wird ' s kommen . Denn wer zieht denn in solchen Puppenkasten , wo jeder Kater ins Fenster kuckt un kein Gas nich un keine Wasserleitung . I , versteht sich ; ihr habt ja vierteljährliche Kündigung , und Ostern könnt ihr raus , da helfen ihm keine Sperenzchen . Und ich freue mich ordentlich ; ja , Lene , so schlecht bin ich . Aber ich muß auch gleich für meine Schadenfreude bezahlen . Denn wenn du weg bist , Kind , und die gute Frau Nimptsch mit ihrem Feuer und ihrem Teekessel und immer kochend Wasser , ja , Lene , was hab ich denn noch ? Doch bloß ihn un Sultan und den dummen Jungen , der immer dummer wird . Un sonst keinen Menschen nich . Und wenn ' s denn kalt wird und Schnee fällt , is es mitunter zum katholisch werden vor lauter Stillsitzen und Einsamkeit . « Das waren so die ersten Verhandlungen gewesen , als der Umzugsplan in Lene feststand , und als Ostern herankam , war wirklich ein Möbelwagen vorgefahren , um aufzuladen , was an Habseligkeiten da war . Der alte Dörr hatte sich bis zuletzt überraschend gut benommen , und nach erfolgtem feierlichen Abschiede war Frau Nimptsch in eine Droschke gepackt und mit ihrem Eichkätzchen und Stieglitz bis an das Luisen-Ufer gefahren worden , wo Lene , drei Treppen hoch , eine kleine Prachtwohnung gemietet und nicht nur ein paar neue Möbeln angeschafft , sondern , in Erinnerung an ihr Versprechen , vor allem auch für einen an den großen Vorderzimmerofen angebauten Kamin gesorgt hatte . Seitens des Wirts waren anfänglich allerlei Schwierigkeiten gemacht worden , » weil solch Vorbau den Ofen ruiniere « . Lene hatte jedoch unter Angabe der Gründe darauf bestanden , was dem Wirt , einem alten braven Tischlermeister , dem so was gefiel , einen großen Eindruck gemacht und ihn zum Nachgeben bestimmt hatte . Beide wohnten nun ziemlich ebenso , wie sie vordem im Dörrschen Gartenhause gewohnt hatten , nur mit dem Unterschiede , daß sie jetzt drei Treppen hoch saßen und statt auf die phantastischen Türme des Elefantenhauses auf die hübsche Kuppel der Michaelskirche sahen . Ja , der Blick , dessen sie sich erfreuten , war entzückend und so schön und frei , daß er selbst auf die Lebensgewohnheiten der alten Nimptsch einen Einfluß gewann und sie bestimmte , nicht mehr bloß auf der Fußbank am Feuer , sondern , wenn die Sonne schien , auch am offenen Fenster zu sitzen , wo Lene für einen Tritt gesorgt hatte . Das alles tat der alten Frau Nimptsch ungemein wohl und half ihr auch gesundheitlich auf , so daß sie , seit dem Wohnungswechsel , weniger an Reißen litt als draußen in dem Dörrschen Gartenhause , das , so poetisch es lag , nicht viel besser als ein Keller gewesen war . Im übrigen verging keine Woche , wo nicht , trotz des endlos weiten Weges , Frau Dörr vom » Zoologischen « her am Luisen-Ufer erschienen wäre , bloß » um zu sehen , wie ' s stehe « . Sie sprach dann , nach Art aller Berliner Ehefrauen , ausschließlich von ihrem Manne , dabei regelmäßig einen Ton anschlagend , als ob die Verheiratung mit ihm eine der schwersten Mesalliancen und eigentlich etwas halb Unerklärliches gewesen wäre . In Wahrheit aber stand es so , daß sie sich nicht nur äußerst behaglich und zufrieden fühlte , sondern sich auch freute , daß Dörr gerade so war , wie er war . Denn sie hatte nur Vorteile davon , einmal den , beständig reicher zu werden , und nebenher den zweiten , ihr ebenso wichtigen , ohne jede Gefahr vor Änderung und Vermögenseinbuße sich unausgesetzt über den alten Geizkragen erheben und ihm Vorhaltungen über seine niedrige Gesinnung machen zu können . Ja , Dörr war das Hauptthema bei diesen Gesprächen , und Lene , wenn sie nicht bei Goldsteins oder sonst wo in der Stadt war , lachte jedesmal herzlich mit und um so herzlicher , als sie sich , ebenso wie die Nimptsch , seit dem Umzuge sichtlich erholt hatte . Das Einrichten , Anschaffen und Instandsetzen hatte sie , wie sich denken läßt , von Anfang an von ihren Betrachtungen abgezogen , und was noch wichtiger und für ihre Gesundheit und Erholung erst recht von Vorteil gewesen war , war das , daß sie nun keine Furcht mehr vor einer Begegnung mit Botho zu haben brauchte . Wer kam nach dem Luisen-Ufer ? Botho gewiß nicht . All das vereinigte sich , sie vergleichsweise wieder frisch und munter erscheinen zu lassen , und nur eines war geblieben , das auch äußerlich an zurückliegende Kämpfe gemahnte : mitten durch ihr Scheitelhaar zog sich eine weiße Strähne . Mutter Nimptsch hatte kein Auge dafür oder machte nicht viel davon , die Dörr aber , die nach ihrer Art mit der Mode ging und vor allem ungemein stolz auf ihren echten Zopf war , sah die weiße Strähne gleich und sagte zu Lene : » Jott , Lene . Un grade links . Aber natürlich ... da sitzt es ja ... , links muß es ja sein . « Es war bald nach dem Umzuge , daß dies Gespräch geführt wurde . Sonst geschah im allgemeinen weder Bothos noch der alten Zeiten Erwähnung , was einfach darin seinen Grund hatte , daß Lene , wenn die Plauderei speziell diesem Thema sich zuwandte , jedesmal rasch abbrach oder auch wohl aus dem Zimmer ging . Das hatte sich die Dörr , als es Mal auf Mal wiederkehrte , gemerkt , und so schwieg sie denn über Dinge , von denen man ganz ersichtlich weder reden noch hören wollte . So ging es ein Jahr lang , und als das Jahr um war , war noch ein anderer Grund da , der es nicht rätlich erscheinen ließ , auf die alten Geschichten zurückzukommen . Nebenan nämlich war , Wand an Wand mit der Nimptsch