Ofenheizer , ein Mann , der ' s statt cale , welches bekanntermaßen nicht kalt , sondern warm heißt , warm macht , id est im Ofen ... Katerkamp flüstert : Auch an andern Orten ... Allgemeines Gelächter . Auch der Conrector lacht . Sintemalen vor kurzem erst sieben Quartaner übergelegt worden sind und ab calefactore warm gemacht bekamen cum Bim-Bam-Bam-Bum-Baculo ! Nun sang der Geistesschwache Studentenlieder ... mit dem Refrain des Crambambuli ... Wie paßt das aber alles auf den Deichgrafen ? fragte Lucinde , an dergleichen gewöhnt und durch das offene Fenster forschend . Calfactor , sagte der Kammerherr , am Türck wieder fortmalend , Calfactor ist ein Subject , ein dienendes Instrument , ein Farbenreiber , ein Pinsel , eine Drechselbank , ein Pudel , der apportirt ... Nein , nein , nein ! unterbrach Lucinde . Einen Calfacter nennt man bei uns zu Hause einen Hund , ganz wie Ihren Türck , den man jeden Augenblick daran erinnern muß , wer sein Herr ist , der an jedem Stein stillsteht und schnuppert , was unter ihm stecken mag , der , wenn man ihn freundlich anredet , den Schweif zwischen die Beine klemmt und wie mit bösem Gewissen davonläuft , einen elenden Ueberläufer , der im Stande ist , nach einem halben Jahre seinen eigenen Herrn nicht mehr zu erkennen und ihn anzufallen ... Bravissima ! rief der Kammerherr . Recht , meine Heilige ! So handelte der Deichgraf am Vater ! So vergalt er seine Wohlthaten ! Heinrich muß mir mindestens noch hundert Pistolen schuldig sein oder er hat sie wenigstens nur mit einer ausgetrunkenen Tonne Goslarer Bier bezahlt , die ich dann auch wieder auf meine Rechnung habe nehmen müssen ! Sind das keine Calfacters ? Der Alte war sonst ein Demagog und nun will er Landrath werden . Sind das keine Calfacters ? Lucinde erwiderte Partei nehmend : Die Regierung ist aufgeklärter geworden ; sie braucht die Unterstützung der Vernünftigen gegen die Unvernünftigen . Die Gensdarmen machen es dabei nicht allein , und wie ich gehört habe , Ihr eigener Bruder , der Regierungsrath , soll ja ganz ebenso denken und dem Deichgrafen einen Besuch gemacht haben ... Was ? Wie ? Mein Bruder ? schrie der Kammerherr und sprang auf . Ich höre es wenigstens , lenkte Lucinde ein . Man hätte erwarten sollen , der Kammerherr würde nach einer Flinte , mindestens nach seiner Windbüchse gesucht haben . Jetzt zeigte sich der schwachwillige Charakter des Kranken in dem bloßen Verweilen bei der Thatsache , in der bloßen Freude , dies dem Vater - anzeigen zu können ! Lachend rief er : Schöne Zeiten das ! Ein Wittekind unter den Gensdarmen ! Aber - Roma nondum locuta est setzte er feierlich hinzu . Was heißt das ? fragte Lucinde ärgerlich . Der Kammerherr wollte wieder Plüddemann und Vincke und seine andern detmolder Schüler diese Phrase übersetzen lassen , als er vom Hufschlag eines in galopirender Eile dahersprengenden Pferdes unterbrochen wurde . Lucinde sah schnell zu dem nach der Fronte des Schlosses führenden Fenster hinaus , denn von daher kam das Geräusch . So verwegen durfte von den Leuten des Schlosses niemand in dessen Nähe reiten ! Es war aber Klingsohr nicht , sondern der Kronsyndikus selbst . Wie kam der heute schon so früh heim ? Wie kam er von einer Gegend heim , die keinen andern Zugang bot als den nach dem Düsternbrook ? War er wol gar den Grund selber hinaufgeritten ? Das Pferd schäumte , und fast flog dem Reiter die grüne Mütze ab , als er mit einem gewaltigen Ruck in das offene Seitenthor des Schlosses schwenkte . Nach dem ersten Augenblicke des Erstaunens , wie der Kronsyndikus diesen beschwerlichen Weg hatte wählen können , wollte man zur Arbeit und Uebersetzung der Worte : Roma nondum locuta est ! übergehen , als Türck voll Unruhe an die geschlossene Thür sprang , die Schwelle bekratzte und hinaus wollte . Der Calfacter ! murrte Lucinde , während ihm der Kammerherr schmeichelte , um ihn zum Bleiben zu bringen . Man mußte aber öffnen ; das Thier heulte vor Ungeduld , hinauszukommen . Bald vernahm man ein Rennen und Laufen im Hause , ein Rufen durcheinander . Man erfuhr , daß der Kronsyndikus befohlen hatte , einen Wagen anzuspannen . Darin lag an und für sich nichts Auffallendes , es kam oft vor . Aber die Eile war nie so dringend wie eben . Lucinde ging in ein Zimmer , das in den Hof führte . Sie sah den Kronsyndikus , bis an den Hals zugeknöpft , in seinem grünen Reitrock und in den hohen , schweren Stiefeln im Hofe stehen und mit stummen Geberden zur Eile winken . Sonst pflegte er solche Befehle mit einer Flut nicht eben gewählter Commandowörter zu unterstützen ; heute ging alles still , mit Winken und nur zuweilen mit einem ungeduldig aufgestoßenen Fuße zu . Er wandte , im Hofe stehend , dem Schlosse den Rücken . Den Hirschfänger , ohne den er nie ausritt , selbst in Zeiten , wo es keine Jagd gab , mußte er schon abgeschnallt haben , und doch tastete er immer nach demselben hin und schüttelte den Kopf , wie wenn er erstaunte , vergessen zu haben , daß er schon abgelegt war . Nun wandte er sich und schritt wie taumelnd wieder zum Schlosse zurück , wo er in seinen Zimmern schon gewesen zu sein schien . Lucinde erschrak . Das sonst so geröthete Antlitz des Greises war so auffallend bleich , daß die rothen Flecke , die es immer hatte , wie Wunden aussahen . Die Mütze war ihm entweder bei dem Schwenken in den Thorhof wirklich noch entfallen oder auch schon abgelegt worden . Grell stachen die weißen Haare von der Luft ab ; sie schienen sich zu bäumen ; der weiße Backenbart ging grauenhaft auf und nieder , wie wenn die Kinnladen fröstelnd aneinanderschlugen . Das weibliche Personal der Bedienung und ganz besonders die Lisabeth