he , lachte hoch oben in der Luft die Möwe . He , he , he - Aber ihr triumphierendes Schreien wurde übertönt , ihr Hohnlachen erstickt in einem Ruf des Entsetzens , der allen noch Lebenden die Haare zu Berge trieb . Ich sah nach vorn , weil alle andern es taten und - was ich dort erblickte , das sieht auch der Vermessenste nicht , ohne auf die Knie zu sinken und Erbarmen zu erflehen . Über die schwarzen , grün und violett gegipfelten Wogenkämme kam das Geisterschiff daher , gerade auf die Seemöwe los . Schneeweiß vom Kiel bis zu den Mastspitzen , unter vollen Segeln , aber es regte sich an Bord kein Stückchen Leinwand , es schaukelte oder stampfte nicht , sondern glitt , von unsichtbarer Macht getrieben , in pfeilschneller Fahrt und schnurgerader Richtung vorwärts , näher , immer näher an uns heran . Auf dem Großmast glühte und funkelte bläulich in majestätischer Höhe das Sankt-Elmsfeuer , weißes Licht ging von den Segeln aus , und in den Raaen arbeiteten die weißen Todesgestalten der sechs Matrosen . Alle in Leichentücher gekleidet , standen sie auf den Köpfen im Takelwerk , während Kapitän van der Decken am Großmast lehnte und aus hohlen Totenaugen zu mir herübersah . Ja - zu mir ! Ich schrie vor Entsetzen . Dieser Blick ! - Hatte ich ihn nicht schon einmal gesehen ? Meine Besinnung drohte zu schwinden . Da hob das Gespenst die rechte Hand und winkte mir . - - Ganz nahe war das Geisterschiff herangekommen ; Auge in Auge stand ich dem fliegenden Holländer gegenüber . Wie ein kalter Schatten streifte es mein Gesicht . Als ich zu mir kam , lag ich in der Koje eines französischen Schiffes und wurde freundlich gepflegt . Kaum wagte ich eine Frage nach dem Schicksal meines Schiffes - ich wußte die Antwort vorher . Von mehr als fünfhundert Menschen an Bord der Seemöwe war ich der einzige Gerettete . Die Matrosen des französischen Schiffes hatten mich anscheinend leblos aus dem Wasser aufgefischt , als die Wellen meinen Körper bis unter den Bug trieben - - « Der alte Mann schwieg und trocknete die Schweißtropfen auf seiner Stirn . » Ich war der Einzige « , wiederholte er nach einer Pause , » den das Meer zurückgab , den der Tod verschmähte . Ich . mußte leben , um zu wissen , welches Opfer meine Tat gefordert hatte , an wievielen Unschuldigen mein Verbrechen gerächt worden war . Aber seitdem wurde aus mir ein anderer Mensch . Ich ging an Bord der Antje Marie , die damals ihre erste Reise antrat , und schwor mir selbst , nie wieder in die Gesellschaft ehrlicher Menschen zurückzukehren , nie wieder festes Land zu betreten , allen Rechten , allen Freuden zu entsagen und so meine Schuld zu büßen . Inzwischen sind dreißig lange Jahre vergangen . Ich war wie ein lebendig-gestorbener Mensch , aber ruhig in mir durch das Bewußtsein meiner Reue . Doch während der letzten Nacht im Hamburger Hafen hatte ich einen seltsamen Traum . Die Antje Marie trieb auf hoher See im hellsten Sonnenschein langsam dahin . Der Wind war still , die Luft warm und das weite Meer wie ein glänzender , kaum bewegter Spiegel . Ich stand am Ruder , das Herz voll Frieden und Ruhe , wie es in vielen Jahren nicht gewesen war , so ganz glücklich , ganz als ob ein schönes langersehntes Ziel erreicht sei , da - nahte aus der Ferne das Geisterschiff des fliegenden Holländers . Aber es erschreckte mich nicht , mein Herz blieb ruhig , meine Augen sahen den Alten am Großmast , ohne sich abzuwenden von dem Entsetzlichen - - Das weiße Schiff kam näher und näher , es segelte lautlos über die Antje Marie hinweg , und ich fühlte , wie wir langsam tiefer und tiefer sanken . Ich schloß die Augen - und ließ mich träumend von den weichen Armen der See umfangen - - Am andern Morgen sagte mir der Kapitän , daß wir bei Eintritt der Flut in See gehen würden , und nun wußte ich genug . Es ist nicht gut , an einem Montag auszulaufen , zumal nach einem solchen Traum . Diese Reise ist meine letzte ! Noch bevor wir den Hafen von Havanna erreicht haben , bin ich ein toter Mann , und eben deshalb erzähle ich euch meine Geschichte , um jeden einzelnen zu warnen . Bittet Gott , daß er euch den Frieden des Gewissens erhalte , das höchste Gut des Menschen ! « Niemand antwortete ihm , nur Robert drückte ergriffen seine Hand . Er verstand ja jetzt , weshalb ihn der alte Mann so eindringlich gebeten hatte , nach Hause zu reisen und die Verzeihung seines Vaters zu erbitten , er freute sich , dem einsamen Unglücklichen wirklich teuer geworden zu sein . » Du stirbst nicht , Onkel Mohr « , sagte er zuversichtlich . » Im Gegenteil , nun hast du alles einmal von der Seele herunter gesprochen , und nun wird dir leichter und besser zumute werden . « Der Alte nahm den Kopf des Jungen zwischen seine beiden Hände und küßte ihn auf die Stirn . » Leb wohl , Kind « , sagte er langsam , » leb wohl , du hast mich mit dem Leben wieder ausgesöhnt , hast noch einen letzten Schimmer von Liebe und Vertrauen wieder aus der Gemeinschaft der Menschen zu mir , dem Ausgestoßenen , herübergebracht . Sei gesegnet ! « - Ein lauter Ausruf des Obersteuermanns unterbrach die Stille , die den Worten des alten Matrosen gefolgt war . » Alle Mann an Deck ! Klar zum Wenden ! « schrie Renefier , wie außer sich das Ruder ergreifend , in vergeblichem Bemühen , die Galliot in den Wind zu drehen . Der Mann am Ruder , zufällig sein erbittertster Gegner , wollte seinem Befehl nicht gehorchen und verteidigte mit beiden Fäusten den Platz .