bornstein annehme , mag ihnen nicht passend erscheinen - aber schliesslich sind sie doch nicht meine Richter - und dann in einem Jahr wird das alles schon anders aussehen . Ich denke doch selbst nicht daran , mich Herrn Bornstein so sehr zu verpflichten . « Dabei sah sie , schon wieder heiter , den Leutnant schelmisch von der Seite an , als ob sie sagen wollte : machst Du ' s denn besser ? Und hast nicht ' mal Aussicht , Dich Deiner Verpflichtungen zu entledigen ? Und das wissen sie ganz gut und geben doch ihren Segen dazu ! Aber sie sprach es nicht aus . Der gute Junge that ihr leid . Dass Strehsens den Unsinn begangen hatten , ohne einen Groschen Vermögen alle ihre Söhne Offiziere werden zu lassen , sollte ihm nicht zur Last gelegt werden . Sie gönnte es ihm gern , dass Bornstein ihn über Wasser hielt . Sie streckte dem Leutnant die Hand entgegen . » Also , Herr Leutnant , auf Wiedersehen . Bornstein können Sie heut nicht mehr erwarten . Der ist in Karlshorst und speist dann im Klub . Bitte , sagen Sie Ihrer Frau Mutter und Ihren Schwestern , dass ich trotz ihrer Verachtung und ihres Zorns einstweilen noch recht vergnügt am Leben sei . « Kurt nahm nun endlich , und zwar recht widerwillig seine Mütze . Das war eine Verabschiedung sans phrase . Er wusste nicht recht , ob er sie seiner Botschaft oder der Gegenwart der kleinen Schwester zu verdanken hatte . Jedenfalls war er für den Augenblick entlassen . Bei seiner Verehrung für Lena ein fataler Moment , der ihm indess noch Stimmung liess zu bemerken , dass Lenas Schwester gleichfalls ein » reizender kleiner Käfer « sei , beinahe noch hübsche als seine gute Freundin , die Extelephonistin . Und die » Gigerlkönigin « pfeifend schritt der Leutnant durch den Laden in dem erhebenden Bewusstsein , dass Berlin doch » ein jöttliches Pflaster « und Kurt von Strehsen einer seiner beneidenswertesten Treter sei . Nachdem der Leutnant gegangen war , sah Lotte sich in dem kostbar eingerichteten Raum um , dann , immer ohne ein Wort zu sprechen , blickte sie lange auf ihre Schwester . Lena wurde dies Schweigen endlich unbehaglich . » Was siehst Du mich denn so merkwürdig an , Lotte ? Ach so - « und sie blickte an sich herunter auf das chike helle Frühjahrskleid , das sie trug - » Du wunderst Dich , dass ich die Trauer abgelegt habe ? Bornstein mochte das nicht . Er sagt , Trauerkleider , das macht einen schlechten Eindruck in einem jungen Geschäft , noch dazu in einem Blumengeschäft , wo alles bunt und heiter sein soll ! « » Und Du thust alles , was Herr Bornstein wünscht ? « Lena lachte laut auf . » Das fehlte noch ! Aber hier im Geschäft , weisst Du , muss ich mich schon ein bischen nach ihm richten , weil er mir doch alles Geld dafür vorgestreckt hat ! « Lotte sah ihre Schwester nachdenklich an . » Freilich da hat er viel für Dich gethan , und ich meine immer , wenn jemand so viel für einen thut - « und sie sah missbilligend auf den Platz , auf dem der Leutnant zuvor in breiter Behaglichkeit gesessen hatte . Lena verstand sie sofort . » Nein , Lotte , Du bist zu komisch . Ich glaube wirklich , Du bildest Dir ein , Bornstein und ich wären Liebesleute und er hätte ein Recht auf mich . « Sie knipste den Nagel des Daumens und des dritten Fingers zusammen . » Noch nicht so viel ist zwischen uns . Gute Freunde sind wir , weiter nichts . Schön dumm wäre ich , wenn ich mich auf was Anderes einliesse . Heiraten thut er mich ja doch nicht - und was hab ' ich nachher ? « Lotte war totenblass geworden . Wie die Posaunen des jüngsten Gerichts tönten ihr Lenas leicht und fröhlich hingeworfene Worte im Ohr . » Heiraten thut er mich ja doch nicht - und was hab ' ich nachher ? « » Herrgott , Lotte , was ist denn mit Dir ? Du siehst ja kreideweiss aus ! « Lena nahm die Halbohnmächtige erschreckt in den Arm . » Fräulein , Fräulein - schnell holen Sie den Portwein vom Büffet . Meiner Schwester ist nicht gut . « Halbtot , mit geschlossenen Augen lag Lotte in Lenas Arm . Erst nachdem sie ein paar Tropfen von dem schweren Wein getrunken hatte , kam wieder Leben in ihr blasses Gesicht und ihre eiskalten Hände . Lena streichelte sie und überredete sie gutmütig , nach vorn mit ihr in den Laden zu gehen . » Die Luft ist nicht gut hier in dem kleinen türkischen Loch « , sagte sie , sich zum Scherz zwingend , denn Lottes Zustand flösste ihr ernsthafte Besorgnis ein . » Komm , wir gehen in den Laden . Die Thür nach der Strasse ist auf , da bekommst Du frische Luft . Du setzt Dich