ihrer Kammertür stand die Magd , nur mit einem Unterrock und einem Hemd bekleidet . Ihr Haar war lose , ihre festen Schultern und die Hälfte der Brust waren nackt . So stand sie vor der halboffenen Tür , schwankend beleuchtet von dem Kerzenlicht in der Kammer , und lächelte halb blöde , halb begehrlich Agathon zu . Seine Zähne schlugen aneinander , er wollte nach einem Halt greifen , er wollte etwas sagen , doch sogleich legte es sich wie eine Kette um seinen Hals und es wurde ihm so unerträglich heiß , daß er den ganzen Körper feucht werden fühlte . Mit einem dumpfen Schrei floh er . Noch besinnungslos stürzte er in die Kammer des alten Gedalja , kniete vor ihm nieder , nahm dessen Hand und flüsterte wirr , bleichen Gesichts . Der Greis fragte und konnte nichts herausbringen , doch bald bekam er auf Umwegen Klarheit . Er nickte ein paarmal wissend vor sich hin . » Setz dich her , mein Jung , und ich will dir sagen was for dein Herz un wie de sollst sein gegen die Weiber . Bin ich worn gestraft un hab gehabt zwaa Weiber nebbich un war kein Glück und kein Segen dabei . Das Weib is gut für die Stund , wenn se hat keine Sanftheit for den Mann . Sie mag sein aufgeklärt , sie mag haben Geld , sie mag sein sparsam , sie mag sein gottesfürchtig ; wenn se nicht is weich wie lehmige Erd , daß de kannst formen das Bild wo de willst , taugt se nix for dich . Und wenn de hast eine große Begehr , dann gehste hin , sonst wird verstopft dein Geist un dein Gemüt un du siehst Gespenster beim helllichten Tag . Laß d ' r nit einjagen Angst durch die falschen Lehren : es is kein Unglück un kein Verbrechen , es is menschlich un du sollst bloß schweigen davon . Un wenn de eines Tages fühlst mehr und dein Herz werd sein voll Liebe , dann gehste hin und siehst , ob se gefällt deinen Sinnen . Un wenn se gefällt deinen Sinnen , gefällt se aach deinem Haus un deine Kinder . Das wirste nit verstehn heut , aber de wirst es verstehn bald un wirst gedenken an meine Worte . « Agathon war nicht beruhigt . Im Gegenteil , er war noch erregter als vorher . Es wurde Abend und er fühlte sich gefangen in einem verworrenen Knäuel von Rätseln . Er stand in dem schmalen Vorplatz , der zur Kirche führte und wo es stockfinster war . Er drückte sich krampfhaft an die Holzplatten der Rückwand und sah in das winzige Lämpchen , das auf dem Anricht in der Küche stand . Er hörte nahende Schritte und erschrak wie ein Verbrecher . Es waren trippelnde , tastende , gleichsam spionierende Schritte und endlich kam die geduckte , spähende Gestalt Enoch Pohls zum Vorschein . Er lispelte unhörbar , seine Augen stierten in die matt erhellte Küche , es war , als ob sie ihm vorauseilten , um die Küche abzusuchen , dann tappte er hastig auf den Blechkorb am Vorhang zu , wo das Hausbrot aufbewahrt wurde , nahm das Brot , riß die Anrichteschublade auf , packte mit schlotternden Händen ein Messer und schnitt ein großes Stück Brot herab , immer angstvoll lauernd in die Richtung des Flurs blickend . Dann klappte er den Blechkorb vorsichtig zu , legte das Messer wieder an seinen Platz , biß hungrig in das erbeutete Stück Brot hinein und schluckte den Bissen gierig hinunter . Das andere verbarg er in seinem Wams . Schleichend wie er gekommen , entfernte er sich wieder . Agathon hatte alles gesehen . Er wankte und mit einem Aufschrei brach er zusammen . Lange kauerte er so , und niemals war in seiner Seele das inbrünstige Verlangen so stark gewesen , dieser dunklen Welt um sich her Freude zu bringen . Als er aufsah und sich entfernen wollte , erblickte er seinen Vater , der unbeweglich vor ihm stand und die Hand schwer auf seine Schulter legte . Siebentes Kapitel Als Frau Gudstikker am Morgen das Frühstück bereitete , mußte sie zum Brunnen , und als sie zurückkam , waren die beiden Knaben Sema und Wendelin verschwunden . Sie hatte nun wieder Grund zu jenen stoischen und schwarzsichtigen Betrachtungen , die ihr ein hartes Leben und ihre stolze Natur nahe legten . Ihre Gedanken nahmen stets einen erbarmungslosen Gang und dabei schonte sie nicht , was ihr teuer war . Als Stefan spät nachmittags nach Hause kam , fragte sie ihn , wo er herumgestreunt sei . » Du weißt , ich streune nicht , Mutter , « entgegnete er mit blitzenden Augen , den Kopf hoch aufrichtend . » Ja , ich weiß es , « entgegnete sie wie nachdenklich und blickte ironisch auf seine staubbedeckten Stiefel . » Wo sind die Knaben ? « » Fort . « » Wie ? « » Ich habe sie heimgeschickt . « » Was heißt das ? Du weißt doch , daß ich den Burschen brauchte ! Es war ein interessanter Fall . Wie konntest du sie fortschicken ? « » Es ist nicht nötig , daß du mit Menschen spielst . Spiele mit deinen Ideen . Darüber bist du Herr . « Gudstikker atmete schwer . » Mutter , ich betrete dein Haus nicht mehr , « preßte er endlich hervor und stürzte fort . Sie lächelte gutmütig hinter ihm her , öffnete das Fenster und schaute ihm lange Zeit nach . Stefan Gudstikker ging zum Friseur , wo er über eine halbe Stunde saß , um sich Haar und Bart verschönen zu lassen , und bei Anbruch der Dämmerung erwartete er vor den Anlagen seine Verlobte . » Sie haben mich fast geschlagen , « waren Käthes erste Worte . » Ich sei heimlich mit dir zusammengetroffen . Du sollst zu uns ins Haus kommen . « »