. Wer von uns steigt vom Pferde ? « Es verstand sich , daß der Ritter Lindenberg durch die Frage sich selbst ausschloß . Auch war Hans Jochem schnell vom Roß , derweil der Junker auf dem seinen in mäßigem Trabe einen Kreislauf versuchte . » Was ist das ? « rief der Ritter , als Peter Melchior grad auf etwas zusprengte , das jenem im ungewissen Sternenschimmer verdächtig vorgekommen war , ohne daß er erkennen mochte , was es sei . » Ein Strick ! « rief Peter Melchior . » Ein Strick zum Hängen und zum Knebeln , je nachdem . « » Ihr seid sehr aufgeräumt , Herr von Krauchwitz . « » Nur der Strick , Herr von Lindenberg , thut ' s. Auf solchem Ritt muß man Alles mitnehmen . Die Nacht schenkt uns , was uns Noth thut und wir doch vergaßen . « » So hinter Euch auf ' s Pferd damit , und lacht nicht so abscheulich . « Die Fährte war gefunden ; sie ging über die Brücke , verlor sich aber drüben bald wieder im Haidekraut , so daß die Reiter zunächst ihre ganze Aufmerksamkeit der Spur widmen mußten . Die Geisterstunde war darüber verstrichen . Mit der Erwartung schien auch die Lebenskraft der Genossen wieder erwacht . Bei einem Köhler hatten sie die letzte Nachricht eingezogen , die es ihnen unzweifelhaft machte , in welcher Richtung der Krämer weiter gefahren . Sie mußten ihn nach Verlauf einer Stunde auf dem Wege treffen , welcher sich längs einem der weit einbuchtenden Havelseen nach der Fähre hinzog , mittels der man auf der Straße von Brandenburg nach Potsdam übersetzt . » Der Ort ist gut , « sagte Lindenberg . » Der Schwieloch hat steile Waldufer und viele Krümmungen . Was hilft dem Schurken seine Pfiffigkeit , daß er den einsamsten Bergweg suchte ! « » Hinter ' m Berge wohnen auch Leute , « fiel Peter Melchior ein . » Die da wohnen , werden ihn nicht hören , Lieber . Der alte Ferge , der Baumgarten , ist immer taub in der Nacht , wenn man ihn ruft . Doch denk ich , wir treffen ihn schon früher . Der Sand steht . Noch Bedenken ? « » Die Stunde ist schon gut . « » Und was denn nicht ? « » Der Ort auch , ja und nein . Die flache Haide aber wäre mir lieber . In einem schmalen Wege zwischen See und Berg kann er uns nicht entwischen - « » Und wir auch nicht , « fiel lachend Hans Jochem ein , » wenn Leute kämen . Wohin sollte Peter Melchior Reißaus nehmen ! Mit den Rossen kann man nicht die Berge ' nauf . Wir müßten grad in den See . Schwimmt Euers ? Und der Kerl ist ein Hexenmeister , das ist auch gewiß . « Der Spott hat seine Wirkung verfehlt . Peter Melchior schwenkte den Strick : » Wißt Ihr , warum der leer ist ? Der Schuft hat Raffen gespielt . Meines Herren Götze Lederbüchsen mitgenommen . Hans Jürgen ist in April geschickt . Nun sag mir noch Einer , daß wir nicht mit Rechten ausgeritten . Wär ' der Dechant hier , säh er doch gleich den Fingerzeig Gottes , warum wir dem Kerl den Kopf waschen müssen . Blitz Mordio ! Sieben Tage weniger einen auf der Wäsche , damit der Lump gestohlene Hosen rein anzieht . Ein Dieb ! hängt ihn ! « » Zum Teufel ! Laßt den Strick , « rief ärgerlich der Lindenberger , » und erzählt lieber , wie es mit den Elennshosen ist , von denen ich so viel gehört und doch nicht weiß , was es eigentlich soll . « » Das weiß eigentlich Keiner so recht , « sagte Peter Melchior , da sie wieder still neben einander ritten . » Als ich noch ein Bub ' war , sah ich schon den Großvater von Götzen , der ritt darin zur Freite . Nun sie haben wohl schon ehedem was darauf gehalten . Der Vater hat sie immer dem Sohn vermacht . Kurzum die Hosen wurden immer älter , und da sie nicht rissen , betrachtete sie Einer nach dem Andern immer mehr als was Absonderliches . Das nur ist gewiß , der Lippold Bredow , der Landeshauptmann war unter den Luxemburgern , ward drum von den Magdeburgern gefangen . « » Der Erzbischof fing ihn wohl um andere Dinge und hielt ihn in gar nicht ritterlicher Haft . « » So steht ' s in den Chroniken . Laßt Euch ' s aber erzählen von Bredows , die wissen ' s anders . Der Lippold war ein Mann , der sich nicht vor dem Teufel fürchtete , so wenig als sein Ahn , der Nippel . Als es nun zu der Fehde kam mit dem Magdeburger , dran Havelland und Zauche noch denken , sagt ihm seine Frau , eine Bodenstein : Lippold , zieh die Lederhosen an . Es kam noch kein Bredow zu Schaden , wenn er das Leder an hatte . Lippold aber sagte : Weib , daß ich eine Memme wär , so ich mein Heil von so geringfügigem Ding erwartete . Von unserer guten Sache und meinem Muth erwarte ich Sieg , und von meinem Harnisch , den der beste Meister in Straßburg gefertigt , daß mein Leib heil bleibt , so anders Gott es will . Das andere ist eitel Gerede . Sein Weib hatte gut reden : Lippold thu ' s doch , wenn ' s auch nicht hilft , kann ' s doch nicht schaden . Er war aber , was sie einen Freigeist nennen , und sagte : Man soll auch dem Teufel nicht Fußangeln legen . Mein Vetter Dietrich mag ' s probiren , so er Lust hat . Anfangs dachte Keiner daran , weil sich die Fehde gut anließ . Lippold aber ward im Moor gefangen von