wunderbar schmerzliche und doch beseligende Blick angedeutet , den sie auf ihn geheftet hatte . Ein tiefes Weh zog durch seine Brust , er preßte beide Hände gegen das Antlitz , und eine Stimme , leise , aber durch alle seine Pulse zuckend , klang : » Warum verfolgst du mich ? « Ja , er fühlte es , er liebte , liebte das Mädchen , das er mit so schneidender Kälte verfolgt - sich selbst marternd , hatte er ihren weichen Busen gemartert , ihr edles Herz zerfleischt . Ottfried ' s Worte vom Schmerz , jenes Liedchen , die bewußtlosen Träume und Bilder , die ihn bis jetzt verfolgt , endlich der fürchterliche Augenblick , wo er das angebetete Mädchen in der Qual ihres gebrochenen Herzens niederstürzen sah - Alles stürmte jetzt auf ihn ein , und wie ein Kind weinend , warf er sich in seinen Stuhl , und zitternd , im ungemessenen Ausbruche des ersten tiefen Gefühls , flogen seine Glieder . Immer und immer tönten die Worte : » Warum verfolgst du mich ? « Immer wieder traf jener Blick in sein Herz , immer von Neuem vernahm sein Ohr den dumpfen gebrochenen Laut , mir dem sie niederstürzte ; seine Marter erstieg den höchsten Gipfel . Die Nacht kam auf leisen Fittichen , die Sterne zogen hinauf , noch immer lag er im Sessel . Armes , armes , süßes Mädchen ! Du konntest in der gemißhandelten warmen Brust das Bohren des kalten Dolches nicht länger erdulden , es warf die Kälte des Freundes dich , eine Leiche , zu Leichen , dein schöner Leib schlug zu seinen Füßen nieder ! Wider deinen Willen sollte dein brechendes Auge das seinige öffnen . Wie kalt , wie arm , wie dürftig lagst du da , und dennoch gegen deine Engelglorie wie höflich , wie elend stand ich da in der Verzerrung meines Innern , ausgehöhlt von kalten Hohn gegen alles Edle und Schöne , was die Erde trägt . Ich Thor , erschlossen glaubte ich mir schon jede Erdenseligkeit , auf den Höhen des Lebens meinte ich gewandelt zu haben , und stehe als Neuling geblendet vor den ausfliegenden Thoren eines nie geahneten Paradieses . Sie liebt mich ! Du liebst sie ! O seltsames , schmerzliches Räthsel - habe ich nicht oft geträumt , zu lieben ? in süßer Trunkenheit suchten im Kusse sich die Lippen , Auge entzündete sich im Auge , und ein kurzer Schmerz drückte das Erwachen aus ; - hier aber greift der Schmerz zuerst in das Leben , vernichtend , entsetzlich ! o Magdalena , Magdalena ! - Sturmwolken trieben am Himmel hinauf und verhüllten den Glanz der Gestirne , ein Gewitter ließ sich in leisen , dumpfen Schlägen vernehmen , und gestaltlos feurige Scheine flogen am Horizonte hin . Eduard hatte seinen Blick fest auf ' s Schloß gerichtet , er suchte eifrig das Fenster des Gemachs , wo ihn heute das Schicksal erfaßt hatte , um sein ganzes Leben plötzlich umzugestalten . Die Zimmer waren dunkel , doch weit davon , wo die Gemächer der Prinzessin begannen , leuchtete noch ein einsames Licht durch rothe Vorhänge , wie ein feuriges Auge durch die Nacht , herüber . An diesem Lichte sitzt sie , in Träume versenkt , rief er bei sich , auch ihre Seele flieht der Schlaf , die süße Ruhe auf immerdar ! Auch ihr geht in Ahnungen dein erwachender Liebesmorgen auf . Das Wetter zog näher , und die schwülen Töne rollten jetzt dumpf die tiefe Leiter hinab , heller zuckten die breiten zerfließenden Strahlen . Die Gerüche der Blüthen unter dem Fenster , von der Schwüle entzündet , verbreiteten fast betäubende Düfte , die Luft selbst war ein heißer Athem , der sich vergeblich zu kühlen strebte an der Stirn , dem Busen des armen Jünglings . Die Erschütterung seines Wesens ging jetzt in tiefe Ermattung über ; er entschlief auf dem Ruhebette , und indeß die Gewitter sich über seinem Haupte entladeten , glaubte er im Traume finster drohende Stimmen über sich zu vernehmen . Er erblickte Gestalten über sich , die zusammentraten , um über ihn Gericht zu halten ; es erschien Emiliens Bild , dann schütterte ein ungeheures Krachen dicht neben ihm nieder , ein gelber Schein füllte das Gemach ! Entsetzen faßte ihn , er sah das Schloß in vollen Flammen stehn . Mit der Schnelligkeit des Sturmwindes flog er die wohlbekannten Wege hinauf , durchlief die Gemächer , welche von einem ungeheuern Angstruf widerhallten , und drang mitten in ' s Getümmel . Wehende Schleier , fliehende Gestalten , zugeschleuderte Thüren , qualmende Rauchwolken und züngelnde Flammen warfen sich ihm in den Weg ; durch sie alle fand sein Fuß den Weg - und dort , dort im rothen Gemach - dort lag sie noch auf dem Sessel , wo er sie verlassen , eine bleiche niedergeknickte Lilie , das Haupt in die Arme geschlossen , von der Glut der Flammen blaßroth angehaucht . Mit riesiger Kraft umfing er den schönen Leib , der süße Busen , von einem Gott mit dreifacher Glut durchströmt , küßte auffliegend seine heiße Wange , sein Auge trank Reize , die sein innerstes Mark berauschten , und der Wahnsinn der höchsten Leidenschaft spielte mit dem Moment des Todes . Nirgends ein Ausgang ! Flammen wie Säulen umstanden , zu einem Tempelrund geschlossen , das trunkene Paar - da war es ihm vergönnt , in einem Kusse zu sterben . - Geständniß und Erhörung krönten sich gegenseitig ; in dem Moment krachten die Balken der Decke zusammen , und unser Freund erwachte aus seinem Traum . Die abgekühlte nasse Luft strich durch ' s Gemach - der Mond , aus dem zerissenen Wolkenmeer sich erhebend , warf seinen Blick auf das ruhig daliegende Schloß und die friedliche Gegend . Als Eduard hinunter zur Familie kam , erfuhr er den Grund des gestrigen Aufruhrs , - Sophie war mit dem Journalisten entsprungen , und