Kelche einer Rose blitzte ein kleiner goldner Punkt , er gab dem Drucke nach , und die sanft verschwindenden Wände zeigten ein lebensgroßes Bild in reichem goldnen Rahmen . Es war eine junge Dame von engelgleicher Schönheit , die aus diesem Bilde mit einer Wahrheit blickte , daß das zauberische Lächeln um ihren Mund sich jeden Augenblick in holde Worte beleben zu wollen schien . Ein Laubdach blühender Myrten und Orangen zog wie eine Halle sich um sie her und ließ nur über ihrem Haupte einen reinen blauen Himmel durchdringen , dessen Licht die Rosenkrone zu verklären schien , die sie in den dunkeln Locken trug , welche glänzend auf ihre schönen Schultern niederwallten . Ihr Kleid war weiß , ein Purpurmantel , durch Juwelen auf ihren Achseln festgehalten , wallte bis zu den Füßen nieder ; in ihren schönen Händen trug sie einen phantastisch geformten Stab , halb Dolch , halb Zepter oder Kreuz , mit Lilien und Epheuranken fest umwunden , vielleicht zum Strauße blos erdacht . Es war ein Meisterwerk der Kunst , und doch vergaß man das Verdienst des Künstlers , so hoch hatte er sein Werk gestellt . Ihm gegenüber dachte der unbefangene Beschauer nur , wie die Natur in einem Wesen so alle ihre schönsten Gaben ausgegeben habe , eine würdige Hülle , wie es schien , für eine Seele zu erschaffen , die wie ein Engelsgruß aus ihren Augen blickte . Schon war dies zauberische Bild einen Augenblick enthüllt , und der Blick der Herzogin ruhte noch am Boden , als wären ihre Augenlieder schwer belastet . Doch jetzt erhob sie dieselben , mit Hoheit sich emporrichtend , und fuhr dennoch in sich zusammen . Aber nicht mehr zu wenden war dies zagende Auge von nun an , obwohl es immer länger , immer heißere Schmerzen sog. So hast Du mich also getäuscht ! rief sie endlich ; ja , es ist kein Zweifel , zum zweiten Male schuf die Natur Dich nur , durch Dich ! So sei mir Gott gnädig ! Doch ich vergebe Dir , ich vergebe Dir , höre mich , Gott , und vergieb Du ihm auch ! - Noch ein Mal blickte sie fest auf dies liebliche Gesicht , das vergeblich auf ihr ernstes Antlitz nieder lächelte ; besonnen verschloß sie es dann , und die Kerzen ergreifend verließ sie das Gemach und eilte ohne Rückblick durch das angrenzende , als fürchte sie in ihrer Kraft zu wanken . Stark drückte sie die Thür , die nach dem Vorsaal führte , auf und ging ohne Aufenthalt an Mistreß Morton vorüber , welche zitternd ihr entgegen trat . Du frierst , sprach sie fest , laß uns eilen , meine Liebe , es wird kalt , der Morgen naht , wir haben lang genug der kalten Nachtluft uns ausgesetzt . So schritt sie weiter , bemüht , ruhig zu erscheinen , nicht ahnend , wie in ihrer Hand der fremd geformte Leuchter aus dem eben verlassenen Gemache unbeachtet schwankend hing , Zeugniß ablegend gegen ihre angenommene Ruhe . Doch dem sorglichen Blicke Mortons war dies nicht entgangen . Der Leuchter mußte zurück bleiben , wenn er nicht in seiner abweichenden Form zum Verräther werden sollte . Doch zögerte das warnende Wort auf ihren Lippen . Sie fühlte , wie sich die Stimmung der Leidenden verrieth , die so stolz sich ihr zu entziehen strebte . Bald indeß vermißte die Herzogin den folgenden Schritt der Dienerin , als diese zögernd weilte ; sie wandte sich , und nun streckte Mistreß Morton ihren Armleuchter ihr stumm entgegen . Schaudernd gewahrte die Herzogin ihr Versehen ; sie löste die erstarrte Hand von seiner Säule . Mistreß Morton eilte damit zurück , und weniger fest ging dann die Herzogin weiter , den langen düstern Weg , den kein Mondlicht mehr erhellte , dessen Stille kein Wort mehr unterbrach ; nur das Geräusch der sich öffnenden und schließenden Thüren , und das Rauschen der langen Gewänder über den getäfelten Boden , der seufzend ihre Schritte wieder zu empfinden schien , unterbrach diesen geisterähnlichen Zug . Die Fremde kannte indessen keinen sehnlicheren Wunsch , als der Herzogin über ihre Lage die nöthige Auskunft zu geben . Das Zusammensein mit dieser ausgezeichneten Frau hatte ihr die Aussicht auf ein unbedingtes Vertrauen eröffnet , nach dem sie sich lebhaft sehnte , und ihre eigne hochgestellte Individualität hatte sie vor dem Eindrucke der Befangenheit bewahrt , den die Herzogin leicht machte , und der dem Erkennen ihrer übrigen Vorzüge so hinderlich ward . Sie fühlte sich durch die Gesellschaft der jungen Damen des Hauses von allen Schrecknissen ihrer Phantasie befreit und dem harmlosen Vergnügen hingegeben , das junge Mädchen in dem Umgange mit einander finden . Ihr Verstand war jedoch zu geordnet , um die Verwirrung nicht lösen zu wollen , die in ihr Leben getreten war ; sie hoffte mit Recht , sich klarer zu werden , indem sie versuchte , sich Andern so darzustellen . Die Aeußerungen der Herzogin über ihre Geburt , ihre Unschuld , hatten die Bewußtlosigkeit der Jugend über diese Punkte in ihr zerstört und sie gelehrt , auf sich selbst anzuwenden , was sie als ferne gesicherte Zuschauerin wohl von Andern hatte bezeichnen hören , und was allerdings genügend war , diese beiden großen Güter des Lebens ihr außer Zweifel zu stellen . Sie hatte dies nicht sobald erkannt , als ihr Geist daran arbeitete , die Bilder ihres Lebens zu ordnen . Ein leichtes Geschäft , wie es schien , wo in so zarter Jugend die hervorragendste Begebenheit beginnt und schließt , und alles Fernere sich auf den liebevollen Umgang mit Verwandten und Erziehern begrenzt . Auch war es das erste Mal , daß sie ihr junges Leben überdachte und ihre Vorstellungen darüber auffrischte , und je länger sie dachte , je seltsamer ward ihr dabei . Widersprüche , Dunkelheiten drängten sich ihr auf , welchen zu begegnen sie sich schämte . Das höchste Vertrauen zu ihren Umgebungen hatte sie