später erst das Gift und die Intrigue des Jesuitenordens wurde ! Dreißigtausend Tempelherren hätten - Philipp der Schöne fürchtete es - bewaffnet in Frankreich allein gegen die Ausbildung der weltlichen Tyrannei auftreten können , und was wäre es denn auch für ein Unglück gewesen , wenn immerhin der Geist eines Innocenz des Dritten über den weltlichen Supremat gesiegt hätte ? Es früge sich , ob wir uns nicht besser ständen , wenn der Monarchismus in der absoluten Weise , wie er jetzt auf den Völkern Europas lastet , im theokratisch regierten Europa niemals sich hätte entwickeln können ? Es früge sich , ob wir nicht durch die Kirche , die doch allein die Bewahrerin der Bildung geblieben ist , trotz ihrer theilweisen Verfinsterung doch wol zu größerer Wahrung unserer Menschenfreiheit gediehen wären , als durch den Staat , der uns Revolutionen über Revolutionen brachte und jetzt erst recht im neunzehnten Jahrhundert begonnen hat , ohne alle Rücksicht auf Leben und Tod , mit grausamster Consequenz , für sein frivoles , irdisches , egoistisches Bestehen förmlich , wir sehen es täglich , zu wüthen ! Das erkannte Philipp der Schöne , der klügste politische Kopf seiner Zeit , und rottete die bewaffneten Vertheidiger der Hierarchie mit Hülfe eines von ihm eingesetzten lasterhaften Papstes aus . Das templerische Element flüchtete sich in den Johanniterorden , der leider keines größern Gedankens mehr fähig war . Man fühlte Das . Man dachte an Erneuerung . Immer und immer sollte der Bund wiederhergestellt werden , der dem Papste Kraft über die Gemüther gegeben hätte und zugleich seinen Arm bewaffnet . Aber erst , als das Papstthum sich überlebt hatte , gelang ihm der alte römische Plan durch Ignaz Loyola und Franz Lainez . Eine geistliche Ritterschaft war nun wieder da . Freilich bewaffnet mit dem Schwerte der Scholastik . Das Kreuz des reinen Templermantels ... mit heimlichem und offenem Blute gefärbt . Diese verspätete Ritterschaft kämpfte für eine verlorene Welt , für eine verwelkte Blüte der Jahrhunderte ..... Warum aber erhob sich nicht die Reformation zu einem Gegenbunde gegen die Jesuiten ? Warum brachte sie es nicht weiter als bis zu den allgemeinen und indifferenten Anschauungen der Maçonnerie ? Die Freimaurer sind der Gegenbund der Jesuiten , aber welch ein Feld ist noch übrig , um aus dem Logenschurzfelle des Maurers einen echten Templermantel zu machen , aus der Kelle einen wehrhaften Schild zu schmieden , aus dem Hammer ein Schwert , blank und im Kampfe haarscharf ? Diese Gedanken regte bei Dankmarn Schlurck ' s Wort im Allgemeinen an . Im Besondern aber trat ihm auch die Äußerung , daß er jenen berühmten Proceß führte , der ihn nun bald selbst betreffen konnte , mit beklemmender Überraschung entgegen . Durch den Verlust Dessen , was er eben so bedeutungsvoll gewonnen hatte , sah er sich zwar ausgeschlossen von der Theilnahme an einem alten Rechtshandel , dessen Führung bei Schlurck in den gewandtesten Händen war ; allein sollte er das Verlorene wiederfinden , wie konnte er in diesem Falle nicht noch mit Schlurck in Gegensätze gerathen , die greller waren als die der verflossenen Nacht ? ... Doch warf Dankmar bald diese Grübelei aus seinen Betrachtungen fort und hielt sich an das Nächste , an die Natur und an die Abenteuerlichkeit seiner Reise , zu deren Räthseln vorzugsweise Hackert und jetzt auch seine Beziehung zu Schlurck gehörte , dessen Geschenk an den nervenkranken Nachtwandler von einer auffallend innigen Theilnahme zeugte . Hackert störte die unhörbaren Selbstgespräche seines Gefährten nur durch das Knallen der Peitsche , die am Walde widerhallte , und ein Locken und Pfeifen des Mundes , immer wenn er Vögel sah und diese vom Wege in die Schatten der Bäume zurückhüpften . Als er merkte , daß Dankmar geneigt war , auf ihn zu hören , begann er : Im Stalle gestern lag ich schlecht ; ich zog doch vor , oben in einem guten Bett zu schlafen . Haben Sie gut geruht ? Dankmar bemerkte wohl , daß Hackert seine plötzliche Erscheinung im obern Corridor auf natürliche Weise erklären wollte , als einen freiwilligen Entschluß . Warum sollte er ihm diese Beschönigung seiner Krankheit stören ? Es rührte ihn vielmehr , daß der Mensch über Etwas , das ein angeborenes Schicksal ist , das Gefühl der Scham haben konnte ! Er erinnerte sich , daß Siegbert oft beim Anblick elend geborener oder körperlich verwahrloster Menschen gesagt hatte : Wie finden sich diese Menschen nur mit ihrem Schöpfer zurecht ! Wie tragen Sie nur ihr Leid , nicht sehen , nicht hören , nicht sprechen zu können ! Welche langen Kämpfe des Gemüths gehören dazu , bis der unheilbar Kranke , der ewig liegen muß , sich nicht mehr frei bewegen kann , sein Schicksal als unabänderlich hinnimmt und sich von den Freuden des Lebens noch soviel in die Vorstellung bringt , daß er denkt : Das bleibt dir doch noch ; Das lohnt sich doch noch , all diesen Jammer zu tragen , und mit ihm auszuharren , und wär ' es nur der warme , milde Sonnenschein ! Dankmar , um sich dem Kranken gegenüber ganz unbefangen zu zeigen , vermied jede weitere Frage , auch die wegen Hackert ' s näherer Beziehung zu Schlurck . Er lenkte von Allem , was seine Neugier reizte , auch von dem Inhalt der Börse , die er zurückbehalten , und der schönen Häkelarbeit , auf Etwas hinüber , das ihm jetzt schon für gleichgültiger erschien , seine Ankunft in Hohenberg und die Untersuchung wegen eines an dem Fuhrmann Peters wahrscheinlich verübten Raubes . Bei den Leuten auf dem Heidekrug , sagte Hackert , hab ' ich mich erkundigt . Wir passiren noch eine kleine Stadt , Dassel geheißen , dann kommen wir ins Hohenbergsche nach Berghübel und gegen Abend sind wir in Plessen am Fuße des Schlosses Hohenberg . Es ist ganz Recht , dort treffen wir noch lustige Gesellschaft . Alle Creditoren der Hohenberg ' schen Masse , Schlurck ' s Frau