reinlichem Geschirr anzubieten . Diesem war es in der That nach dem ärmlichen Mahl eine Erquickung , und er nahm es gern an , obgleich er sich über des Wirths veränderte Stimmung wunderte , deren Ursache ihm jedoch nicht lange verborgen blieb . Der Wirth ließ es sich deutlich merken , daß er es schon erfahren habe , wie mild der Graf für den Obristen gesorgt habe . Die grobe Magd war nämlich schon früher , als der Graf in der Schenke gewesen und hatte die große Neuigkeit verkündigt . Da ihn der Graf nicht über diese Sache zu Worte kommen ließ , so suchte er seinen Beifall durch erhöhte Dienstfertigkeit auszudrücken , und als der Graf endlich nach seinen Pferden rief und seine Rechnung verlangte , hätte der Wirth gern nichts genommen , und nur des Grafen stolzes Gesicht schreckte ihn ab , doch richtete er seine Forderung äußerst mäßig ein , und als er das Geld empfing , beschloß er dasselbe dem ersten Armen zu schenken , der bei ihm herbergen würde ; dann führte er des Grafen Pferd selbst vor und hielt ihm den Bügel . Nun reisen Sie mit Gott , sagte er , als der Graf zu Pferde saß , Sie haben heut ein christliches Werk gethan . Sie sind es besser im Stande , als ich , der Segen bleibt nicht aus . Der Graf betrachtete einen Augenblick das breite , gutmüthige Gesicht des Mannes , der so herzlich froh und dankbar aussah , als ob ihm selbst eine große Last abgenommen wäre , und trat dann heiteren Muthes den Rückweg nach dem Schlosse Hohenthal an . XI Die Abenddämmerung war schon eingebrochen , und noch immer erwartete die Gräfin und Emilie mit ängstlicher Ungeduld den Grafen vergeblich . Die Sorge der Frauen war von Neuem erregt worden durch die Nachricht , die der Schulze so eben gebracht hatte , daß einzelne Reiter durch das Dorf gesprengt seien , von denen er nicht mit Gewißheit angeben konnte , ob sie zu den feindlichen oder freundlichen Schaaren gehörten . St. Julien verweilte noch auf seinem Zimmer , Dübois war bei ihm beschäftigt und der Arzt schon am Morgen nach Krumbach geritten , wohin er eilig zu kommen aufgefordert worden war , um ärztlichen Beistand zu leisten . Emilie quälte sich mit der doppelten Sorge , daß der Oheim auf seinem Wege auf feindliche Truppen gestoßen sei , die ihn mit fortgeführt hätten , oder daß feindliche Truppen während seiner Abwesenheit die Bewohner des Schlosses bedrängen könnten , und in beiden Fällen zeigte ihr ihre Phantasie ungewisse Bilder von Gräueln , die um so quälender waren , weil sie sich nicht deutlich bewußt war , was sie eigentlich fürchtete ; auch die Gräfin war durch die Nachricht des Schulzen beunruhigt , doch war ihre Hauptsorge die , dem Grafen möchte ein Unfall begegnet sein , und sie war eben im Begriff , Befehle zu ertheilen , daß man ihm auf dem Wege , den er kommen mußte , entgegen reiten sollte , als der Hufschlag eines Pferdes hörbar wurde und gleich darauf ein Reiter in den Hof sprengte . Beide Frauen eilten zum Fenster , sie vermutheten mit Gewißheit den Grafen , es war aber der Arzt , der gleich darauf hastig und lärmend die Treppen heraufstieg , und mit vor Zorn und Kälte gerötheten Wangen das Zimmer betrat , in dem die Frauen sich aufhielten . Man sah es dem Arzte an , daß etwas Großes seine Seele bewegte , der Zorn beherrschte ihn aber so sehr , daß er nicht sogleich durch Worte die Qual seines Herzens erleichtern konnte , und erst nach wiederholten Fragen der Gräfin und ängstlichen Bitten Emiliens strömte er abwechselnd lateinische und deutsche Sentenzen über die Schlechtigkeit der menschlichen Natur aus . Nur nach langem Forschen erfuhren die Frauen die Ursache des ungewöhnlich heftigen Zornes des Arztes . Er war , als er von seinen Krankenbesuchen hatte heimkehren wollen , in der Schenke des Dorfes gewesen , um sein Pferd dort wieder in Empfang zu nehmen , und war bei seinem Eintritte durch heftig streitende laute Stimmen überrascht worden , die zu seinem Erstaunen den Namen des Grafen wiederholt nannten ; hiedurch sei seine Aufmerksamkeit erregt worden , berichtete er , und er habe mit Abscheu gehört , wie man den Grafen öffentlich beschuldigt habe , er stehe mit den Feinden in Verbindung . In seinem Hause halte sich verkleidet ein bedeutender französischer Offizier auf und leite von da aus die Operationen der Feinde ; auch der alte Haushofmeister diene als Spion . Er habe es deutlich bemerkt , behauptete er , daß diese schändlichen Beschuldigungen hauptsächlich von einem jungen Manne in schwarzer , zierlicher Kleidung ausgegangen waren , viele Bauern und andere in der Schenke anwesende Personen hätten ihren Abscheu durch laute Verwünschungen des Grafen kund gethan , andere , bessere , hätten den Grafen vertheidigt , diesen habe sich der Arzt natürlich angeschlossen , es habe nicht viel dazu gefehlt , daß ein blutiger Streit entstanden wäre , und Gott weiß , so schloß der Arzt seinen Bericht , welches mein Schicksal gewesen wäre , wenn nicht glücklicher Weise der Baron Löbau das Zimmer der Schenke betreten hätte , auf dessen Ermahnungen die Gemüther sich beruhigten , besonders als er mit großer Herablassung den unvernünftigen Bauern die Geschichte des verwundeten Franzosen weitläufig erzählte . Als der Tumult sich gelegt hatte , fuhr der Arzt fort , reiste der Baron weiter , der bloß seine Pferde hatte ein wenig ausruhen lassen , und Jederman bemerkte nun mit Erstaunen , daß der schwarz gekleidete junge Mann sich ganz still beim Eintritt des Barons entfernt hatte . Es war weislich von ihm gehandelt , setzte der Arzt noch hinzu , denn seine Verläumdungen würden ihm nun übel bekommen sein . Die Gräfin war sichtbar bestürzt über den Bericht des Arztes , und Emilie brach in Thränen und Klagen aus . Ist es möglich ! rief sie , daß eine Handlung der