sein unvermeidliches Buch und bat , gefällige Einsicht zu nehmen . Meine Mutter sah ihn mit großen Augen an , dann auf mich , dann in das Büchelchen und sagte : » Was ist das nun wieder ? « Sie durchging die reinlichen Rechnungen und sagte : » Also auch noch Schulden ? Immer besser , ihr habt das Ding wenigstens großartig betrieben ! « während Meierlein immer rief : » Es ist alles in bester Ordnung , Frau Lee ! Diesen letzten Posten nach der Hauptrechnung bin ich jedoch erbötig nachzulassen , wenn Sie mir jene berichtigen wollten . « Sie lachte ärgerlich und rief : » Ei , ei ! So , so ? Wir wollen die Sache einmal mit deinen Eltern besprechen , Herr Schuldenvogt ! Wie sind denn diese artigen Schulden eigentlich entstanden ? « Da reckte sich der Bursche empor und sagte : » Ich muß mir ausbitten , ganz in der Ordnung ! « Die Mutter aber fragte mich streng , da ich ganz verblüfft und in neuer Beklemmung dagestanden : » Bist du dem Jungen dieses schuldig und auf welche Weise ? Sprich ! « Ich stotterte verlegen ja und einige Tatsachen über die Natur der Schulden . Da hatte sie schon genug und jagte den Meierlein mit seinem Buche aus der Stube , daß er sich mit frechen Gebärden davonmachte , nachdem er noch einen drohenden Blick auf mich geworfen . Nachher befragte sie mich weitläufig über den ganzen Hergang und geriet in großen Zorn ; denn es war vorzüglich das ehrbare Aussehen dieses Knaben gewesen , welches in ihr von meinen Vergehungen keine Ahnung aufkommen ließ . Sodann nahm sie Gelegenheit , gründlicher auf alles Geschehene einzutreten und mir eindringliche Vorstellungen zu machen , aber nicht mehr im Tone der strengen und strafenden Richterin , sondern der mütterlichen Freundin , die bereits verziehen hat . Und nun war alles gut . Allein doch nicht alles . Denn als ich nun wieder in die Schule trat , bemerkte ich , daß mehrere Schüler , um Meierlein versammelt , die Köpfe zusammensteckten und mich höhnisch ansahen . Ich ahnte nichts Gutes , und als die erste Stunde zu Ende war , welche der Rektor der Schule selbst gegeben , trat mein Gläubiger respektvoll vor ihn hin , sein Büchlein in der Hand , und erhob in geläufiger Rede seine Anklage wider mich . Alles war gespannt und horchte auf , ich saß wie auf Kohlen . Der Rektor stutzte , durchsah das Heft und begann das Verhör , welches Meierlein zu beherrschen suchte . Aber der Vorsteher gebot ihm Stille und forderte mich zum Sprechen auf . Ich gab einige kümmerliche Nachricht und hätte gern alles verschwiegen ; doch der Mann rief plötzlich : » Genug , ihr seid beide Taugenichtse und werdet bestraft ! « Damit trat er zu den aufliegenden Tabellen und bedachte jeden von uns mit einer scharfen Note . Meierlein sagte betreten : » Aber , Herr Professor - « » Still ! « rief dieser und nahm das verhängnisvolle Buch , welches er in tausend Stücke zerriß , » wenn noch ein Wort darüber verlautet oder sich dergleichen wiederholt , so werdet ihr eingesperrt und als ein paar recht bedenkliche Gesellen abgestraft ! Pack dich ! « Während der übrigen Unterrichtsstunden schrieb ich ein Briefchen meinem Widersacher , worin ich ihn versicherte , daß ich ihm nach und nach meine Schuld abtragen und ihm jeden Kreuzer zustellen wolle , den ich von nun an ersparen könnte . Ich rollte das Papier zusammen , ließ es unter den Tischen zu ihm hin befördern und erhielt die Antwort zurück : Sogleich alles oder nichts ! Nach Beendigung der Schule , als der Lehrer fort war , stellte sich der Dämon an der Tür auf , umgeben von einer schaulustigen Menge , und wie ich hinausgehen wollte , vertrat er mir den Weg und rief : » Seht den Schelm ! Er hat den ganzen Sommer hindurch Geld gestohlen und mich um fünf Gulden dreißig Kreuzer betrogen ! Wißt es alle und seht ihn an ! « - » Ein artiger Schelm , der grüne Heinrich ! « ertönte es nun von mehreren Seiten , ich rief ganz glühend : » Du bist selbst ein Schelm und Lügner ! « Allein ich wurde überschrieen , fünf oder sechs boshafte Bursche , welche stets einen Gegenstand der Mißhandlung suchten , scharten sich um Meierlein , folgten mir nach und ließen Schimpfworte ertönen , bis ich in meinem Hause war . Von jetzt an wiederholten sich solche Vorgänge beinahe täglich ; Meierlein warb sich eine förmliche Verbindung zusammen , und wo ich ging , hörte ich irgendeinen Ruf hinter mir . Ich hatte mein renommistisches Benehmen schon verloren und war wieder ungeschickt und blöde geworden ; das reizte den Mutwillen und die Spottsucht meiner Verfolger , bis sie endlich müde wurden . Es waren alles solche Kumpane , welche selbst schon irgendeinen Streich verübt oder nur auf Gelegenheit warteten , Werg an die Kunkel zu bekommen . Es war auffallend , daß Meierlein trotz seines altklugen und fleißigen Wesens sich nicht zu ähnlich beschaffenen Naturen hielt , sondern immer in Gesellschaft der Leichtsinnigen , der Mutwilligen und Törichten zu sehen war , wie mit mir und den übrigen . Indessen nahmen nun die Ruhigen und Unbescholtenen unseres Alters teil gegen das verfolgungssüchtige Wesen jener , beschützten mich zu wiederholten Malen vor ihren Anfällen und ließen mich überhaupt weder Verachtung noch Unfreundlichkeit fahlen , so daß ich mehr als einem herzlich zugetan wurde , den ich vorher kaum beachtet hatte . Zuletzt blieb Meierlein ziemlich allein mit seinem Grolle , der aber dadurch nur heftiger und wilder wurde , so wie auch in mir jedes Vorgefühl einer Versöhnung erstarb . Wenn wir uns begegneten , so suchte ich wegzublicken und ging stumm vorüber ; er aber rief mir laut ein giftiges und tödliches Wort zu , wenn wir allein in der Gegend oder nur