der Rath zu Ehren des Königs Max veranstaltet und ihn sammt dem Markgrafen Friedrich und allen andern Rittern und Herren geladen hatte . Als der König mit seinem Gefolge eintrat , waren die Nürnberger bereits alle versammelt und harrten in einem Halbkreis aufgestellt , die Herren auf der einen , die Damen auf der andern Seite , seiner Ankunft , die schmetternde Trompetenklänge verkündeten . Die beiden Loosunger Tucher und Holzschuher wiesen ihm seinen Platz oben an der Tafel an , den unvermeidlichen Kunz von der Rosen an seiner linken Seite und an seiner Rechten den Markgrafen von Brandenburg , daran reihten sich die beiden Loosunger , und nun wechselte je ein Rathsherr mit einem Ritter ab nach strengster Rangordnung . Kunz machte ein so erstauntes , auffallend dummes Gesicht und saß so regungslos wie vom Schreck gelähmt , daß der Markgraf zu ihm sagte : » Nun Kunz , Ihr seh ' t aus , als sei Euch die Butter vom Brode gefallen , und habt doch zur Zeit weder das Eine noch das Andere erhalten . « » Aber es sieht mir ganz danach aus , « sagte Kunz , » als wolle uns dieser hochedle Rath mit trockenem Brode abspeisen , denn die Unterhaltung mit diesen Herren wird sich mir bald wie trockene Krumme im Munde wälzen , wenn nicht das Lächeln der Frauen die Butter dazu sein darf . « Der Markgraf lachte : » Ja das ist so Nürnberger Art. Der Rath hat im Kampf wider den Putz der Frauen erliegen müssen , aber bei seinen Gastmahlen weiß er noch sich in Respect und sie im Zaum zu halten . « » Ei , das wollen wir doch sehen ! « sagte Kunz und schielte fragend nach dem König . Der aber antwortete : » Du bist mein Rath und ich nicht der Deine . Ich will hoffen , daß Dich Dein Witz nicht im Stiche läßt , uns vom trockenen Brode zu helfen ! « Kunz sprang auf , kehrte aber , da er schon einige Schritte gethan hatte , wieder um , nahm den bereits gefüllten Humpen in die Hand , der an seinem Platze stand , und sagte : » Beinah ' hätte ich vergessen mich gegen eine trockene Kehle zu verwahren ! « Mit einem Satze war er an der Frauentafel und stand vor Elisabeth . » Erlaubt , edle Frau , « sagte er , » daß ich Euren Platz für mich in Anspruch nehme , um Euch dafür den meinigen zu bieten . Sollte Euch der Tausch nicht genehm sein , so bleibt mir Nichts als meine Schalksfreiheit zu brauchen und den Sitz mit Euch zu theilen ; Ihr braucht nur ein wenig zuzurücken , so haben wir Beide Platz ! « Dieser Nachsatz genügte , daß sich Elisabeth eilig erhob , erglühend dem Hofnarren in ' s Gesicht sah und nicht wußte , was sie thun oder antworten sollte , indeß die neben ihr sitzende Katharina Haller schadenfroh lächelte und mit zärtlichem Neigen auf Kunz blickte , denn sie nahm sein Kommen und daß er gerade an ihrer Seite Platz nahm , für eine ihr dargebrachte Huldigung , und indeß ein Theil der Frauen laut lachte , verließ Markgraf Friedrich seinen Platz , ging auf Elisabeth zu , und indem er sich vor ihr verneigend ihre Hand faßte , sagte er zu den Herren an der Tafel gewendet : » Die anderen Ritter werden dem Beispiel folgen , das der lustige Rath gegeben , « und zu Elisabeth : » Erlaubt , daß ich Euch zur Tafel führe , wie es Ritterbrauch . « Und Kunz flüsterte ihr zu : » Nehm ' t es nicht übel , wenn Euch der Platz des Narren werden soll ; nur wenn Ihr es mir nicht Dank wüßtet , wäret Ihr eine Närrin . Ihr hörtet eben , daß mich der Herr Markgraf einen lustigen Rath genannt , und da könnt Ihr wohl meine Stelle besser ersetzen . Ich sah , wie die Adleraugen meines Königs zu Euch flogen , und obwohl er Falkenblicke hat und auch in solcher Entfernung keiner Eurer Reize ihm entgeht , so wird er sich Eures Anblickes doch lieber in der Nähe erfreuen . « Erglühend , aber mit stolzem Anstand schritt Elisabeth , von Friedrich geführt den Ehrenplatz an der Seite des Königs einzunehmen auf diesen zu , indeß die Ritter und einige jüngere Nürnberger aufstanden , um zwischen den Damen Platz zu nehmen oder sie mit sich zur königlichen Tafel zu führen . Es entstand ein buntes Gewirre , daß auch die ehrwürdigsten Rathsmitglieder , die mit Schrecken diesen Umsturz alles wohllöblichen Herkommens durch den Narren sahen , Mühe hatten durchzudringen und nur einen leidlichgeordneten Zustand herbeizuführen , wo eine völlige Anarchie einzureißen drohte . Endlich hatten wieder alle Platz genommen , und mit Elisabeth saßen noch elf Damen unter den Herren , während eben so viele Herren an der kleineren Damentafel Platz genommen , darunter auch Stephan , der den Platz neben Ursula erobert . Max versäumte zwar nicht die Pflicht des königlichen Gastes , sich Allen zu widmen und für Jeden , den sein Wort erreichen konnte , freundliche Rede und ein gefälliges Ohr für die eines Andern zu haben , aber er hatte daneben doch immer bewundernde Blicke für Elisabeth , und eben so oft , wie er ihr eine süße Schmeichelei zuflüsterte , sprach er auch laut mit ihr über dieselben Gegenstände , welche mit den Männern zur Sprache kamen , wobei sie oft klügere und geistvollere Antworten zu geben vermochte als manche von ihnen . Einmal fragte er sie leise : » Vermißt Ihr nicht Einen unter meinen Rittern ? « Sie ließ ihre Augen umherschweifen und verneinte die Frage . » Das nimmt mich Wunder ! « sagte er , » denn um Euretwillen habe ich Eberhard von Streitberg geboten die Stadt zu verlassen . « Elisabeth ward todtenblaß , und man sah , wie kalte Schauer ihre