und Beschäftigung ; aber Fanny war sehr stolz auf seine Fertigkeit und konnte sich nicht genug thun , sie zu bewundern . Gewandtheit in solchen Künsten ist dem Mann in den Augen jeder Frau vorteilhaft . Joachim sagte zuletzt , als die ganze Gesellschaft sich schon bewundernd um ihn und einen der heutigen Nachmittagsgäste drängte , während die anderen Herren sich für besiegt erklärten , daß man so nie zur Entscheidung kommen werde und ob sie nicht ein anderes Ziel nehmen wollten . Taiß schlug vor , eine Visitenkarte auf einen hohen Stecken zu befestigen und diesen im Felde weit hinter der Scheibe aufzupflanzen . Als man noch , aufgeregt wie über eine wichtige Sache , darüber debattirte , flog eine Krähe aus den Gipfeln der Parkbäume in hohem Fluge schräg über den Fluß . » Aufgepaßt ! « sagte Joachim , zielte - alles hielt den Atem an - und drückte ab . Schwer schoß das Tier durch die Luft herab in den breiten Strom . » Ich ergebe mich , « sprach Joachims Konkurrent , » das wäre ich nicht im stande . « » Es ist nicht viel dabei , « meinte Joachim . » Das hab ' ich mir gedacht , « sagte Fanny triumphirend ; » Sie sind allen überlegen . « Lanzenau , der das hörte , lächelte bitter . » Aber nun die Preise ! « rief Frau von Dören . Sie erhielt das Gewehr und sprach zu ihrem Gatten : » Du meinst natürlich , meine Schwäche für Dich gehe so weit , daß ich Dir und keinem andern dies Geschenk mache , aber die Stunde ist gekommen , mich zu rächen ; Graf Taiß , empfangen Sie dies als Zeichen meiner besondern Gunst . « » Meine Gnädigste , ich werde mich bestreben , sie zu verdienen , und nehme dies pränumerando als Lohn , « sagte der Graf mit einer übertrieben tiefen Verneigung . Während dieses kleinen Vorgangs konnte Joachim sich entscheiden , welcher Dame er den Fächer geben wolle , den Adrienne gerade in der Hand hielt und verlangend besah , aber seiner Schwägerin konnte er doch unmöglich das Geschenk überreichen ; es hätte sich wohl geschickt , ihn Fanny , seiner gütigen Herrin , als Huldigung zu Füßen zu legen , aber er fand , daß es im Grund ein Unsinn wäre , Fanny den Fächer zurückzugeben , den sie selbst angeschafft , obenein , da sie , wie er zufällig wußte , einen reichhaltigen Vorrat von Fächern in allen Formen und Stoffen besaß , und in Severinas Seele brannte das Verlangen , von seiner Hand vor allen Anwesenden ausgezeichnet zu werden , das wußte er , obschon er sie mit keinem Blick ansah . Man bemerkte die Zweifel auf seinem Gesicht und lachte ihn aus . Darauf trat er an Fanny heran und fragte leise : » Fände unsere gnädige Königin es nicht am taktvollsten , wenn ich den Fächer der einzigen Dame im Kreise schenke , die nicht im stande ist , sich einen solchen zu kaufen ? « » Das ist ein hübscher Gedanke , « sagte Fanny , von seinem Zartgefühl entzückt , » sie wird ebenso überrascht als beglückt sein . « Und Joachim überreichte der erglühenden Severina den Fächer mit einer so förmlichen Verbeugung , als sei sie ihm wildfremd . Das wäre nun niemand aufgefallen und jeder hätte die Förmlichkeit für die komisch-feierliche Betonung des Vorgangs genommen , wenn nicht Lanzenau allein , seit einiger Zeit Joachim gegenüber immer auf dem Beobachterposten , das fremd-höfliche Gesicht des jungen Mannes um so sonderbarer gefunden hätte , je mehr ihm vorher ein rascher Blick aufgefallen war , mit dem Joachim und Severina sich begegneten . Er beschloß , fortan auch das Mädchen im Auge zu behalten , eine unbestimmte , freudige Hoffnung beschlich ihn . Wenn diese beiden im Begriff wären , sich zu finden oder wohl gar schon sich gefunden hätten ... dann zog die Gefahr an ihm vorüber und über Fannys Haupt dahin wie eine Wetterwolke , die mit fernem Blitzgeleuchte droht , aber ihre Flammen nicht über uns entladet . Der Zufall war ihm günstig . Noch am selben Abend , als die Gesellschaft sich im Saal , auf der Terrasse und im Spielzimmer zwanglos verteilt hatte und Lanzenau suchend von einem Raum in den andern ging , sagte man ihm im Saal , Fräulein Severina sei auf der Terrasse , und auf der Terrasse , sie sei im Saal . Nach Joachim , der auch fehlte , fragte er nicht , er ging ohne weiteres in den Park . Es war stockdunkel , der Mond sollte erst später aufgehen , Lanzenau verirrte sich mit seinen sorgsam vorwärts tastenden Füßen mehrmals auf einen Rasensaum oder ein Blumenbeet , einmal geriet er auch in einen großen , wilden Rosenbusch , die stacheligen Zweige , die wider seine Brust schlugen , verwickelten sich in die Schnur seines Monocles . Ingrimmig versuchte er loszukommen , er riß und riß und hatte nur den Erfolg , daß die Schnur entzwei ging und am Busche mitsamt dem Augenglas hängen blieb . Plötzlich hörte er in unmittelbarer Nähe Stimmen . Er erinnerte sich , daß das Gebüsch von wilden Rosen dicht bei der großen Tanne mit der Rundbank sich befand ; aber die , denen die Stimmen gehörten , mußten eben erst von der andern Seite ankommen , sonst hätten sie das Geräusch in den Zweigen gehört , das seine greifenden Hände gemacht . Worte konnte Lanzenau nicht verstehen , Gestalten nicht einmal in den Umrissen erkennen , nur das ward ihm alsbald aus den Lauten , die sein Ohr vernahm , sehr deutlich , daß ein Liebespaar dort saß . Aber wer sagte ihm , daß es nicht jemand aus dem Dorf oder jemand von den Dienstboten sei ? Er zog sich zurück und näherte sich auf dem direkten Weg dem Hause . Hier , wo das Licht den Platz unter den Linden matt erhellte