erfahren zugleich , hütete der Caplan sich wohl , diese Einsicht , die er gewonnen hatte , irgend kund zu geben . Er ließ den Freiherrn unbehindert seinen Weg verfolgen ; er hielt sich bei Angelika auf , so oft sie es begehrte , und war man bei den Mahlzeiten oder in den frühen Abendstunden bei der Baronin zu Dreien zusammen , so wußte er dem Gespräche freundlich die Wendung zu geben , welche die Eheleute von sich selber abzog und es ihnen nicht fühlbar machte , wie weit sie von einander entfernt worden waren . Eines Abends , als Sturm , Schnee und Hagel das Haus recht winterlich umsausten , erschien der Baron , zu einem Hof-Concerte gekleidet , früher als gewöhnlich bei seiner Gattin . Man hatte die Thüre , um die Baronin gegen den Zugwind zu schützen , mit Schirmen verstellt , auf denen , nach dem Geschmacke jener Tage , langzöpfige Chinesen mit ihren Schönen unter Palmen und wunderlichen Thürmen einherspazierten , während Diener ihnen mit großen Fächern Kühlung zuwehten und buntes , reich gefiedertes Gevögel sich in goldenen Ringen unter den Zweigen der Bäume schaukelte . Schnell und sich die Hände reibend trat der Baron in Angelika ' s Zimmer ein . Er fragte nach ihrem Befinden , und auf die Antwort , daß es ihr nicht übel gehe , versetzte er : Nun , wenn Du Dich sonst leidlich fühlst , so kann man Dich heute um die Ruhe und um die freundliche Wärme Deiner Zimmer beneiden , denn es ist ein Wetter , das mir einmal wieder recht lebhaft die nie erloschene Sehnsucht nach dem Süden wachruft . Er erinnerte darauf den Caplan , wie wenig diesen zu Anfang der Charakter des Südens angemuthet habe , rühmte sich der Einsicht , mit welcher er gleich bei dem Eintritt in Italien die richtige Schätzung des Landes und des Volkes besessen , und kam dadurch auf das Thema von der Gewalt und der Bedeutung der ersten Eindrücke zu sprechen , auf die er , wie seine Zuhörer es wußten , ein großes Gewicht legte . Er pries dabei seine Menschenkenntniß , nannte dieselbe eines der schätzenswerthesten Güter , welche das reife Alter vor der Jugend , der Mann in der Regel vor der Frau voraus habe , und schloß diese Bemerkung mit dem Geständnisse , daß er diese Menschenkenntniß den Besitz Angelika ' s verdanke ; denn Sie , lieber Caplan , fügte er hinzu , Sie können es nicht leugnen , Sie haben die Baronin Anfangs nicht mit dem günstigen Vorurtheile angesehen , wie ich . Der Caplan lächelte , und mit jener Würde und Sicherheit , die es weiß , daß sie solchen Anschuldigungen die Stirne bieten kann , sagte er : Den Werth der Frau Baronin zu unterschätzen , konnte mir wohl nicht begegnen , mein Bedenken gegen Ihre Wahl lag auf einer anderen Seite , Herr Baron ! Angelika wußte , was damit gemeint sei . Sie wurde verlegen , und wie man in solchen Augenblicken leicht etwas Ungehöriges thut , um nur von sich selber abzukommen , sprach sie lächelnd : Man darf aber doch in keinem Falle den ersten Eindrücken zu viel Bedeutung einräumen , denn hätte ich das gethan , so wäre ich jetzt auch nicht hier . Nicht hier ? fragte der Freiherr ; was meinst Du damit , meine Liebe ? Ich meine , daß ich dann nicht Deine Frau geworden sein würde . Denn ich entsinne mich ganz deutlich , daß , als ich Dich , lieber Franz , zuerst gesehen habe , mir Deine Erscheinung zwar sehr imponirte , daß ich aber doch eine Art von Unbehagen , von Scheu , von innerem Abmahnen Dir gegenüber fühlte . Der Baron wurde ernsthaft . Hätte ich eine Ahnung davon gehabt , so würde ich Dich gemieden haben ! sagte er . Bester , rief die Baronin erschrocken aus , wie kannst Du das nur denken , wie kannst Du das nur sagen ! Warum nicht ? fragte der Baron sehr ernsthaft . Es handelt sich hier , ganz abgesehen von uns , um ein Princip , um eine Erfahrungs- oder Ueberzeugungssache . Der Mensch hat , das ist keine Frage , nichts so sehr zu beachten , auf nichts so zuversichtlich zu bauen , als auf die Stimme seines Innern , auf diesen geheimnißvollen , weisen , ahnungsvollen Rathgeber , der ihn , nach meinen Erfahrungen , fast niemals trügt . Lieber Mann , rief die junge Frau noch einmal und erhob bittend ihre Hände zu ihm , strafe mich nicht so hart für das thörichte Aussprechen einer kindischen Empfindung ! Ich Dich strafen , entgegnete er , wie käme ich dazu ? Wie käme ich dazu eben jetzt , da mich die Sorge erfüllt , daß ich Dir doch noch Unheil bringen könne . Der Caplan machte eine abwehrende Bewegung mit dem Haupte . Wie oft , gnädiger Herr , sagte er , haben Sie auch schon die gegentheilige Erfahrung an sich selbst zu machen die Veranlassung gehabt , daß der geheime Zug , der Menschen auf einander hinzuweisen oder sie von einander fern zu halten schien , Sie täuschte ! Die habe ich niemals gemacht ! versicherte der Baron , der nur auf Widerspruch zu stoßen brauchte , um sich in einer Vorstellung zu befestigen . Niemals ? fragte der Caplan mit Bedeutung . Niemals ! wiederholte der Freiherr sehr bestimmt . So waren Sie glücklicher , als ich es glaubte , bemerkte der Geistliche gelassen . Vielleicht war ich nur achtsamer , meinte der Freiherr , denn man hat sich sehr davor zu hüten , nicht irgend eine augenblickliche Aufwallung oder einen sinnlichen Anreiz für jenen wundervollen Zug der Sympathie zu halten , den schon die Alten kannten und verehrten . Er brach damit plötzlich ab , wendete sich freundlich zu der Baronin und fragte , indem er ihre Hand ergriff : Und was hattest Du denn eigentlich gegen mich , Du