, das Auge auf Elisabeth richtend ; sie sah einen Augenblick hinein , das Eis war geschmolzen , ein seltsamer Schimmer tauchte dafür auf . » Ja , « antwortete sie einfach . » Aus einer großen , schönen Stadt , die alle erdenklichen Genüsse und Annehmlichkeiten bietet , plötzlich in den stillen Wald , auf einen einsamen Berg versetzt zu werden , das ist ein unliebsamer Tausch ... Sie waren natürlich trostlos über diese Veränderung ? « » Ich betrachtete sie als ein unverdientes Glück , « war die unbefangene Antwort . » Wie ? ... Sonderbar ... Ich meine , man greift nicht nach der Distel , wenn man die Rose haben kann . « » Ueber Ihre Meinungen habe ich begreiflicherweise kein Urteil . « » Ganz recht , weil Sie mich nicht kennen ... jene Ansicht ist jedoch eine ganz allgemeine . « » In ihrer Anwendung ist sie einseitig . « » Nun denn , ich will Ihre Geschmacksrichtung , mit der Sie unter Ihren Altersgenossinnen wohl schwerlich eine gleichgesinnte Seele finden dürften , nicht weiter anfechten ... In Ihrem Interesse will ich jedoch glauben , daß es Ihnen nicht ebenso leicht geworden ist , Ihre Freunde zu verlassen . « » Sehr leicht sogar ; denn - ich hatte keine . « » Ist das möglich ? « rief Fräulein von Walde . » Sie hatten mit niemand Verkehr ? « » O ja ; aber das waren Leute , die mich bezahlten . « » Sie gaben Unterricht ? « fragte Herr von Walde . » Ja . « » Aber hatten Sie nie das Bedürfnis , eine Freundin zu besitzen ? « rief Helene lebhaft . » Niemals , denn ich habe eine Mutter , « erwiderte Elisabeth mit einem Tone tiefen Gefühls . » Glückliches Kind ! « murmelte jene und senkte den Kopf . Elisabeth fühlte , daß sie hier eine wunde Stelle in Helenes Herzen berührt hatte . Es that ihr leid und sie wünschte lebhaft , den Eindruck zu verwischen . Herr von Walde schien diese Gedanken auf ihrem Gesicht zu lesen ; denn ohne auf Helenes Verstimmung zu achten , frug er : » Und war es der Thüringer Wald ganz besonders , wo Sie zu leben wünschten ? « » Ja . « » Und warum ? « » Weil mir schon in meiner frühesten Kindheit erzählt wurde , daß wir aus den Thüringer Bergen stammen . « » Ah , aus dem Geschlechte der Gnadewitze ? « » So hieß früher meine Mutter - ich bin eine Ferber , « antwortete Elisabeth bestimmt . » Sie sagen das mit einem solchen Nachdrucke , als ob Sie Gott dankten , daß Sie jenen Namen nicht zu führen brauchen ? « » Ich bin auch froh darüber . « » Hm ... er hat seiner Zeit bedeutenden Klang gehabt . « » Aber keinen reinen . « » Ei , was wollen Sie ? ... An allen Höfen hat er so gut gegolten wie unverfälschtes Gold ; denn er war sehr alt , und vorzüglich die letzten seiner Träger sind deshalb stets mit den höchsten Würden überhäuft worden . « » Verzeihen Sie , aber dafür habe ich ganz und gar kein Verständnis , daß ... « Sie hielt errötend inne . » Nun ? ... Sie haben den Satz angefangen , und ich bestehe darauf , auch sein Ende wissen zu wollen . « » Nun , daß Sünden belohnt werden , weil sie alt sind , « erwiderte sie zögernd . » Gemach , man sagt von mehreren Ahnen der Gnadewitze , daß sie sich tapfer und brav gezeigt haben . « » Das mag sein , aber es liegt auch ein Unrecht in dem Gedanken , daß dies Verdienst noch nach Jahrhunderten ausgebeutet werden darf von solchen , die nicht brav und tapfer sind . « » Sollen große Thaten nicht fortwirken ? « » Gewiß , aber wenn wir es verschmähen , ihnen nachzueifern , dann sind wir auch nicht würdig , ihre guten Folgen zu genießen , « gab Elisabeth mit Entschiedenheit zur Antwort . Ein Wagen rollte donnernd in die Einfahrt . Herr von Walde runzelte die Stirn und strich mit der Hand über die Augen , als sei er unsanft aus einem Traume geweckt worden . Gleich darauf öffnete sich die Thür und die Baronin trat ein . Sie hatte gleich Bella , die heute mit dem Anstande einer erwachsenen jungen Dame neben der Mama herschritt , Hut und Mantille noch nicht abgelegt . » Da wären wir glücklich wieder ! Ist das eine abscheuliche Luft heute ! Ich habe es tausendmal bereut , mich hinaus gewagt zu haben , und werde wahrscheinlich für meine mütterliche Fürsorge mit einem tüchtigen Schnupfen büßen müssen ... Bella möchte gern selbst sehen , wie es dir geht , liebe Helene ; ich habe mir deshalb erlaubt , sie mit herein zu nehmen . « Die Kleine ging geraden Schrittes auf das Ruhebett los . Sie schien Elisabeth nicht zu bemerken , die dicht daneben saß , und streifte sie so hart , als sie sich bückte , um Helenes Hand zu küssen , daß ein Knopf ihres Mantels die leichte Garnierung an Elisabeths Kleid faßte und zerriß . Bella hob den Kopf und schielte seitwärts auf den Schaden , den sie angerichtet ; dann drehte sie sich um und ging hinüber zu Herrn von Walde , um ihm die Hand zu geben . » Nun , « sagte dieser , indem er seine Hand zurückzog , » hast du keine Entschuldigung für deine Ungeschicklichkeit ? « Sie erwiderte kein Wort und retirierte neben die Mama , auf deren Wangen die zwei verhängnisvollen roten Flecken erschienen . Der Blick , den sie Elisabeth zuwarf , zeigte indes , daß ihr Unwille nicht dem ungezogenen Töchterchen galt . » Nun , Kind , kannst du nicht reden ? « fragte Herr von Walde nochmals ,