Sack und schiebt sie in die Glut . » Sage mir , Junge , woher hast du die Erdäpfel ? « Er wird rot und sagt : » Die Erdäpfel , die - die hab ' ich gefunden . « » Gesegne dir sie Gott , aber ein andermal finde sie nicht mehr , sondern gehe die Winkelhüterin an , wenn du Hunger hast ; sie schenkt sie dir . « - Geschenkte schmecken nicht , gefundene tun ' s besser , ist auch das Salz schon dabei , gelt ? Dort steht ein Strauch , der hat sich gestern abends mit einem Kettlein von Tauperlen geschmückt ; heute ist der Tau erstarrt und brennt der Pflanze schier das Herze ab . Ich habe an einem solchen Nachsommertage einmal eine sehr alte Frau im Walde sitzen gesehen . Diese Frau hat einst ein Kind gehabt . Das ist in die neue Welt gegangen , ins heiße Brasilien , um das Gold zu suchen . Der herbstliche Gesichtskreis ist so grenzenlos klar , daß die Mutter in die ferne Vergangenheit vermag zu schauen , wo der Liebe Knabe steht . Sie schaut ihn an , sie lächelt ihm zu , sie schlummert ein . Am andern Morgen sitzt sie noch auf dem Stein und hat einen weißen Mantel um . Der Schnee ist da , der Nachsommer ist vorbei . Und über das Wasser schifft ein Blatt Papier , das zieht gegen die heißen Zonen Südamerikas . Einem sonnenverbrannten Mann gibt es Nachricht vom fernen Daheim : Mutter im Walde gestorben . - Ein kleines Tränlein windet sich mühsam zwischen den Wimpern hervor , die Sonne saugt es rasch auf und nach wie vor heißt die Losung : Gold ! Gold ! Käme noch ein einziger Brief zurück ins alte Mutterland , er müßte erzählen : der Sohn im Golde erdrückt . - Was träume ich hier ? Es ist der Weltlauf , der mich nichts angeht . Ich will Frieden haben mitten im stillen Herbsten dieses Waldes . Dort oben in der Buchenkrone löset sich ein müdes Blättchen los , sinkt von Ast zu Ast und tänzelt an unendlich zarten schillernden Spinnfäden vorüber und hernieder zu mir auf den kühlen Grund . - Die Menschen in der Ferne , mit denen ich vormaleinst gelebt , was werden sie treiben ? Das außerordentliche Mädchen blüht immer - immer - auch im Herbst ; - im Sachsenland werden die dürren Blätter wehen über Gräbern .... Einsamkeit kann einsam Leid nicht bannen . - - Ich muß mich nach Dingen umsehen , die mich zerstreuen und erheben und die mich nicht einseitig werden lassen in meiner Umgebung . Ich habe begonnen , Pflanzenkunde zu treiben ; ich habe mit meinen Augen aus Büchern herausgelesen , wie die Eriken leben und die Heiderosen und andere ; und ich habe mit meinen Augen dieselben Pflanzen betrachtet , stunden- und stundenlang . Und ich habe keine Beziehung gefunden zwischen dem toten Blatt im Buche und dem lebendigen im Walde . Da sagt das Buch von der Genziane , diese Pflanze gehöre in die fünfte Klasse , unter dieser in die erste Ordnung , komme in den Alpen vor , sei blaublütig , diene zur Medizin . Es spricht von einer Anzahl Staubgefäßen , von Stempel und Fruchtknoten usw. Und das ist der armen Genziane Tauf- und Familienschein . O , wenn so eine Pflanze ihre eigene , mit eitel Ziffern gezeichnete Beschreibung selbst lesen könnte , sie müßte auf der Stelle erfrieren ! Das ist ja frostiger , wie der Reif des Herbstes . Das wissen die Waldleute besser . Die Blume lebt und liebt und redet eine wunderbare Sprache . Was wissen die nicht von der Schlüsselblume , vom Frauenschühlein , vom Muttergotteshäuberl , vom Schneeglöckel , vom Vergißmeinnicht für schöne Geschichten ! So gaukeln die kleinen Blumenseelen im Gemüte des Älplers umher . - Aber ahnungsvoll zittert die Genziane , naht ihr ein Mensch ; und mehr bangt sie vor dessen leidenschaftglühendem Hauche , als vor dem todeskalten Kusse des ersten Schnees . So bin ich der nicht Verstehende und Unverstandene . Sinnlos und planlos wirble ich in dem ungeheuren lebendigen Rade der Schöpfung . Verstünde ich mich nur erst selbst . Kaum nach dem Fieber der Welt zur Ruhe gekommen und mich des Waldfriedens freuend , drängt es schon wieder , einen Blick in die Ferne zu tun , so weit des Menschen Auge kann reichen . - Dort auf der blauen Waldesschneide möcht ' ich stehen und weit hinaus ins Land zu anderen Menschen sehen . Sie sind nicht besser wie die Wäldler und wissen auch kaum mehr ; jedoch sie sterben und ahnen und suchen dich , o Herr ! .... Auf der Himmelsreiter Eines schönen Herbstmorgens habe ich mich aufgemacht , daß ich den hohen Berg besteige , dessen höchste Spitze der graue Zahn genannt ist . - Bei uns im Winkel herunten ist doch allzu viel Schatten , und da oben steht man im Lichtrunde der weiten Welt . Es ist kein Weg , man muß gerade aus , durch Gestrüppe und Gesträuche und Gerölle und Zirmgefilze . Nach Stunden bin ich zu der Miesenbachhütte gekommen . Das junge heitere Paar ist schon davon . Die lebendige Sommerszeit ist vorbei ; die Hütte steht in herbstlicher Verlassenheit . Die Fenster , aus der sonst die Aga nach dem Burschen geguckt , sind mit Balken verlehnt ; der Brunnen davon ist verwahrlost und sickert nur mehr , und das Eiszäpfchen am Ende der Rinne wächst der Erde zu . Die Glocke einer Herbstzeitlose wiegt daneben , die läutet der versterbenden Quelle zu ihren letzten Zügen . Das Gartenbeet , das die Sennin im Sommer so sorgsam gepflegt hat , auf welchem lieblich die hellen Blüten haben geflammt , wuchert jetzt wild , halbverdorrt , zernichtet . O , wie sehnsuchtsvoll wartet im jungen Frühling unser Auge auf die ersten Blumen des Gartens ! Mit all unseren Mitteln stehen wir dem