Nun ? - Daß die Herzogin den Ausdruck » Geißel « wörtlich genommen , das arme Mädchen , auf einer ihrer » Herrschaften « eingesperrt , und mit Ruthen gegeißelt habe , um sie für ihren künftigen Beruf vorzubereiten . - O Himmel ! - rief der Fürst aus , indem er das Gesicht mit den Händen bedeckte . - Weiter ! - Nachher soll sie sie in ein böhmisches Kloster geschickt haben . - Genug ! - Und Elend , Schmach , Verzweiflung haben die Aermste nicht getödtet ? Gilbert schwieg . - Geh ' von mir ! Ich will meine Hände nicht mit Deinem Schurkenblut besudeln . - - Zum Danke - sagte höhnisch Gilbert - will ich Ihnen eine Nachricht geben , die Sie erfreuen wird : Morgen kommt der Fürst Lichninsky nach Berlin . Mit diesen Worten war er verschwunden . Der Prinz aber setzte sich auf einen verdorrten Baumstamm - und weinte . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als der alte Steiger am Arm seines Freundes Hartwig das Brandenburger Thor passirte , erblickten sie zu ihrem nicht geringen Erstaunen den » Pariser Platz « mit Dragonern besetzt . Verrath fürchtend , wollten sie wieder zurück , da traten ihnen zwei Jäger mit vorgestreckten Karabinern entgegen . Auf den Pistons blitzten wie Johanniswürmchen die rothen Zündhütchen im Mondenschein . - Zurück hier ! - herrschte man den harmlosen Arbeitern entgegen . Die Hähne knackten . Steiger und Hartwig traten verdutzt einen Schritt zurück und wußten nicht , nach welcher Seite sie sich wenden sollten . Hatte man ihnen eine Mausfalle gestellt ? - Eine Droschke fuhr eben zum Thore herein und hielt in ihrer Nähe . - Geht nach Hause , Kinder , und fürchtet nichts - tönte aus der Droschke eine Stimme , welche Steiger heute schon einmal gehört . Rasch trat er an den Schlag , um Aufklärung über diese drohende Maßregel zu gewinnen . Aber er erblickte nichts , als einen Herrn mit einer Dame ; im nächsten Augenblicke wollte der Wagen schon fort . Es war Herr von M. und seine Freundin Lucie . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wir erleben noch was in der andern Woche - sagte bedenklich der alte Steiger , als er mit seinem Freunde Hartwig die vier Treppen zu ihrem gemeinschaftlichen Schlafgemach hinanstieg . - Was sollte das heute mit den Weiß- und Grauröcken bedeuten ? - - - Gut ; sie fangen an , uns zu fürchten . Wißt Ihr wohl , Steiger , daß ich mich heute mit einem Gefühl - na , wie soll ich sagen , mit ' nem Gefühl von Stolz auf ' s Stroh lege . - Narrheiten sind ' s , mein Junge , damit holla ! Aber denk daran heute über 8 Tage , wenn Du noch daran denken kannst , es wird blutige Köpfe setzen , passe auf ! Damit legten sie sich zu Bett . Der alte Steiger war ein Prophet . 8 Tage später um diese Zeit hatte der » stolz gewordene « Hartwig die Worte des » alten Vaters « Steiger bereits vergessen . - Eine Kartätschenkugel hatte ihm den Kopf und damit auch das Gedächtniß weg gerissen . - VII - Herr Präsident , es ist eine Dame draußen , die Sie zu sprechen wünscht . - Bekannt ? - fragte Herr v. M. den diensthabenden Polizeidiener . - Nein . - Führen Sie sie in mein Privatzimmer . Ich werde sogleich erscheinen . Herr v. M. war nicht neugierig , aber eine innere Stimme sagte , daß dieser Besuch für ihn von Interesse sei . Er beendete rasch , was ihm eben vorlag , und eilte durch das Entree in sein Privatzimmer . - Ei sieh da , schöne Frau ; wie komme ich zu dieser Ehre ? - Nicht wahr , Herr Präsident - erwiederte Alice lächelnd - Sie wollen sagen , der umgekehrte Fall sei passender ? - Allerdings wäre es längst meine Pflicht gewesen , Ihnen meinen Besuch abzustatten . Indeß - - - Ach , Herr v. M. , Sie wollen mir ausweichen , doch mag es drum sein . Was mich zu Ihnen führt ? Eine Bitte , unterstützt von Ihrem Freunde - - Meinem Freunde ? Ich wüßte nicht , daß ich Freunde hätte , welche dritte Personen , und wären es selbst so schöne Frauen wie Sie , in das Geheimniß dieser Freundschaft einzuweihen sich veranlaßt fühlen könnten . Also dieser Freund - - Ist der Prinz A ... - sagte Alice , ihn ruhig fixirend . - Oder sollte ich mich irren ? - Und die Bitte ? - fragte Herr v. M. , einer Antwort ausweichend , obschon er fast versucht war , den Prinzen für seine Indiskretion durch Desavouirung dieser Freundschaft zu bestrafen . Er lieferte damit den Beweis , daß selbst der feinste Menschenkenner , und das war sicherlich Herr v. M. , in seinem Urtheile sofort unsicher wird , wenn seine eigene Persönlichkeit dabei ins Spiel kommt . Hätte die Sache nicht ihn , sondern eine dritte Person betroffen , so würde er den Prinzen nicht der Indiskretion verdächtigt , sondern sich des alten Satzes erinnert haben , daß ein Weib in Ton und Blick Geheimnisse erkennt , welche der Mund verschweigt . - Mich auf eine halbe Stunde zu dem Arbeiter Ralph ins Gefängniß zu lassen . - Das wird nicht angehen . - - Haben Sie es doch dem alten Steiger versprochen . - - Auch das wissen Sie ? - Das war etwas Anderes , es sind Cameraden . - Mit einem Worte , Sie wollen nicht ? - Ich kann nicht . Sie wissen ganz wohl , daß die Polizeispione auf nichts mehr ihr