werfen wir entsetzte Blicke um uns her . Ist ' s wahr , ist ' s möglich ? Zwölf Kellner in Frack und weißer Binde , mit grauenhaften Scheiteln und distinguirtem Air , zwölf Gemeine und noch Se . Excellenz besagter Oberkellner , nebst Frack , weißer Weste , Cravatte und Glacés . Zuviel ! Man bedenke die Situation ! Zwölf Stunden in der Wüste auf den Verkehr mit Ponys angewiesen , das Absonderungsbewußtsein eines zweiten Manfred im Busen und hier - zwölf Apostel der Etiquette , von denen der erste zarte Winke über Table d ' hôte , der zweite über Schlafzimmer in erster , zweiter oder beliebiger Etage fallen läßt . Wir selber aber ließen mit Grandezza unser Gepäck fallen , schleuderten dem Bauch des glattrasirten Tyrannen einen vernichtenden Blick zu und stürzten uns mit dem Grimm eines Kannibalen über das Supper . Das war die Vergeltung ! Alle Victualien verschwanden schonungslos vor dem Heißhunger unsrer Rache . Umsonst sandte der gastliche Leiter des Mahles wehmüthige Blicke gerechten Kummers den erschöpften Schüsseln nach . O er merkte jetzt mit unheimlicher Ahnung , daß sich Wüstensöhne mit dem dazu gehörenden Magen in seine wohlgesitteten Hallen gedrängt - einen letzten unaussprechlichen Blick verwundeten Anstandes warf er auf unsre bestaubten Röcke und Stiefel und ging und ward nicht mehr gesehn . Ich aber aß für zehn streitbare Männer , mit unsäglichem Wehgefühl . Ohne Menschen fünfzehn Stunden ! Endlich hab an dieser Stell hier Ich ein Manfredsthal gefunden ! Ach , am Ziel ragt ein Hotel hier ! Laß mich schaudernd rückwärts taumeln : Ueber weißen Kellnerwesten Seh ich Tombak-Ketten baumeln ! Fort mit meines Traumes Resten ! Auf nach Balmoral ! Der Boden scheint eine malerische Sumpflache , die Sonne hat den Schnupfen - oder , wie man hier zu Lande das interpretirt : Das Wetter hält sich doch noch ! Rings strecken sich Felsen spitz in die Luft , wie ein Riesenfinger : andere Kegel haben das Aussehen von Burgen , von deren spitzen Thürmchen die Tannen wie grüne Fahnen herunterwehen . Der Styl dieser Böklin ' schen Naturcomposition erinnert lebhaft an die Chaussee , von Reichenhall nach Berchtesgaden . An der einen Seite fließt der Dee , welchem Lord Byron als Badeprämie die Reklame in seine Werke einrückte : » Ibreasted the billows of Dee ' s rushing tide . « Vielleicht hat auf dieser Bank von Stein der junge Dichter von Zukunft und Ruhm geträumt . Hier hat der erwachende Genius Byrons nicht nur seine Liebe zur Bergnatur , sondern auch das erste Bewußtsein der in ihm schlummernden Poesie eingesogen . Das erste , Alles beherrschende Gefühl eines dichterischen Geistes , Bewunderung der Schöpfungsmysterien , war ihm in diesen Bergen aufgegangen . Darum sei mir gesegnet und freudig begrüßt , wie ein Vetter des Parnaß , du weißhaariger Riese Lochnagar mit dem blauen Auge des wilden Bergsees hoch oben unter deiner massigen Stirn ! Zu deinen Füßen stand die Wiege des Genius oder doch wenigstens genauer gesprochen , seine Milchflasche . Hier liegt nämlich der nette Pachthof Ballater , woselbst der junge Musagetes eine Milchkur genoß . Die Milch ist immer noch für Geld und gute Worte zu erstehen , aber die Milch der Musen - - Auf der Bahn nach Inverneß . Rechts lärmender Franzose , links hustende Schwindsüchtige , auf allen Seiten Rauch und Hitze . Tiefmelancholische Landschaft . Das trübe Mondlicht scheint sich auf dem Rücken der schwarzen Hochlandkühe zu spiegeln , die aus ihren Hürden stumpfen Blicks dem Zuge nachbrüllen . Jeder Hügel trieft hier ordentlich von geschichtlichen Blut : Hochlandmorde und Clangemetzel schienen hier stets an der Tagesordnung . Ankunft in Inverneß , einer düstern , zugigen , höchst verdächtig aussehenden Stadt . In dem alten Castle soll den gnadenreichen Duncan Macbeths Dolch getroffen haben . Es sieht mir auch ganz danach aus . Bei Culloden wurde hier anno 1746 der Prätendent Karl Eduard total geschlagen . Weltschmerz und Schnupfen schauern mich an , auf diesen Grabkreuzen sinnend . » Für Gott , für König und Vaterland « Fiel mancher Narr bei Culloden . Sein eisernes Kreuz als Denkmal stand Schon lange hier im Boden . Das Känzchen klagt Kiwitt , Kiwitt . Komm mit , komm mit ! Du graues Alräunchen , Du Hochland-Guide , Du kicherst so verdächtig . Bist Du ein Uhu im Menschenkleid , Umgehend mitternächtig ? Das Käuzchen klagt Kiwitt , Kiwitt ! Komm mit , komm mit ! Bei der Steamerfahrt auf dem Caledonischen Kanal nach Oban bewährt sich uns die eingewurzelte Eigenthümlichkeit dieses Gewässers , sich stets mit Regen begießen zu lassen . Soviel man unter der Nebel haube erkennen kann , bildet den Glanzpunkt der Fahrt das Sichtbarwerden des höchsten schottischen Berges , Ben Nevis , und des größten Wasserfalls der britischen Inseln , Falls of Foyers . Zwischen Ginsterhügeln wälzt , der Foyer seine Fluthenmassen , bis er , durch ein breites Felsenbecken hinabgleitend , plötzlich an einem Abgrund sich überstürzt und aus einer Höhe von etwa 90 Fuß fast senkrecht niederrollt . Die berstenden Wogenbälle donnern mit unglaublicher Kraft an die starren braunschwarzen Felsgiganten und flattern in silberweißem Schaum , wie ein Lenkotheaschleier über die Ufer . Das furchtbare Zischen der sich bildenden Strudel , wenn die herabrollenden Wassermassen unten im Strom durcheinanderwirbeln , wirkt grauenerweckend . Der zerstiebende Schaum steigt in durchsichtigen Krystall-Säulen wie Nebelqualm aus der Tiefe , welche im Contrast zu dem schneeweißen Fall rabenschwarz , erscheint . Aus den verschlungenen Schluchten , aus allen Schlüften und Höhlen dröhnt ein unaufhörliches Echo nach . Ueber dem eigentlichen Fall stürzt noch ein zweiter kleinerer hernieder und wird mit seinem stärkeren Sohn - denn er erzeugt durch seine vorbereitende Kraft hauptsächlich die aufgehäuften , sich dem größern Absturz zuwälzenden Wogen - durch eine Aetherbrücke , einen in allen Farben schillernden Regenbogen verbunden . Der Schweif des Sturzfalls peitscht die Wand , Wo seinem Geifer Grün entsprießt . Wie unterm Huf aufquirlt der Sand , Schaum aufwärts schießt . Wenn im Tunnel