eines auf Petöfys Hand niederfiel . Er nahm es und sagte : » Sieh die Bestätigung . Es wird Herbst . « » Aber nicht Winter . Und von Herbst bis Winter ist eine lange Zeit . « Neunzehntes Kapitel Es waren Wochen vergangen , und das Leben auf Schloß Arpa gestaltete sich ganz nach Wunsch . Franziska hatte wirklich mit ungrischen Studien begonnen , und tagtäglich kam der kleine , den Unterricht leitende Geistliche von Szegenihaza herauf . Es war ein rundes und behagliches Männlein und verriet den früheren Klostermönch unter anderem auch darin , daß er einem immer für ihn bereitstehenden Frühstücke sowohl vor wie nach dem Unterricht lebhaft und geräuschvoll zusprach , bei welcher Gelegenheit er die Fragen seiner Kirche heiter und humoristisch , aber doch zugleich auch mit vielem Takt , und ohne seiner Stellung etwas zu vergehen , zu behandeln wußte . Franziska zog oft Parallelen zwischen diesem Ton und dem , der ihr noch aus dem elterlichen Hause her erinnerlich war , ein Ton , der trotz etwas persönlich Freiem im Auftreten ihres Vaters in Gegenwart von Amtsbrüdern immer etwas schwerfällig Wichtigtuerisches und , was das schlimmste war , auch etwas Salbungsvolles gehabt hatte . Neben dem kleinen Geistlichen war es besonders der alte Toldy , zu dem sie sich mehr und mehr hingezogen fühlte . Beinahe täglich besuchte sie sein kleines , hinter einer Weinlaube verstecktes Wohnhaus , » die Gärtnerei « , darin seit einem Jahre die Mutter fehlte , kümmerte sich um die jüngeren Kinder und half dem Hauswesen auf , das etwas im argen lag . Traf sie den Alten selbst , so wurde sie nicht müde , sich aus seiner Honvedzeit und von den Heldenkämpfen des Jahres 1849 erzählen zu lassen und dabei ruhig hinzunehmen , daß jede dieser Erzählungen mit einer Flut ungrischer Verwünschungen endigte . Nur einmal unterbrach sie diesen Redestrom , um ihm wie damals in der Bildergalerie begreiflich zu machen , in Ungarn wären sie Patrioten , in Wien aber Verräter gewesen und auf Verräterei stünde der Tod überall in der Welt - Auseinandersetzungen , die für ihn natürlich ohne Beweiskraft und durchaus in den Wind gesprochen waren . » Ungar liebt Vatterland , und wer liebt Vatterland , ist Held . « Und gleich darnach wie zur Bekräftigung dieses Satzes war er ins Rezitieren gekommen und hatte sein Leib- und Lieblingslied angestimmt : » Es stehen sieben vor Arads Tor . « Solcher Lieder aus der Revolutionszeit kannte Toldy sehr viele , daneben aber auch alte Lieder , die schon im Volksmunde lebendig waren , als von Schloß Arpa , dem neuen Schloß Arpa , noch kein Stein auf dem andern stand . Ja , seines neunundvierziger Enthusiasmus unbeschadet , hielt er an diesem uralten Liederschatze fast noch fester als an dem neuen , und tagtäglich , wenn er in der Mittags- oder Abendstunde nach Hause kam und sich ' s unter der Laube bequem gemacht hatte , ließ er seine Kinder diese volkstümlichen Weisen singen und begleitete den Gesang derselben auf der Geige . Denn er war , wie schon der Graf , als er mit Franziska das Programm entwarf , in aller Kürze bemerkt hatte , ein vorzüglicher Geiger und stand in dieser seiner Kunst nur um ein geringes hinter dem unten im Dorfe wohnenden Zigeunerkönig Hanka zurück . Einmal traf es sich , daß Franziska hinzukam , als die Kinder so mehrstimmig sangen , und wie gefangengenommen von der einschmeichelnden und zugleich doch so schwermütigen Melodie , blieb sie hinter einer Buchsbaumhecke stehen und horchte , bis der Gesang zu Ende war . Nun erst gab sie ihren Versteckplatz auf und schritt auf das Gärtnerhaus zu , vor dem im Halbschatten der nach vornehin offenen Weinlaube die zwei ältesten und zwei jüngeren Töchter Toldys saßen , jene mit dem Aufziehen von Paprikaschoten , diese mit dem Aushöhlen kleiner Kürbisse beschäftigt . Toldy selbst hielt noch die Geige in der Hand . Alles erhob sich , als man die Gräfin kommen sah , und die beiden jüngeren Kinder , die Franziskas Lieblinge waren , eilten ihr entgegen , um ihr das Kleid zu küssen . » Ich habe zugehört , Toldy . Das war ja wunderschön , aber so traurig . Ist es wirklich so traurig , oder habt ihr es nur so gesungen ? « » Ist traurig , Gräfin . « » Und was ist es denn ? « » Ist Lied von Barcsai . « » Barcsai ? Wer war das ? Ein berühmter Räuber ? Oder auch piff , paff ? « » Nix piff , paff . Barcsai Freund . « » Freund ? Von wem ? « Aber Toldy schwieg nur und fuhr mit dem Zeigefinger wie zum Stoß durch die Luft , augenscheinlich um auszudrücken , daß Barcsai erstochen worden sei . » Erstochen ? Wer hat ihn erstochen ? « » Graf . « » Welcher Graf ? « » Graf ... Nix Name . « Franziska lachte . » Der arme Graf . Da hat Barcsai mehr Glück gehabt , der hat doch wenigstens einen Namen . Aber weißt du wohl , Toldy , daß ich das Lied haben möchte . « Sie sprach das so hin und war deshalb einigermaßen überrascht , eine Minute später den alten Toldy , der das bloß hingeworfene Wort als einen Befehl genommen hatte , mit einem mittlerweile hervorgesuchten Blatt erscheinen zu sehen . » Ist Barcsai . « Sie nahm das Blatt und sah , daß es ein echter Jahrmarktsdruckbogen war mit einem noch viel echteren Jahrmarktsbilde darauf : eine mit Strohkränzen umwickelte Frau , schon ganz in Flammen stehend . Franziska fuhr zusammen . Aber ihre Neugier überwog doch , und so sagte sie : » Habe Dank , Toldy . Morgen schaff ich ' s dir zurück oder bring es selbst . Ich will es nur übersetzen und dem Herrn Curatus vorlegen , bei dem ich Ungrisch lerne . Du weißt doch davon ?