ein Mann trat ein , den sogar die , die in früheren Zeiten oft mit ihm verkehrt hatten , nicht gleich erkannten . Es mußten einige Augenblicke vergehen , bevor ihnen zum Bewußtsein kam , daß dieser dicke Geselle mit den schwimmenden Augen , dem roten aufgedunsenen Gesichte , dem kurzen , keuchenden Atem kein andrer sei als - Bernhard , der ehemals schöne Jäger , Bernhard der Pfau ! Er sah , betroffen über den Anblick der stattlichen Gesellschaft , scheu umher , rückte den Hut ins Genick und sagte , wie um sich selbst Mut zu machen : » Man wird doch seine Bekannten besuchen dürfen im Wirtshaus ? « » Der Mensch ist berauscht « , sagte der Freiherr halblaut . Regula stieß einen leisen Schreckensruf aus , und die Herren und Frauen eilten zu ihr , um sie zu beruhigen . So stand Bozena , die inzwischen ihre Runde beendet hatte und wieder an ihrem Platze angelangt war , allein dem Eindringling gegenüber , Aug in Auge . Sie stand still - stumm und wie versteinert vor Grauen und Schmerz . Ihr Leben war eine lange Buße gewesen für eine kurze Verirrung , und nun trat der Mensch , der sie verleitet hatte , vor sie hin , und ihr schien , als sei nichts gesühnt , als stiege ihre entwürdigte Vergangenheit verkörpert aus dem Dunkel des Vergessens und riefe ihr drohend zu : Mich besiegst du nie , ich bin unsterblich , bin unüberwindlich ! - Einen Augenblick zögerte der Jäger , dann ging er frech auf die Schweigende zu und rief : » Bozenka ! kennst mich denn nicht mehr ? « Sie senkte finster den Kopf , und er fuhr fort : » Erst heute bin ich angekommen - bin hier wegen des Nachlasses meiner Frau , die gestorben ist - leider . Meine erste Frage war nach dir , natürlich , und wie ich höre , du bist da , lauf ich hinüber zu euch . Dort heißt ' s : Beim Grünen Baum . Nun richtig ! ... So grüß dich Gott , Bozenka . Und jetzt laß uns plaudern ! « Er hatte , im Gehen etwas schwankend , einen Sessel herbeigeholt und setzte sich an die Seite Bozenas , die , blaß wie man sie niemals gesehen , auf ihren Stuhl gesunken war . Schimmelreiter hatte indessen mit den Herren geflüstert und schien eine Abrede mit ihnen genommen zu haben . Er näherte sich jetzt und sagte geschäftsmäßig zu dem Jäger : » Alle Anwesenden sind meine Gäste . Dies zur Kenntnis . « » Potztausend , der Schimmelreiter ! « rief Bernhard . » Servus , servus ... Alle Anwesenden Ihre Gäste ? - Ich auch demnach - bin auch anwesend . Ein Glas her ! Schenk ein , altes Tintenfaß ! « Der Sekretär ließ sich nicht beirren , sondern fügte im früheren Tone hinzu : » Weiß mich nicht zu besinnen , daß ich Sie geladen hätte « , und dabei machte er rasch nacheinander winkende Bewegungen mit den Händen , als wollte er sagen : Fort ! fort ! fort ! Bernhard lachte blödsinnig , legte die Arme bis zu den Ellbogen auf den Tisch , rückte näher zu Bozena heran , sah ihr von unten hinauf ins Gesicht und sagte : » Er möcht mich weg haben , der Alte , aber was hilft ' s ? - Ich gehe nicht , ich bleib bei dir , mein Herzel ! « Nun fuhr Mansuet auf ihn los : » In welchem Tone erlauben Sie sich mit der Jungfer zu reden ? « herrschte er ihn giftig an . » Das ist der Mansuet , glaub ich « , rief Bernhard spöttisch . » Bon soir , Herr Mansuet , was kümmert Sie mein Ton ? - Wenn ihr « , er blinzelte Bozena vertraulich zu , » mein Ton nicht recht ist , wird sie ' s schon sagen . Nicht wahr , Bozenka , mein Schatz ? « Mansuet hielt sich nicht länger . » Der Teufel ist dein Schatz , du Trunkenbold ! « schrie er , » und nun fort ! und wenn du die Türe nicht findest , fliegst du zum Fenster hinaus ! « Das Gesicht des Jägers flammte , er rief : » Du Lump ! Was geht ' s euch an , ihr Lumpe , wie ich spreche mit meiner Geliebten ? ! « » Deiner Geliebten ? ! « wetterte der kleine Kommis und hatte ihn im selben Augenblicke am Kragen und zerrte ihn vom Sessel herab auf den Boden , » deine Geliebte ? ! ... Nimm das zurück , oder ich schlag dich tot , ich schlag dich tot ! « Bernhard tobte wie ein Rasender unter den Fäusten Schimmelreiters , der ihn gepackt hatte und ihm gleichfalls zurief : » Nimm das zurück ! « Er wehrte sich mit allen seinen Kräften und schrie dabei : » Just nicht ! Euch zum Trotze nicht ! Meine Geliebte , meine Geliebte ! sie war ' s ! « Mansuet kannte sich nicht mehr . » Bestie ! « kreischte er , riß ein Messer vom Tische und stürzte damit auf Bernhard zu ... Da erfaßte eine eiskalte Hand die seine und entwand ihm das Messer mit einem Rucke ... Bozena stand zwischen dem Jäger und seinen Angreifern . » Laßt ihn « , sprach sie , ihre Stimme klang hart wie Metall . » Laßt ihn . Es ist wahr . « Ein dumpfer Schrei erhob sich . Bernhard stand langsam auf , warf triumphierende Blicke im Zimmer umher und machte Miene , auf Bozena zuzueilen . Doch sie , mit stummer Verzweiflung im Angesichte , mit einer Gebärde unsäglicher Verachtung , wies gebieterisch nach der Tür . Der Elende blieb erschrocken stehen , murmelte einige unverständliche Worte , zupfte seine Jacke zurecht und gehorchte . Eine lange Pause folgte , die Männer warfen