durchgeworfen , von Spreu und Unkrautsamen sorgfältig befreit , auf dem Schüttboden . » Wenn ' s nu ack an Preis hätte ! « sagte der Büttnerbauer und schickte den Sohn in den Kretscham . Karl sollte dort ein Glas Bier trinken und bei der Gelegenheit im Kreisblatte nachsehen , was der Roggen jetzt gelte . Karl kam mit der Nachricht zurück , daß Roggen pro erste Septemberwoche neunzig stehe . Kaschelernst habe gemeint , der Preis werde in nächster Zeit noch viel tiefer sinken an der Börse , » von wegen der ausländischen Einfuhr « , so berichtete Karl wörtlich , ohne zu verstehen , was das eigentlich heiße . » Wer klug handeln wolle , der hielte sein Korn bis zum Frühjahr , da werde es schon Preis bekommen , « habe Kaschelernst gesagt . Der Büttnerbauer konnte sich schon denken , mit welch treuherziger Miene sein Schwager das gesagt haben mochte . » Halten bis zum Frühjahr ! « Der Schuft ! Als ob der nicht ganz genau wisse , daß der Bauer verkaufen mußte , unter allen Umständen und zu jedem Preise . Und derselbe Mann , der ihm hier so freundlichen Rat erteilen ließ , war es , der ihm die letzte Hypothek Knall und Fall gekündigt hatte . Der alte Bauer griff sich an den Hals und schluckte , als säße da etwas , was nicht hinunter wollte . Der Büttnerbauer machte sich darauf ans Rechnen . Das war stets als eine geheimnisvolle Sache von ihm behandelt worden . Eine eigentliche Buchführung kannte er nicht . Das Wichtigste behielt er im Gedächtnis . Er wußte Ausgaben und Einnahmen , die er gemacht , von vielen Jahren her auf Heller und Pfennig anzugeben . Aber obgleich er für gewöhnlich nichts buchte , so machte er von Zeit zu Zeit doch einmal einen Abschluß . Dann gab es ein höchst umständliches Rechnen mit Kreide auf einer Tischplatte oder einer Tür . Die Sache nahm Stunden in Anspruch . Lange Zahlenreihen wurden aufgeschrieben , alle vier Spezies bemüht . Den eigentlichen Sinn aber dieser ganzen Rechnerei verstand nur der Büttnerbauer allein . Es war ein Vorgang , der auch äußerlich wie ein Geheimnis behandelt wurde , denn er duldete nicht , daß jemand während der Zeit sich im Zimmer aufhielt . Die Seinen wußten das . Wenn es hieß : » Der Vater rechnet ! « hielt man sich wohlweislich fern , denn dann war nicht gut Kirschen essen mit dem Alten . Auch diesmal hatte er eine verzwickte Rechnung angestellt . Das Ergebnis war ein sehr einfaches und in seiner Einfachheit bestürzendes : Achthundert Mark ! Auf mehr kam er nicht ! Das war nicht annähernd genug zur Deckung des Wechsels und zur Bezahlung der Michaeliszinsen . Der alte Mann ballte die Faust . Er wußte selbst nicht , gegen wen . Wer war es denn , der die Schuld daran trug , daß ihm nicht der Lohn seiner Arbeit wurde ? Sollte er den lieben Gott dafür verantwortlich machen , oder sollte er die Menschen bei dem lieben Gott verklagen ? Wer war der Feind , wo die Macht , die ihn um das Seine gebracht hatte ? - Der Bauer drohte in die leere Luft hinaus . Das war nicht zu fassen , für seinen Arm nicht zu erreichen : die Mächte , die Einrichtungen , die Menschen , welche Schuld hatten , daß sein Schweiß umsonst geflossen war . Irgendwo da draußen , unfaßlich für seinen ungelehrten Verstand , gab es ungeschriebene Gesetze , die mit eherner Notwendigkeit auf ihn und seinesgleichen lasteten , ihn in unsichtbaren Ketten hielten , unter deren Druck er sich wand und zu Tode quälte . Das Exempel stimmte mit fürchterlicher Genauigkeit . Wenn er den Wechsel bezahlte , langte es nicht zu den Zinsen , bezahlte er die Zinsen , langte es nicht zum Wechsel . Die einzige Hoffnung blieb jetzt , daß Harrassowitz Stundung gewährte . - Noch ehe der Verfalltag eintrat , fuhr der Büttnerbauer in die Stadt , er wollte mit dem Händler sprechen . Als der Bauer das Produktengeschäft von Samuel Harrassowitz betrat , wurde ihm gesagt , der Chef sei noch nicht im Kontor . Er ging daher fort und kam nach Verlauf von einigen Stunden wieder . Diesmal wurde ihm mitgeteilt , Herr Harrassowitz sei zu sehr beschäftigt , um ihn anzunehmen . Der Büttnerbauer ließ sich diesmal nicht so leicht abweisen . Es sei etwas sehr Wichtiges , » ane gruße Sache « , wie er sich ausdrückte , wegen der er mit Herrn Harrassowitz zu sprechen habe . Der Kontorist , mit dem er bis dahin verhandelt hatte , rief einen anderen herbei , den er » Herr Schmeiß « benannte . Der junge Schmeiß schien bereits eingeweiht in die Angelegenheit , denn er fragte den Bauern , sowie er dessen Namen gehört , ob er etwa wegen Stundung seines Akzepts komme . Der alte Mann bejahte , etwas verwundert über die hochfahrende Art dieses Jünglings . Man solle doch ein paar Monate Geduld haben , bat er , bis er seinen Hafer rein habe und sein Korn vorteilhaft verkauft haben werde . » Harrassowitz wird sich schwer hüten , « meinte Schmeiß darauf . » Nicht wahr ! damit Sie inzwischen Zeit gewinnen , die einzigen pfändbaren Objekte zu Geld zu machen , daß er dann das Nachsehen hat . Wir kennen das ! Stundung gibt ' s nicht . Wenn Sie nicht rechtzeitig zahlen , müssen Sie die Konsequenzen auf sich nehmen , mein Lieber ! « - Mit diesem Bescheide ließ er den verdutzten Alten stehen . Der Büttnerbauer blieb den ganzen Rest des Tages in der Stadt . Er hoffte , Harrassowitz noch persönlich zu treffen . Er konnte nicht glauben , daß diese Antwort von dem Händler ausgehe , auf dessen gutes Herz er baute . Aber Sam blieb heute unsichtbar für ihn . Dann kam er auf den Gedanken , zu dem Bankier