» Du ! Dös Wort nimm zruck ! « » Schipper ! « klang die scharfe Stimme Graf Egges von den Latschen her . Franzl ließ die Arme sinken und taumelte . » Schipper ! Her zu mir ! Und du , Hornegger , mach deinen Dienst ! « Einen brennenden Blick des Hasses warf Schipper auf seinen Kameraden , dann ging er mit aschfahlem Gesicht auf seinen Herrn zu und sagte ruhig : » Ich bitt , Herr Graf , was soll mit dem Bock gschehen ? « Graf Egge machte eine heftig abweisende Geste mit der Hand . » Laß ihn liegen ! Heut kommen die Treiber . Sie sollen den Bock unter sich aufteilen , ich will kein Haar mehr von ihm sehen . « Er griff an die Joppe , unter der er das Krickel verwahrt trug , und suchte den Heimweg zur Hütte . Schipper holte die beiden Gewehre und folgte seinem Herrn . » Ich bitt , Herr Graf , Sie haben ' s ja selber gsehen - und jetzt muß ich schon sagen : dös tut kein gut mehr mit ' m Franzl und mir ! Wir zwei können von heut an nebenanander nimmer bleiben . Entweder - « Da wandte sich der Graf und brüllte : » Halte dein Maul ! « Nicht diese Worte machten den Jäger verstummen , sondern der drohende Zorn , der ihm aus den Augen seines Herrn entgegenblitzte . Schweigend schritt er hinter dem Grafen her , die eine Büchse auf dem Rücken , die andere über der Brust . Die Hände krampfte er um den Bergstock , daß die Finger weiß wurden , nagte an der farblosen Lippe und blies den Atem durch die Nase . Als er sah , daß Graf Egge mit dem rechten Fuß immer vorsichtiger aufzutreten begann , kniff er die Augen ein und lächelte boshaft vor sich hin . 10 Graf Egge und Schipper waren schon längst in den Latschen verschwunden , und noch immer stand Franzl auf dem gleichen Fleck , totenbleich , an allen Gliedern zitternd . Verstört betrachtete er die starre Wildleiche , aus deren zerhacktem Haupt die blutumronnenen Augäpfel hervordrangen ; dann hob er die Büchse vom Geröll und faßte den Bergstock . Kaum hatte er sich durch die ersten Büsche gewunden , da hörte er ein leises Winseln und fand im Schatten einer Latsche den Schweißhund , der an einer blutenden Schenkelwunde leckte . » Richtig , jetzt hat dös arme Hundl auch sein Treff dabei kriegen müssen ! « Der Zorn ballte ihm die Fäuste . » Dös is ja nimmer Jagd , dös is ja Metzgerei ! « Der Hund hatte den Kopf gehoben . Franzl ließ sich nieder und wollte die Verletzung untersuchen ; da schnappte der Hund nach seiner Hand , doch e biß nicht , sondern hielt nur mit den Zähnen die Finger des Jägers fest . Franzl zog die Hand nicht zurück und streichelte mit der anderen den Kopf und Nacken des Hundes . » Aber Hirschmanndl , geh , wie magst denn schnappen nach mir ! Schau , Alterl , wir zwei , wir sind heut gleich schlecht wegkommen , du und ich ! « Da gab Hirschmann die Hand des Jägers frei und schüttelte die Ohren . Willig ließ er an seine Wunde rühren und stieß nur , wenn die fühlenden Hände seine Schmerzen mehrten , die Nase winselnd an den Arm des Jägers . Die Wunde war tief gerissen und zog sich über den ganzen Schenkel . Mit dieser Verletzung hatte der Hund noch seine Pflicht erfüllt und das tote Wild verbellt . Zärtlich kraulte Franzl ihm die Ohren . » Ja , Hirschmanndl , hast schon recht ! Man muß oft Unrecht leiden . Aber sei ' Sach muß man in Ordnung machen , sonst is man um kein Granl besser als die andern ! « Er nahm den Hund auf die Arme und tat ein paar Schritte , als wollte er den Weg zur Jagdhütte suchen . Kopfschüttelnd hielt er inne . » Na ! Jetzt net ! Ich könnt mich net zruckhalten . Z ' erst muß ich mich auslaufen , daß mir der Zorn vergeht . « Er schlug den Weg nach der eine halbe Stunde entfernten Hochalm ein . Unter dem Gewicht des Hundes waren ihm die Arme steif geworden , als er die Hütte erreichte . In der Kammer wurde Hirschmann auf den Kreister gebettet , und die Sennerin brachte dem Jäger , was er nötig hatte , um die Wunde zu vernähen und ein Heftpflaster aufzulegen . Während Franzl schor und nähte und kleisterte , hielt die Sennerin unter endlosem Geschwatz den Kopf des Hundes fest . Zum Schluß der nicht sonderlich kunstvollen Operation wurde die Außenseite des Pflasters noch mit Pfeffer eingerieben . Das hatte seinen Zweck ; denn kaum war Hirschmann aus den Händen der Sennerin erlöst , da wollte er sein gewohntes , schmerzstillendes Heilmittel versuchen und an der Wunde lecken ; die Sache hatte ihre Bitternis ; verdrossen schüttelte er den Kopf und schlenkerte die brennende Zunge . Das war drollig anzusehen ; die Sennerin kreischte vor Vergnügen , und sogar Franzl brachte ein müdes Lächeln zuwege . Er streichelte den Hund , reichte der Sennerin die Hand und ging . Winselnd hob Hirschmann den Kopf , als er den Jäger verschwinden sah . Vor der Hütte nahm Franzl seine Büchse von der Bank und gewahrte mit Schreck den Schaden , den sie gelitten hatte , als er sie auf das Geröll geworfen . Ein echter Jäger , pflegte er seine Waffe in tadellosem Zustand zu halten . Und wie sah sie nun aus ! Der polierte Schaft von splitterigen Rissen durchzogen , die sonst so spiegelblanken Läufe fleckig und zerkratzt , und von einem der beiden Hähne war der Hammer abgebrochen . » Der Hund , mein Büchsl und ich ! Gut schauen wir aus alle miteinander ! « Über die offenen Almen schritt er