Etwas , wenn er lange nicht bei ihr gewesen war , und so ging er immer wieder zu ihr . Wollte sie ihn dann mit Vorwürfen empfangen , daß er so lange nicht da gewesen , so setzte er ihrer leidenschaftlichen Heftigkeit eine ernste , fast schwermüthige Ruhe entgegen , welche sie bald entwaffnete - ja sie selbst war auch so an ihn gewöhnt , daß sie oft über der Freude , den lang Vermißten wiederzusehen , vergaß , daß sie ihm hatte grollen wollen . Einmal jedoch , als eine ganze Woche vergangen war , ohne daß Jaromir bei Bella gewesen war , erwachte die Eifersucht in ihr - sie fürchtete , daß er eine Andere liebe . Das schöne junge Mädchen - Elisabeth - fiel ihr wieder ein , mit welchem ziemlich zugleich sie einst Jaromir hatte das Haus , welches sie bewohnte , verlassen sehen . Zwar hatte ihr später Jaromir gesagt , daß er von Thalheim gekommen sei , mit dem er ein Geschäft abzumachen gehabt - sie mochte denken , ein literarisches - aber sie war sich doch genau bewußt , daß seit diesem Tage Jaromir ' s Stimmung verändert war , daß er von diesem Tage an aufgehört hatte ihr Sclave zu sein . Baron Füßly , welcher mit Aurelie Treffurth wirklich ein kleines Liebesverhältniß angesponnen , und bei ihren Eltern um ihre Hand geworben hatte , da er sie für eine gute Partie betrachtete , war zurückgewiesen worden , da umgekehrt Aureliens Eltern , welche von seinen Schulden und ausschweifendem , thatlosem Lebenswandel hörten , ihn für eine sehr schlechte Partie hielten , und ihre Tochter seinen Ueberredungskünsten dadurch entzogen , daß sie dieselbe aus der Residenz in ihren Familienkreis zurückriefen , wo Aurelie , die erst stolz darauf war , sich bald verheirathen zu können , es nun auch darauf war : einen Korb ausgetheilt zu haben , und sich über diese Trennung weiter nicht grämte . Füßly aber war über diese fehlgeschlagene Hoffnung ziemlich verstimmt , und suchte bei der schönen Schauspielerin seine üble Laune zu vergessen . Er fand auch ziemlich Gnade vor ihren Augen , und von ihm , als Jaromirs intimsten Bekannten , konnte sie wohl erfahren , welche Gesellschaften dieser jetzt besuche , und welches neue Interesse ihn fesselte . Es wäre nun vielleicht in Füßlys Interesse gewesen , Jaromir bei Bella zu verdrängen , aber in seinem noch größeren war es , ihn sich zum Freund zu erhalten , denn außer von der Nachsicht seiner Gläubiger lebte Füßly jetzt nur noch von Jaromirs Großmuth . Daher suchte er Bella die reine Wahrheit zu sagen , daß Jaromir in keiner Gesellschaft eine Dame besonders auszeichne , daß er überhaupt meist nur in Herrengesellschaft gehe , und daß sein verändertes Benehmen wohl Nichts sei , als eine Dichterlaune , da er jetzt an einem größeren Werke arbeite . Bella war dadurch noch nicht vollkommen beruhigt , und verschmähte es nicht , auch durch ihr Kammermädchen , welche mit Jaromirs Diener vertraut war , über ihn Erkundigungen einzuziehen . Aber auch hier blieb es dabei : Jaromir erhielt weder Briefe oder Billette von einer Dame , noch schrieb er dergleichen an solche , ging auch nicht heimlich aus , noch fand sich überhaupt bei seinem ganzen Thun irgend etwas Geheimnißvolles . Bella konnte sich beruhigen . Eines Tages , als er nach langer Abwesenheit wieder bei ihr eintrat , und wie gewöhnlich neben ihr auf dem Sopha Platz nahm , schmiegte sie sich zärtlich an ihn , und sagte : » Ist es auch Recht , daß Sie jetzt über Ihren Dichtungen das wirkliche Leben ganz vergessen ? Ist es Recht , daß Sie über Ihren Traumbildern Ihre Geliebte vernachlässigen ? « Er sah sie halb erschrocken an , machte sich von ihr los , stand auf , und sagte sehr ernst : » Also immer noch diesen Traum , Bella ? Diesen Traum , aus dem ich längst aufgewacht bin , in dem ich Sie schon lange nicht mehr befangen glaubte . « Sie erhob sich rasch , ihr Gesicht glühte . » Und das sagen Sie so ruhig . - Sie bekennen , daß Sie mich getäuscht haben , daß Sie eine Andere lieben ! « rief sie außer sich . Er schüttelte langsam die dunkeln Locken : » Getäuscht ? Was sind alle Liebesverhältnisse , ja alle Lebensverhältnisse überhaupt anders , als eine Kette oft gezwungener , immer wenigstens absichtsloser Täuschungen ? Ich eine Andere lieben ? Nein , das ist für mein Herz vorbei - das hat gelernt , daß das Glück der Liebe nur ein Traum ist . In der Zeit , wo aus der knospenden Kindheit ein heiliger Zauberschlag die volle Blüthe reifer Jugend entfaltet - da liebt man ganz und wahrhaftig , da lebt man im lachenden Frühling , wo der Himmel ewig blau ist , und die ganze Natur grün und blühend und ein seliges Paradies . - - Aber jeder Mensch muß sein Paradies verlieren ; die Einen treibt der Racheengel gewaltsam fort , die Andern kehren ihm langsam , aber freiwillig den Rücken , freiwillig - bis sie plötzlich gewahr werden , was sie verloren , und nicht mehr zurück können . « Er hielt inne - er hatte begeistert , aber sanft gesprochen , als wenn er daheim allein an seinem Schreibtisch säße , und nur sein Papier zum Zeugen hätte - seine Augen glänzten , seine Lippen zuckten schmerzlich lächelnd , ein sanftes Roth lag auf seinen Wangen - sie hatte ihn nie schöner gesehen . Sie setzte sich wieder , und wagte Nichts zu entgegnen , endlich sagte sie : » Sprechen Sie so weiter , « und während ihre Augen innig an ihm hingen , fuhr er fort : » Was man später von Liebe spricht , so ist es ein Spiel , das man nicht mit dem fremden Herzen allein , sondern auch mit dem eignen treibt - aber das Spiel ermüdet , man